Von Mensch zu Mensch

Worums

im Leben geht

„Du derfst oafach nit aufgeben!“ – Mit dieser Lebenseinstellung sind Rupert Lackner berufliche Neustarts ebenso gelungen wie beeindruckende sportliche Erfolge.


Text & Fotos: Martin Huber

Landschaftsfotos: embach.at, creatina.at

I

n rhythmischen Kurven schlängelt sich die Straße aus dem Salzachtal hinauf. Hart an der Grenze zwischen Pongau und Pinzgau, auf einem

beschaulichen Hochplateau knapp jenseits der Tausend-Meter-Höhenlinie, liegt der kleine Ort Embach fernab von Massentourismus und Hektik. Wohltuend ruhig, naturnah und idyllisch. Mittendrin, unmittelbar neben der Kirche, betreibt Rupert Lackner ein klassisches Gasthaus. Was in vielen kleinen Orten Österreichs der Kirchenwirt ist, ist in Embach der „Oberwirt“.


Wirt mit Leib und Seele

„Griaß di, mogst eh an Kaffee?“ Schon beim Betreten der urigen Gaststube ist klar: Der „Oberwirt“ Rupert ist Wirt mit Leib und Seele. Und sein Gasthaus ein echtes Einheimischen-Gasthaus. Darauf ist der Pinzgauer auch stolz. Geburtstagsfeste, Brautstehlen bei Hochzeiten, Frühschoppen am Sonntag nach der Kirche, Leichenschmaus oder auch ein „Schichtseidel“ nach getaner Arbeit – es gibt eine Reihe von Anlässen für die Embacher, zum „Oberwirt“ zu gehen. Dass sie das gerne tun, liegt aber vor allem an der Herzlichkeit und Gastfreundschaft des Wirtes. „Schon die Mama vom Rupert wor leidenschaftlich gern Wirtin“, erzählt Nah&Frisch Kauffrau Marianne „Anni“ Röck. Sie ist zu Besuch bei ihrem Nachbarn Rupert und genießt ihren Nachmittagskaffee.


Beruflich ein Vielseitiger

„Mei Mama is viel zu früh an Krebs gstorbn. Sie wor erscht 59 Johr oid“, blickt Rupert zurück. „Do hob i hoit donn 1992 die Konzessionsprüfung gmocht und des Gosthaus übernumma“, ergänzt er. Die berufliche Basis dafür schuf er sich bereits in seiner Jugendzeit. Nach Volks- und Haupt- schule in Embach und Lend absolvierte Rupert eine Doppellehre als Koch und Kellner. Schon in dieser Zeit half er an Wochenenden oft im elterlichen Gasthaus mit.Nach dem Wehrdienst interessierte er sich auch für Berufe außerhalb der Gastronomie. „I wor in an Sägewerk in Taxenbach. Und im Winter Skilehrer. Donn is die Münchner Zeit losgonga“, erzählt Rupert. Zwölf Jahre lang arbeitete er jeweils von April bis Dezember als Handwerker auf Dächern in und um München. 1998 machte er zusätzlich noch den Lkw-Führerschein, um dann „a poar Summa long Lostwogn z’ fohrn“, wie Rupert schmunzelnd erzählt. Die Motivation für seine beruflichen Neu- starts fiel dem Pinzgauer nie schwer: „Am Onfong is scho ois schwer. Des dauert sei Zeit, bis du di in aner neuen Aufgabe wohlfühlst. Owa do derfst oafach nit aufgeben – durchbeißen muaßt hoit“, bringt Rupert seine positive Grundeinstellung, mit der er sich neuen Aufgaben stellt, auf den Punkt.


Von null bis in die Bundesliga

Jahrelanges „Durchbeißen“ war auch entscheidend dafür, dass Rupert fünf Jahre lang in der österreichischen Billard-Bundesliga spielte. Und zwar nicht für irgendeinen Verein, sondern für seinen kleinen Heimatort Embach. „Ongfongt hot des Gonze im Keller der Pizzeria im Ort“, erinnert sich Rupert.


Mit Freunden spielte er dort regelmäßig Poolbillard und gründete Mitte der 1980er Jahre einen Verein. Das spannende Spiel zog ihn fortan immer mehr in seinen Bann: „Es is die Mischung aus Konzentration und Geselligkeit, die mir taugt. Man schaut si an, wie die Kugeln liegen, und weiß, wie man sie am besten einlocht. Wenn so a Spiel nach Wunsch gelingt, is des a richtigs Glücksgefühl. Und außerdem pflegt ma beim Billard Freund- schaften. I hob hoit gern Leit um mi“, schwärmt Rupert. Bis zu fünf Stunden täglich trainierte Rupert einst mit seinen Embacher Vereinskollegen. Die Leidenschaft für das Spiel und der Ehrgeiz wurden belohnt: Embach schaffte es, von der untersten Leistungsklasse bis in die höchste – die österreichische Bundesliga – aufzusteigen und hielt sich dort fünf Saisonen lang. Mit zwei Jugendfreunden spielt Rupert heute noch regelmäßig, und zwar im Nachbarort Taxenbach – aktuell in der ersten Landesliga.


