Unterwegs in der Region

Von stillen Seen

und Silberknappen

Wir wandern mit Kauffrau Sandra Sadjak in die Schladminger Tauern – auf den Spuren der Bergknappen entlang wilder Wasser zum Duisitzkarsee.

Text & Fotos: Martin Huber

Der Duisitzkarsee zählt zu den schönsten Bergseen der Steiermark. Er ist von bis zu 2.500 Meter hohen Gipfeln umgeben, auf denen bis weit in den Sommer hinein Schnee liegt.

Die neu errichtete Seeterrasse am Duisitzkarsee aus regionalem Lärchenholz.

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ei, is do heroben schee! So a herrlicher See. Und so ruhig.“ Nur das gleichmäßige Rauschen eines kleinen, etwas oberhalb gelegenen Wasser-

falls und sporadisches Vogelgezwitscher durchbrechen die morgendliche Stille am Duisitzkarsee. Sandra bleibt stehen und atmet ein paar Mal tief ein. Es ist Mitte Mai. Hier auf rund 1.650 Meter Seehöhe hält gerade der Bergfrühling Einzug. Sumpfdotterblumen blühen ebenso wie Enziane. Die Nah&Frisch Kauf- frau geht noch ein kleines Stück weiter, in Richtung Duisitzkarseehütte und Fahrlechhütte. Es duftet intensiv nach Lärchenholz, aus dem Handwerker vor wenigen Tagen eine neue Seeterrasse gezimmert haben. „A perfektes Platzerl zum Rasten“, stellt Sandra lächelnd fest.


Teil der „Obertaler Almenrunde“

Die Jause haben wir uns bereits redlich verdient. Schon im Morgengrauen sind wir losmarschiert. Ausgangspunkt war der Parkplatz bei der Eschachalm im Obertal, einem Hochtal in Rohrmoos bei Schladming. Von dort führen zwei Wegvarianten zum Duisitzkarsee: ein klassischer, eher steil angelegter Wanderweg und ein gleichmäßig ansteigender Forstweg. Beide überwinden rund 450 Höhenmeter. Als Gehzeit wird in Wanderführern eine bis eineinhalb Stunden angegeben. Sandras Entscheidung fiel heute in der Früh aufgrund einer leichten Fußverletzung auf den Forstweg. Für sie ist die Wanderung zum Duisitzkarsee eine Premiere: „I kenn zwar einige schöne Plätze in der Region, aber hier im westlichsten Teil des Bezirks gibts für mi no viele neue Wanderziele zu entdecken. Für heuer hat sie sich die „Obertaler Almenrunde“ vorgenommen, die sie in zwei Teiletappen bewandern möchte: im Frühling zum Duisitzkarsee und zum Nickelmuseum in Hopfriesen, im Sommer dann höher hinauf zum Landauersee und zu den Giglachseen.


Berglandschaft in Grün-Weiß

„Auf’n Berg geh i am liebsten in Begleitung, aber heroben bin i a gonz gern allein und genieß die Ruah“, so Sandra. Sie sitzt auf einer schwimmenden Plattform am Ende der Lärchen-Seeterrasse und lässt den Blick durch die beeindruckende Bergwelt der Schladminger Tauern schweifen. Nordseitig zieren noch viele Schneefelder die Gipfel. Frisches Grün und strahlendes Weiß prägen die Landschaft – die steirischen Landesfarben. Nach dem Genuss einer Erfrischung machen wir uns auf den Weg um den See. In der Zwischenzeit ist die Sonne aufgegangen. Sie bringt Frühlingsblumen zum Leuchten und das im Überfluss in den See fließende Bergwasser zum Glitzern. „I bin eigentlich a Wassermensch und mogs gern, am Wasser zu sein“, erzählt die Kauffrau, „und i frag mich immer, was es ist, das uns so zur Ruhe bringt am Wasser. Ist es der weite Blick übern See, der so wirkt? Oder die Bewegung vom Wasser – oder weil wir selber aus Wasser sind, vielleicht spüren wirs deshalb so stark. Jedenfalls komm i am See immer ganz schnell zur Ruhe.“ Wir gehen weiter, mit Blick auf das Wasser und die schneeweißen Gipfel. Eine ganze Weile lang sprechen wir nicht und genießen die Stille. Nur unsere Schritte sind hörbar. Dumpf auf dem wei- chen, lehmigen Uferboden, knirschend, wenn wir über Kies gehen. Der Himmel über uns ist weit und strahlend blau. Wir schauen hinüber zur Hütte, wo schon die ersten Wanderer einkehren. In einer Stunde wird es vorbei sein mit der Stille da heroben, wenn die Wandergruppen eintreffen. Zeit, sich auf den Weg zu unserem nächsten Ziel zu machen: auf den Spuren der Knappen zum Schmelzofen in Hopfriesen.


Letzter Nickelschmelzofen der Ostalpen

Unterwegs dorthin ist das Rauschen des Wassers unser ständiger Begleiter. Gleich zwei Bäche sind es, die in der Nähe des Nickelmuseums rauschen: der Obertalbach und der Giglachbach. Nur wenige Gehminuten von Hopfriesen entfernt, etwas geschützt im Wald, wurde der letzte verbliebene Nickelschmelzofen der Ostalpen zu einem Museum umfunktioniert. Durch die Kombination moderner Architektur aus Glas und Stahl mit der ursprünglichen Bausubstanz entstand ein einzigartiges Museumsgebäude. Hier gibt es viel über den Nickelerzbergbau in der Region Schladming zu erfahren. Das Legierungsmetall ermöglichte einst die Erzeugung von Neusilber. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit Nickel aus den Schladminger Tauern vor allem die aufblühende Geschirr- und Besteckindustrie versorgt. Der Bedarf war jedoch nicht nachhaltig. Ein Preisverfall führte schließlich 1875 zur Einstellung der Bergbautätigkeiten.


