Nachhaltig fürs Dorf

Nahversorger

für Generationen

Viele Kaufleute versorgen ihren Ort schon seit vielen Jahrzehnten.

Ein Blick auf diese besondere Art von Nachhaltigkeit.


Text: Marcus Fischer

Familie Schilddorfer aus Rastenfeld (NÖ), die seit vier Generationen bei Kauffrau Maria Pöll und ihren Vorgängern im Ort einkauft (v. l.): Emi, Niki, Elisabeth, Mia, Helga und Liz Schilddorfer.

Fotos: Sebastian Freiler, Daniel Simair, beigestellt

Kauffrau Anni Röck mit ihrer Mutter Marianne.

S

chon lange bevor Maria Pöll Kauffrau in Rastenfeld wurde, versorgten Greißler am selben Standort die Bevölkerung mit Lebensmitteln und

Waren aller Art. Seit mehr als 70 Jahren zählt die Familie Schilddorfer zu den treuen Kunden der Nahversorger. Die heute 90-jährige Elisabeth kann sich noch gut an ihre ersten Einkäufe erinnern. „1953 haben mein Mann und ich geheiratet. Seither erledige ich meine Einkäufe im Ort – und in der Zeit hat sich schon allerhand getan. Damals hat man ja alles offen gekauft: Zucker, Grieß und Mehl waren unverpackt, die haben die Kaufleute mit einer Schaufel herausgenommen und auf einer Zweierwaage mit Gewichten abgewogen.“


Geschenke für die Mama

Elisabeths Schwiegertochter Helga hat als Lehrling im zentral gelegenen Gast- haus Huber gearbeitet und ist seit dieser Zeit Stammkundin des Nahversorgers. Ihr erstes Weihnachtsgeld, so erzählt Helga, habe sie im Ort ausgegeben – für Kleidung. „Einen Pullover hab ich noch heute, von dem kann ich mich nicht trennen.“ Elisabeths Enkelin Niki hat bereits als Volksschulkind Muttertags- und Geburtstagsgeschenke beim Nahversorger eingekauft. Die vierfache Mutter hat an diesem Tag ihre drei Töchter Mia (9 Jahre), Liz (4 Jahre) und die einein- halbjährige Emi mitgebracht. „Ich war hier schon öfter ohne die Mama, alleine mit meinen Freundinnen, um mir ein Eis oder Süßigkeiten zu holen“, erzählt Mia. Was die Schilddorfer Frauen von der Urli bis zur Volksschülerin schätzen: Zum Nahversorger kommt man schnell auch ohne Auto, die Bedienung ist freundlich, das Angebot gut sortiert. Helga ergänzt: „Und natürlich das Tratscherl im oder vor dem Geschäft. Ohne das würde etwas fehlen.“

Familie Schilddorfer, Kundinnen von Kauffrau Maria Pöll in Rastenfeld, NÖ (Das Geschäft stellen wir hier vor.)


GEMÜTLICHKEIT IM EMBACH

Das Geschäft von Anni Röck im malerischen Embach, dem „größten Bauern- hofdorf Salzburgs“ auf 1.013 m Höhe, wurde 1972 gegründet. Sie selbst hat das Geschäft 1998 übernommen. Auch bei Anni Röck schätzen die Kunden Einkauf und soziales Miteinander im Geschäft. „Natürlich wollen sie ihre Lieblingspro- dukte, vom Standardsortiment bis zu den Bauernprodukten aus’m Dorf. Aber genauso wichtig ist die Gemütlichkeit. Man trifft sich, man ratscht. Da kommt einem natürlich viel zu Ohren, man darf auch nicht alles glauben, aber man redet miteinander – und das ist enorm wichtig im Gschäft. In der Nachbargemeinde hat der Nahversorger zugesperrt, da gibts jetzt nichts mehr, wo die Leute zu- sammenkommen. Das merkt man am Anfang vielleicht gar nicht, aber mit der Zeit geht einem das ordentlich ab.“


Man trifft sich, man hilft sich gegenseitig

„Als Kauffrau brauchst auch einen psychologischen Blick: Wenn ein Kunde hereinkommt, seh ich sofort, wies ihm geht. Dann weiß ich schon, ist es jetzt besser nachzufragen oder passt jetzt ein Späßchen. Und das spüren unsere Kunden auch. Dass da jemand da ist, der sie versteht.“ Zu einem richtigen Treffpunkt hat sich die kleine Kaffee-Ecke von Anni Röck entwickelt. „Wenn dort jemand grad seinen Kaffee trinkt und ich hab Zeit, setz ich mich dazu und wir plaudern, da kannst sicher sein, dass wir nach ein paar Minuten schon zu dritt oder zu viert sind“, lacht die Kauffrau. „Dort hilft man sich auch ge- genseitig, das ist völlig klar. Auch für mich. Wenn einmal der Hut brennt und jemand dringend was braucht, egal ob das am Abend ist oder am Wochenende, sperr ich auf und brings ihm runter.“

Nah&Frisch Röck, Embach 26, 5651 Lend/Embach, Sbg.


