Mei Weg

Fleischermeister

und Nahversorger

Jürgen Bauer (38) erzählt, was er an seinem Beruf liebt und warum er sich ohne seine Petra das Nah&Frisch Geschäft nicht zugetraut hätte.

Text: Marko Locatin Foto: Sebastian Freiler

E

r wollte nie etwas anderes werden als Kaufmann, erzählt Jürgen. Das sei ihm in die Wiege gelegt worden. Nach der Ausbildung zum

Fleischermeister hat er 2011 von seinem Vater die Fleischerei in Pfaffen- schlag im nördlichen Waldviertel (NÖ) übernommen. Fünf Jahre später war die Zeit reif für eine neue Herausforderung – denn diese sucht Jürgen bewusst: „Wann i jeden Tag das Gleiche mach, da drah i durch“, sagt er lachend. Seit 2016 führt er das Nah&Frisch Geschäft im Ort.


Warum und wie hast du dich entschieden, Kaufmann zu werden?

Hier war vorher der Nahversorger Pilz. Der wollte zusperren und ich hab mit der Gemeinde geredet, ob wir da was machen können. Unser kleines Fleischereigeschäft mit eigener Produktion und Schlachtung war nur 150 Meter von hier entfernt. Aber davon kann ma allein schwer leben. Das Geschäft gibts jetzt nimmer, aber den Fleischereibetrieb führ i weiter. Wir schlachten Rinder und Schweine, verarbeiten alles und produzieren auch unsere eigene Wurst. Alle Tiere kommen von hier im Umkreis von 20 Ki- lometern. Jetzt verkauf ma unser Fleisch im Gschäft – und das geht gut, weil die Kunden ja wissen, dass wir das alles selber machen.


Wie war der Start für dich?

Wir haben im Jänner 2016 aufgesperrt. Für den Umbau hab i ma Leute aus der Region gholt: Von Heidenreichstein den Kühltechniker, aus’m Ort den Elektriker, von Weidhofen den Installateur. Wir müssen uns gegen- seitig unterstützen. Die Leute aus den Betrieben kommen ja dann auch zu mir einkaufen.

Wie ist das neue Geschäft von den Kunden angenommen worden?

Ganz super. Die Leute waren sofort da. Mi hat selbst gewundert, wie gut alles gegangen is. Und wir haben auch Kunden vom Fleischereigeschäft mitgenommen. Dadurch, dass wir alle aus’m Ort sind, haben wir es hier natürlich leicht. Ich hab auch eine Mitarbeiterin vom Pilz übernommen.


Was ist für dich das Wichtigste im Gschäft?

Natürlich das Fleisch aus unserer Produktion, aber auch alle anderen Pro- dukte aus’m Ort und aus der Umgebung, die wir jetzt unter der Marke „aus’m Dorf“ führen. Des is genau das, was uns von der Konkurrenz un- terscheidet. Die können vielleicht „Regionalität“ behaupten, aber wirklich umsetzen können das nur wir Nahversorger. Aus unserem Ort führen wir neben den Fleisch- und Wurstprodukten den Honig, aus den Nachbarge- meinden Kartoffeln, Schnaps und Eier.


Wer unterstützt dich bei deiner Arbeit?

Das Wichtigste ist sicher die Petra, mei Lebensgefährtin. Wir kennen uns scho seit der Hauptschule. Ich führ die Fleischerei, aber sonst schaut ei- gentlich die Petra auf alles. Wir haben fünf Angestellte, auch die Eltern helfen mit. Wir machen ja auch Catering. Das geht im Moment sehr gut, is aber viel Arbeit. I mach die Planung und koch auch. Und am Schluss wasch ich sogar noch das dreckige Gschirr ab. (Lacht)


Was ist dein persönliches Erfolgs-rezept? Wie bist du als Chef?

Das Miteinander ist mir das Wichtigste. Ich hau sicher nirgends drauf. Ich bin human, vielleicht zu human. Ich mach auch viele Sachen selber. Fürs Geschäft ist es aber wichtig, dass du wen hast, demst 100-prozentig ver- trauen kannst, weil i bin ja oft net da. Und das ist die Petra. Wenn i die Petra net gehabt hätt, hätt ich das Geschäft net. I hätt mi da allein net drübergetraut.

„Das Miteinander ist

das Wichtigste.“

Hand aufs Herz

Jürgen Bauer


Als Kind wollte ich … Ich hab nie einen richtigen Berufs- wunsch gehabt.

Am meisten schätze ich … die Petra. Für mi is sie sowohl für uns und unsere Kinder Hannah (11) und Jonathan (8) als auch fürs Gschäft echt das Wichtigste.

Am Beruf mag ich … den Spagat zwischen Fleischerei und Geschäft. Wann i ma denk, dass ich jeden Tag das Gleiche mach, da tat i durchdrehen.

Wenn mir alles zu viel wird, … setzen wir uns gemütlich hin, machen eine Flasche Wein auf und lassen alles fallen.

Ein Mensch, den ich bewundere, … ist jemand, der Erfolg hat, sein Leben meistert und glücklich is. Aber es bringt nix, wennst vü Geld hast und ka Familie.

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