„Silberort“ Schladming

Interessiert erkundet Sandra das Areal rund um den Schmelzofen. Sie fin- det dabei auch Hinweise auf die frühere Bergbaugeschichte der Region, die zwischen 1300 und 1500 vor allem durch den Abbau von Silber eine Blütezeit erlebte. Durch die rasche Ausweitung des Handels in dieser Zeit war Silber vor allem als Münzmetall gefragt. Die Gegend um Schladming war eine der bedeutendsten Schürf- und Verarbeitungsregionen. Bereits 1322 erhielt der „Silberort“ Schladming das Stadtrecht. Während der Ab- bau von Silber in den Tauern südlich von Schladming stattfand, vor allem rund um die Giglachseen, wurden an der Mündung des Talbachs in die Enns Schmelzhütten, Kohlstätten und Knappenhäuser gebaut.


Nächste Etappe: Silberbergbau

Man könnte noch viel erzählen – von den lebensgefährlichen Abbaube- dingungen in den Bergen, den rund 1.500 Silberknappen, die Schladming zu Beginn des 16. Jahrhunderts zählte, den Bauern- und Knappenaufstän- den in der Folge. Aber das ist Teil unserer nächsten Wanderung. Dann geht es nämlich entlang der „Obertaler Almenrunde“ hinauf zu den Gig- lachseen, wo sich die meisten Silbergruben befanden. „Des mecht i mir donn im Sommer anschauen“, freut sich Sandra und ergänzt schmun- zelnd: „In dera Gegend gibts no richtig viel zu entdecken. Wir hom scho a Glück, dass ma do dahoam sein derfn.“ Wir verabschieden uns von Hopf- riesen und machen uns auf den Weg ins Tal – um kostbare Momente der Stille, viele schöne Bilder, Gedanken und Geschichten bereichert.

Auf der „Obertaler Almenrunde“ ist das wertvolle Gut Wasser in vielen Erscheinungsformen erlebbar: von ruhig-still im See über glasklar-glit- zernd im Bach bis wild-tosend und schäumend in der Schlucht.

Kauffrau mit Leidenschaft fürs Wandern und fürs Wasser: Sandra Sadjak aus Lassing (Stmk.).

Im Nickelmuseum Hopfriesen wird die bewegte Bergbaugeschichte Schladmings erleb- und spürbar.

Was wäre eine Bergwanderung ohne gute Jause? Für Sandra darf sie durchaus deftig sein.

Nah&Frisch Sadjak

Worauf legst du im Umgang mit deinen Kunden besonderen Wert?

Sandra Sadjak: Das Persönliche ist mir am wichtigsten. Bei uns sind 90 Prozent Stammkunden, die meine vier Teilzeit-mitarbeiterinnen und ich alle gut kennen. Ich lege großen Wert darauf, dass wir stets ein offenes Ohr für unsere Kunden haben, mit ihnen reden und ihnen die gebührende Aufmerksamkeit schenken.


Welche Rolle spielen bei dir Produkte aus’m Dorf?

Sandra Sadjak: Ich sehe es so: Die Bauern in unserer Region gehören unterstützt. Andererseits freue ich mich auch darüber, wenn sie zu mir einkaufen kommen. Daher habe ich viele regionale und lokale Produkte im Sortiment: Eier, Milch, Nudeln, Honig, jeden Mittwoch frisches Bauernbrot und Krapfen. Seit Kurzem kann ich auch handge- machte Knödel anbieten – zubereitet aus regionalen Produkten. Die gibts in vielen feinen Sorten, zum Beispiel Rote Rüben, Blutwurst, Selchfleisch, Grammeln oder Spinat.


Was ist dir für die Zukunft deines Geschäftes wichtig?

Sandra Sadjak: Ich führe mein Geschäft seit Dezember 2015 – samt kleinem Café, Trafik und Post. Meiner Meinung nach trägt ein Nah- versorger viel zum Leben in einem kleinen Ort am Land bei. Würde ein Geschäft wie unseres schließen, wären viele alltägliche Dinge auf- grund der Entfernung der Nachbarorte ein Stück weit komplizierter – speziell für ältere Mitbürger. Darum ist es mir wichtig, das Bewusstsein für die Bedeutung der  Nahversorgung zu schärfen.


Wo findest du Ausgleich zum Beruf?

Sandra Sadjak: Natürlich in erster Linie innerhalb der Familie. Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne. Einer davon spielt beim Eisen- bahnermusikverein Selzthal Schlagzeug. Dort bin ich auch aktiv – als Marketenderin. Ausgleich zum Beruf finde ich zudem im Chor „wois ag“, bei dem ich mitsinge. Außerdem gehören Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, ab und zu Skifahren und das Zusammensein mit Familie und Freunden zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.


Wohin wanderst du am liebsten – und was kommt bei dir in den Rucksack?

Sandra Sadjak: Ich bin in Selzthal geboren. Drum ist der Dürren- schöberl mein Haus- und Lieblingsberg, den ich von meinem Balkon in Lassing aus sehe. Weils am Berg einfach gut schmeckt, darf durchaus etwas Deftiges im Wanderrucksack sein: zum Beispiel Wurst, Käse, Speck und ein gutes Weckerl.

Nah&Frisch Sadjak

Lassing 4, 8903 Lassing, Stmk.

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/sadjak

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www.bergader.com

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www.kaeserei-schlierbach.at