EIN OFFENES OHR IN SCHWARZENBACH

Vor 70 Jahren hat die Großmutter von Kauffrau Michaela Groiss das kleine Geschäft in Schwarzenbach in der Buckligen Welt (NÖ) gegründet. „Dieses Jahr wird sie 93 und besucht uns immer noch jede Woche im Geschäft. Sie sagt immer: ,Wenns dem Gschäft gut geht, gehts auch mir gut‘“, lacht die Kauffrau. 2006 hat sie den Nahversorger übernommen, davor war sie die Leiterin des hiesigen Postamts. Neben den drei Angestellten sind ihr auch die Eltern im- mer wieder eine Hilfe im Geschäft. „Die kennen natürlich ihre Kunden seit 20, 30 Jahren. Da rennt dann der Schmäh. Plaudern tu ma immer, wenn Zeit ist. Manchmal erzählen uns Kunden ihre Probleme und sagen am Ende: ,Jetzt hab i di angsudert‘, ,Dafür sind wir ja da‘, antworte ich dann.“


Kleines Geschäft mit Charme

„Dass es bei uns so gemütlich ist, schätzen unsere Kunden besonders – genauso wie die Vielfalt. Wir sind ja nicht nur Nahversorger, sondern auch Tankstelle, Post Partner und Tabakverkaufsstelle, da kann man viele Wege auf einmal erle- digen. Gerade unsere älteren Kunden nutzen auch gern die Hauszustellung, da genügt ein Anruf und wir bringens ihnen heim.“ Für sie und ihr Team ist es die schönste Bestätigung, wenn der Einsatz, den sie im Geschäft leisten, geschätzt wird. „Oft sagen uns Kunden ,Gott sei Dank haben wir noch einen Greißler im Ort ihr machts das super!‘ Das freut uns dann schon sehr“, sagt die Kauffrau gerührt.

Nah&Frisch Groiss, Unterort 94, 2803 Schwarzenbach, NÖ


LEBENSADER IN KRUMAU

Die Mutter ihres Schwiegervaters hat das Geschäft in den 50er-Jahren gegründet, erzählt Kauffrau Sabine Herzog aus Krumau am Kamp im Waldviertel. Sie selber hat den Nahversorger vor sieben Jahren übernommen. Auch sie kennt ihre Kunden gut – so gut, dass sie manchmal fast die Uhr danach stellen könnte. „Manche Stammkunden kommen jeden Tag um exakt dieselbe Zeit – da weiß ich meistens schon genau, was sie wollen. Einer kommt zum Beispiel jeden Morgen pünktlich um sieben, holt sich Gebäck und seine Kronen Zeitung, dabei wird geplaudert, er erzählt mir, was am Vortag passiert ist, und geht danach heim. Nach dem Frühstück, am frühen Vormittag, kommt dann seine Frau und kauft fürs Mittagessen ein. Und wieder plaudern wir, das ist schon ein richtiges Ritual. Besonders im Winter, wenns ein bissl ruhiger ist, reden wir viel mit den Kunden, da lernt man sich schon gut kennen.“


Grundpfeiler im Ort

„Ich kann ohne Übertreibung sagen: Wir gehören zu den wichtigsten Adressen im Ort. Gemeinde, Arzt, Bank, Wirtshaus, Kirche und Nahversorger sind die Grundpfeiler im Ort – und wenn da einer wegbricht, fehlt etwas ganz Wichtiges. Das Leben im Dorf verarmt. Außerdem können viele nicht einfach zum Ein- kaufen woanders hinfahren – gerade in der älteren Generation, besonders die Frauen. Die überleben oft ihre Männer, sind aber in einer Zeit aufgewachsen, wo Frauen noch keinen Führerschein gemacht haben. Die sitzen zu Hause – wie sollen die denn in den Nachbarort einkaufen fahren? Das wäre sehr schwierig – aber zum Glück ist das bei uns eh keine Diskussion“, lacht Sabine Herzog.

Nah&Frisch Herzog, Krumau/Kamp 34, 3543 Krumau/Kamp, NÖ

„Wir sind immer da,

wenn man uns braucht.“

Kauffrau Anni Röck, Embach, Sbg.

Drei Generationen in Schwarzenbach (v. r.): Kauffrau Michaela Groiss, Mutter Theresia Bammer, Schwägerin Birgit Bammer, Oma Anna Bammer (Gründerin, 93 Jahre) und Vater Herbert Bammer.

„Plaudern tu ma

immer, wenn Zeit ist.“

Kauffrau Michaela Groiss, Schwarzenbach, NÖ

Kauffrau Sabine Herzog mit ihren Eltern Josef und Hildegard vor ihrem Geschäft in Krumau am Kamp.

„Meine Stammkunden

kenn ich auswendig.“

Kauffrau Sabine Herzog, Krumau am Kamp, NÖ

NAHVERSORGUNG IST NACHHALTIG

Wer im Ort einkauft, entlastet das Klima (keine langen Anfahrtswege), unterstützt Familienbetriebe im Ort und fördert die Wertschöpfung in der Region.

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www.weltvonhaas.at

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www.mazola.de