Mei Wirtshaus

„A Wirtshaus, ka

Gourmet-Hüttn“

Im Gasthof Hueber im Melktal kocht Juniorchef Stefan groß auf. Die Küchenlinie des „Einsteigers des Jahres 2017“: bodenständig, regional und kreativ.

Text: Marko Locatin

Zwei Generationen, ein Team: Herbert & Christa, Stefan & Silvia.

Neubrucker Forelle „Neu Wiener Art“: Erdäpfelfond, Petersilienöl, kandierte Zitrone, Kapern, Sardellen …

… Gulasch „im neuen Gwond“– rosa Beiried vom „Blonde d’Aquitaine“- Rind aus Oberndorf.

D

er Blick in die Karte macht schon einmal neugierig: Sanft gegarte Forelle nach „Neu Wiener Art“ mit Erdäpfelfond, eingelegten

Preiselbeeren, Sardellen und Kapern. Beef Tartare vom „Blonde d’Aquitai- ne“-Rind aus Oberndorf mit Misomayonnaise und gebratenem Bauernbrot klingt auch verführerisch. „Wir sind aber a Wirtshaus und ka Gourmet- Hüttn. Es gibt bei uns auch a normales Menü mit Suppe oder Dessert.“


Munterer Familienbetrieb

Er spiele gern mit den Erwartungen der Gäste, so Stefan verschmitzt: „Die Leute kann ma ruhig aus der Reserve locken.“ Der gelernte Koch hat in Lech, Ischl und Maria Taferl sein Handwerk verfeinert. In Maria Taferl, im Viersternehotel Schachner, lernte er seine Frau Silvia Aigner kennen. „Die haben gerade, als ich von dort weg bin, die zweite Haube bekommen. Aber ich wollt hier meine Eltern unterstützen.“ Seit zwei Jahren nun steht er mit seinem Vater in der Küche, Silvia – die aus der Patisserie kommt – und Ste- fans Mutter leiten den Service. „Es is ja viel sinnvoller, wenn ma die schö- nen Leut an die Öffentlichkeit lasst“, sagt Stefan mit einem Grinsen.


Einsteiger des Jahres 2017

Er sei schon stolz auf die Auszeichnung „Einsteiger des Jahres“, für die sich 50 bis 60 Betriebe blind testen lassen. Wichtig sei es aber, am Boden zu bleiben. „Bei mir kommen jede Woche ein paar hundert Leut essen. Wir haben auch viele Veranstaltungen, von Taufen und Firmungen bis zu Geburtstagsfeiern. Die sind wichtig. Wir haben eben auch a Schnitzel um 10 Euro auf der Kartn. Außerdem ist das hier ein Wirtshaus, ein Ort der Begegnung, wo jeder auch nur auf ein Glasl vorbeikommen kann.“


Vom Bauern auf den Tisch

Besonders am Herzen liegt dem Juniorchef ein gesunder Kreislauf vom Landwirt zum Konsumenten. „Die Bauern sollen die Chance bekommen, ihre Produkte direkt zu vermarkten. Unser Saibling und die Forelle kom- men aus der Nachbarortschaft, unser Duroc-Schwein lebt im Tullnertal. Das meiste Gemüse ist aus dem Melktal. Schafkäse, Käse, Milch, Brot und Eier kommen aus dem Ort, Kräuter für Tees und zum Kochen sammelt die Silvia.“ Die Leidenschaft für Produkte aus der Gegend teilt er übrigens mit seinem Onkel Karl, der in seinem Nah&Frisch Geschäft u. a. Brot, Schafkäse und Honig aus der Umgebung anbietet.


Wirtshaus und Heuriger

Dass man bei so vielen lokalen Produzenten auch saisonal kocht, versteht sich von selbst. Im Jänner und Februar dominiert das Hendl, ab März der Fisch, Ende April gehts mit Lamm und Spargel weiter und im Sommer ver- wandelt sich das Wirtshaus in einen vollwertigen Heurigen. Die Weinkarte ist übrigens klein, aber fein bestückt, die Hausweine stammen von Winzern wie Sighardt Donabaum aus Spitz und von Ernst Triebaumer aus Rust. Ja, es lohnt sich, einfach nur auf ein gutes Glaserl Wein vorbeizuschauen. Was bei Stefans Kochkünsten allerdings ein wenig schade wäre.

Fotos: Niederösterreich Werbung/Rita Newman, Christian Fischer

{MEI TIPP}

„Ein heißer Tipp ist die Forelle. Ich war nie

so der Fischesser, aber bei einer Feier im Wirtshaus haben alle Fleisch bestellt. Da hab ich den Fisch genommen – und war begeistert!

Karl Hueber, Nah&Frisch

Kaufmann in 3282 St. Georgen an der Leys, NÖ