„Kocht hob i oiwei scho gern“

Rupert macht keine halben Sachen. Weder beim Billard noch in seinem Gasthaus. Dort schupft er 20 Gästebetten ebenso wie Frühstück und Halbpension für seine Hausgäste. Unterstützung erhält er von seiner Lebensgefährtin. Und vom älteren seiner beiden Söhne, der zwar voll be- rufstätig ist, aber im Haus wohnt und in seiner Freizeit im Gasthaus mithilft. „Zsommhelfen muaß ma scho in so an Betrieb, onders gehts nit“, sagt Rupert, der an seinem Beruf zwei Dinge besonders mag: die Geselligkeit und das Kochen. „I konn nit alloa sei. Mir is am liabstn, wonn immer Bewegung rund um mi is und wonn wer do is zum Redn. Und kocht hob i oiwei scho gern“, erklärt er. Seine Hausgäste verwöhnt er abends mit schmackhafter Hausmannskost, für besondere Anlässe kocht Rupert auf Vorbestellung.


Lokale Besonderheit: ’s Bockbratl

Eine Spezialität des „Oberwirt“ ist das Bockbratl. „Das gibts aber nur am zweiten Wochenende im August, beim Embacher Laurenti“, klärt uns Rupert auf und ergänzt: „A Bockbratl wird aus jungen Goaßböcken gmocht. In Embach konn ma des bei drei Wirten essen. Jeder hot sei eigenes Rezept. Wir mochen ’s Bratl in großen Pfonnen, mit Soizkartoffeln und schworzem Radi. Und für die Verdauung gibts a Vogelbeerschnapsei drauf.“ Heuer ist das Bockbratlessen vom 10. bis zum 12. August geplant. Am Sonntag des Laurenti-Wochenendes feiern die Embacher ein großes Fest im Dorf. Höhepunkt sind eine Pferdeweihe am Dorfplatz, Aufführungen der Goasslschnalzer, ein klassischer Kirtag sowie Präsentationen von bäuerlichen Produkten und Handwerk aus der Region.


Die Nachbarin als „Aussareißerin“

Auch Ruperts Nachbarin, Nah&Frisch Kauffrau Anni, freut sich schon auf das heurige Bockbratlessen. „Do kimm i wieder zu dir, Rupert – weil ban Oberwirt, do sitzt ma oafoch guad“, meint sie lächelnd. Rupert und Anni verbindet eine jahrzehntelange gute Nachbarschaft und Freundschaft. Der Wirt schätzt neben dem kurzen Weg zum Einkaufen vor allem auch ihre Unkompliziertheit: „Es ko scho passiern, dass am Sunntog auf amoi die Musi im Gosthaus auftaucht und i brauch auf an Tuscher 25 Paarl Würschtl. Und wenn i die nit dohob, tuat ma die Anni auf und reißt mi aussa.“ Nur ein einziges Mal ist es passiert, dass sie ihm nicht helfen konnte. Anni lacht. „Das war so“, berichtet sie: „I bin mit meiner ganzen Familie in der Westbahn gsessen, auf dem Weg nach Wien zum Flughafen. Der Beginn einer Familienreise nach Schottland. Auf amoi scheppert das Telefon, ich heb ab und ehe ich noch was sagen kann, hör ich: Anni, do is da Rupert. Du, i brauchert Gurken.“ Dieses eine Mal war Anni verhindert und musste passen. Doch all die anderen Male und auch in Zukunft wird sie Rupert helfen – in guter Nachbarschaft. Wie es in Embach Brauch ist.

„Am Onfong is scho ois schwer. Des dauert sei Zeit – durchbeißen muaßt hoit.“

Kraft tankt Rupert bei kurzen Auszeiten in der Bergwelt der Hohen Tauern: „Des geht ba uns gonz leicht – du muaßt oafach aussi bei da Tür und irgendwo auffi.“

Uriges Wirtshaus, herzlicher Wirt: Rupert Lackner fühlt sich wohl im klei- nen Pinzgauer Ort Embach.

Früher Skilehrer, Lkw-Fahrer, Handwerker, Koch und Billard-Profi, führt Rupert Lackner heute den „Oberwirt“ in Embach. Hier ist er in seinem Element – als Wirt mit Leib und Seele.

Mit seinem Billardclub gelang Rupert ein einzigartiger Aufstieg bis in die höchste Liga Österreichs.

Jahrzehntelange Nachbarn und gute Freunde: Nah&Frisch Kauffrau

Marianne „Anni“ Röck und Rupert Lackner.

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