Mei Wirtshaus

Die Kräuterwirtin

in Lembach

Inmitten der sanften Hügel der Buckligen Welt im Südosten Niederösterreichs verfeinert Wirtin Gerda Stocker ihre

Gerichte raffiniert mit selbst gepflückten Wildkräutern.


Text: Alexandra Gruber Fotos: Sebastian Freiler

Gerda Stocker, hier vor ihrem fast 90 Jahre alten Holzofen, führt das Wirtshaus in vierter Generation.

Der Festsaal steht für größere Feierlichkeiten zur Verfügung.


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ährend die Butter in der Pfanne schmilzt, zupft Gerda Stocker frische Blätter von einer Pflanze. „Das ist mein Lieblingskraut, die Gundelrebe“,

erzählt die Wirtin. „Sie schmeckt herb-aromatisch und ist sowohl für pikante als auch für süße Gerichte geeignet. Ich verwende sie gleichermaßen für Fisch und Schokoladenmousse.“ Die ausgebildete Kräuterpädagogin wirft ein paar Holz- scheite in den fast neunzig Jahre alten Ofen. „Das Holzfeuer ist fürs Kochen per- fekt“, schwärmt sie. Danach dekoriert Stocker den Saibling mit den Gundelre- benblättern und brät ihn in der zerlassenen Butter. In zwei Töpfen köcheln als Beilagen hausgemachte Wildkräuternudeln und regionales Biogemüse.


Wildkräuter – aromatischer als Küchenkräuter

„Ich möchte Altes bewahren und zeitgemäß interpretieren“, erzählt Gerda Sto- cker. „Statt Fleisch und Fisch zu schmoren, brate ich die Speisen kurz an und peppe sie mit Wildkräutern, Wildfrüchten und Blüten auf.“ Die Gastronomin bietet auch Kräuterwanderungen und Kochkurse an und schreibt gerade ihr ers- tes Kochbuch, das sie bis zum Sommer fertigstellen möchte. „Mit Wildkräutern sollte man viel experimentieren und sie vorsichtig dosieren, sie schmecken viel intensiver als Küchenkräuter“, empfiehlt sie. Neulingen rät sie beim Pflücken zur Vorsicht: „Viele Wildkräuter kann man leicht verwechseln.“


Schmiede, Gastwirte und ein Sänger

Die 39-Jährige führt das urige Gasthaus seit 1996 bereits in vierter Generation. Stockers kulinarisches Reich liegt im Land der 1.000 Hügel, der Buckligen Welt, im südöstlichen Niederösterreich. Im idyllischen Dorf Lembach kaufte ihr Ur- großvater 1930 eine Schmiede und baute nebenan ein Gasthaus. Während Sto- ckers Großvater und ihr Onkel bis in die 1960er-Jahre Pferde und Kühe beschlu- gen, führten Urgroßvater und Vater das Lokal und eine Greißlerei. Die „Alte Schmiede“ wird heute für Feste und Gesellschaften genutzt. Der Raum ist mit handgefertigten Utensilien der Vorfahren, etwa einem Ochsenjoch und einer Egge, dekoriert. Die nächste Generation der Wirtsfamilie ist einen etwas anderen Weg gegangen. Stockers 19-jähriger Sohn Christoph war Sängerknabe und ab- solviert derzeit eine Schauspielausbildung in New York. „Wenn er im Sommer nach Hause kommt, gibt er vielleicht in unserem Gastgarten ein Konzert“, er- zählt die stolze Mama.


Catering und Kochen für Schulbuffets

Die umtriebige Wirtin betreibt auch einen Catering-Service und verkauft in ih- rem angeschlossenen Hofladen selbst gemachte Schmankerln wie Kräutersalz, Pesto, Limonade oder Marmelade. Als Teil der Initiative „tut gut“, die sich für gesunde Kulinarik einsetzt, kocht sie zudem für Schulbuffets in Wiener Neustadt und Kirchschlag. „Es ist mir wichtig, den Jungen den Wert von selbst zubereite- tem Essen zu vermitteln“, betont die Kräuterwirtin aus der Buckligen Welt.

Gasthaus Gerda Stocker, Lembach 11, 2860 Kirchschlag, NÖ

Tel.: 02646/2288, www.gasthaus-stocker.at

Lehmofen im Gastgarten.

Stocker in der „Alten Schmiede“.

Der Saibling mit Gundelrebenblättern und Wildkräuternudeln ist ein traumhaftes Frühlingsgericht.

{MEI TIPP}

„Die Kräuterwirtin in der Buckligen Welt ist ein echtes Original. Man sitzt schön, das Wirtshaus ist sehr gemütlich und das Essen schmeckt durch die frischen Kräuter einfach herrlich!“

Barbara Edelhofer, Nah&Frisch Kauffrau in 2853 Bad Schönau, NÖ

Foto Kauffrau: beigestellt