Unterwegs in der Region

Die Kunst des

Fliegenfischens

Fliegenfischen ist die Königsdisziplin des Angelns. Nah&Frisch Kaufmann Rudolf Hobl beherrscht sie perfekt – und zeigt uns im Halbach, worauf es ankommt.

Text: Marko Locatin Fotos: Sebastian Freiler

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ei ihm schaut alles ganz einfach aus. Mit elegant-lässigem Schwung aus der Schulter wirft Rudolf Hobl seinen Köder flussaufwärts in das

rauschende Wasser des Halbachs bei Kleinzell im Mostviertel. Der kleine Neben- fluss der Gölsen ist bekannt für seinen Forellenreichtum. Es ist früher Nachmit- tag, eigentlich nicht die beste Zeit zum Fischen. Außerdem hat es leicht zu reg- nen begonnen – Rudolf Hobl aber ist bestens gelaunt. Es ist sein Revier. Ein sechs Kilometer langes Stück des Halbachs hat er gepachtet. Hier kennt er jeden Stein, jede Kurve, jede Brechung. „Ganz langsam musst dich im Fluss bewegen“, sagt er, als ihm das Wasser schon an den Oberschenkeln steht, „sonst ver- scheuchst die Fische.“ „Forellenpirsch“ nennt er das.


Fliegenfischen: Die Königsdisziplin

„Des Fliegenfischen ist die Königsdisziplin beim Angeln. Da hängst nicht nur die Rute rein, sondern wirfst ganz gezielt Fische an. Erst gehst einmal durchs Wasser und schaust, was da für Insekten sind. Und je nachdem wählst deinen Köder aus. Wenn ich seh, dass die Fisch an die Wasseroberfläche heraufkommen – meist Forellen –, nehm ich Trockenfliegen als Köder. Das sind kleine Fliegen, die an der Oberfläche schwimmen. Wenns Wasser tiefer ist, verwend ich eine Bleifliege, eine Nymphe. Damit ichs dem Fisch, der am Grund schwimmt, anbie- ten kann. Je stärker die Strömung, desto größer muss der Köder sein. Sonst komm ich nicht runter im Wasser“, so Hobl.


Schon holt er wieder aus und die Angelschnur surrt in einem weiten Bogen über unsere Köpfe hinweg. „Bachforellen zum Beispiel schwim- men unter den Steinen. Die musst erst anlocken. Da fischst am besten vom Ufer. Wir gehen jetzt aber auf die Regenbogenforelle.“ So weit zur Theorie. In der Praxis lassen sich die flinken Schwimmer an diesem Nachmittag kaum blicken. Eine ganze Weile stehen wir reglos im Bach. Der Regen wird jetzt stärker. Durch die hohen Gummistiefel spürt man die Strömung, auch die Kälte kommt langsam durch. Wie lange er meis- tens so steht? „Ganz unterschiedlich. Manchmal beißt einer schon nach zehn Minuten an, manchmal dauerts eine Stunde oder länger. Geduld musst schon mitbringen. Aber das ist ja das Schöne am Wasser, dass man zur Ruhe kommt.“ Genau diese Gelassenheit strahlt Rudolf Hobl aus. Nach einer Weile zuckt etwas an der Leine. Langsam und gleichmä- ßig rollt Hobl die Angel auf, nimmt eine stattliche Regenbogenforelle vom Haken und wirft sie in den blauen Wasserkübel, der am Ufer be- reitsteht. Es wird unser einziger Fang an diesem Nachmittag bleiben. „Bei dem Regen kommens nicht gern raus“, sagt Hobl, als er aus dem Wasser watet, „eh ein Wunder, dass uns eine drangegangen ist.“ Mit ei- nem Holzscheit versetzt er der Forelle einen gezielten Schlag auf den Kopf, der sie sofort tötet. Direkt am Ufer nimmt er den Fisch aus und spült ihn mit dem klaren Flusswasser ab.


Vom Tischler zum Fischer

Mit dem Fang kehren wir zurück nach Kleinzell, wo Rudolf Hobl mit sei- ner Frau Andrea ein Nah&Frisch Geschäft betreibt. Ein Durchgang führt vom Nahversorger in das „Sportfischerzentrum“, in dem Hobl Angelzube- hör und Fliegenfisch-Kurse anbietet. Wie er das Fliegenfischen entdeckt hat? „Das is a lustige Geschichte“, beginnt er zu erzählen. Er selbst stam- me aus dem nur wenige Kilometer entfernten Hainfeld und habe lange als Tischler gearbeitet. Das sei damals das Naheliegendste in der waldreichen Region rund 30 km südlich von St. Pölten gewesen. Zum Fliegenfischen sei er dann durch seine Frau Andrea gekommen. „Der Vater von der An- drea hat hier alles mit der Fischerei aufgebaut. Das Lebensmittelgeschäft führen wir jetzt schon in vierter Generation, unser 22-jähriger Sohn wird es bald übernehmen. Auch zum Fliegenfischen bin ich durch den Schwie- gerpapa gekommen. 1992 hab ich angefangen. Wir sind nach Schweden und Kanada gereist, später auch nach Spanien und Rumänien. Hotspot ist Lappland mit dem Hechtfischen.“


Sein größter Fang

Wir starten einen kleinen Rundgang durch das Anglerparadies von Rudolf Hobl und stehen vor einer Wand mit eindrucksvollen Trophäen. „Schau, der Grieche da mit dem blauen Kapperl. Der kommt jedes Jahr. Der hat mir den größten Fisch rausgefangen. Eine 62 cm lange Forelle.“ Rudolf Hobls größten Fang, eine 55 cm große Bachforelle, hat der umweltbewusste Flie- genfischer wieder ins Wasser zurückgesetzt. „Weil ich des Wasser ja gepach- tet hab. Ich will, dass die Leut was Großes fangen bei mir. Ich hab auch ei- nen Fischteich und wenn ich an Fisch will, hol ich ihn mir einfach. Den räuchern wir auch und verkaufen ihn dann übers Gschäft.“


Geduld und Technik

Worauf kommt es denn an beim Fliegenfischen? „Auf Geduld und die Wurftechnik, auf den Schwung. Es ist wie beim Golf. Wennst keine Tech- nik hast, kannst nach einem Tag Fliegenfischen den Arm nimmer heben. Du bist den ganzen Tag in der Natur und der Bach macht dich ganz ru- hig. Du gehst sechs Kilometer rauf und runter im kalten Wasser. Das ist gut für den Kreislauf und am Abend bist hundsmüd.“ Zum Abschied bie- tet uns das Ehepaar Hobl noch eine Räucherforelle an, die auf der Zunge zergeht. „Ja, der Halbach kann schon was“, sagt er. Wir stimmen ohne Vorbehalte zu, schmecken dem feinrauchigen Aroma nach und bedanken uns für die Lektion in der Kunst des Fliegenfischens.

„Am Bach musst dich langsam bewegen. Sonst verscheuchst alle Fische.“

Rudolf Hobl auf „Forellenpirsch“.

„Wennst keine Technik hast, kannst nach einem Tag Fliegenfischen den Arm nimmer heben.“

Köder für alle Fälle: Die Fliegenimitate werden in kunstvoller Handarbeit aus Naturmaterialien gefertigt.

„Unsere Kunden lieben das Selbstgemachte im Gschäft – ob Fischpasteten, Fleischknödel oder frische Strudel und Mehlspeisen.“

Andrea Hobl

Nah&Frisch Hobl-Groissmaier

Welche Spezialitäten bietet ihr euren Kunden an?

Rudolf: Wir verkaufen geräucherte und frische Forellen aus unserer eigenen Zucht. Da schauen wir schon beim Futter drauf, dass die nur Gutes bekommen. Außerdem ist es wichtig, dass sie zu 100 % artgerecht gehalten werden und genug Platz zum Schwimmen ha- ben. Das macht sich dann natürlich auch bemerkbar: in der Fleisch- konsistenz, die dann besonders zart ist, und im Geschmack. Die Fo- rellen sind im Gschäft dann immer sehr schnell weg.

Andrea: Ich mach selber Fischpasteten und Graved Lachs – die sind bei Feiern oder Geburtstagen besonders beliebt, wenn man sich was Feines gönnt. Außerdem haben wir eine Kaffee-Ecke im Gschäft, wo ich frische, selbst gemachte Mehlspeisen servier.

Welche Produkte aus der Nachbarschaft führt ihr außerdem?

Rudolf: Wir haben im Gschäft ein eigenes Regal, in dem wir Le- bensmittel ausm Dorf anbieten: Schnäpse, Liköre, Honig, Marmela- den, alles von da aus der Gegend. Alle paar Wochen kommt was Neues dazu.

Andrea: Bei uns gibts auch selbst gemachte Wurstknödel, Fleischla- berln und Krautrouladen – dafür sind wir berühmt im Ort. Außer- dem sind wir im Moment gerade in Verhandlung mit einem Jung- bauern aus der Gegend, der selber Wurst herstellt.


Nah&Frisch Hobl-Groissmaier

3171 Kleinzell/Salzerbad

Kleinzell 5, NÖ

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/hobl-groissmaier

Nah und frisch: Der Fang wird noch an Ort und Stelle ausgenommen und mit klarem Flusswasser abgespült.