Unterwegs in der Region

Erika, der Lenz ist da!

Die Erikablüte färbt im Frühling die Hänge in den Wäldern der steirischen Hinterlobming lila. Dieses Naturschauspiel begeistert Botaniker wie Wanderer.

Text & Fotos: Martin Huber

W

enn am Hahnstein a Woikerl is, brauchst nid gehen. Is der Gipfel aber frei, bleibt’s schön. Da Hahnstein zeigt uns immer das Wetter an“, lacht

Evelyn Prettenhofer. Die Wanderführerin und Nah&Frisch Mitarbeiterin sitzt mit Kauffrau Sabine Riedl sowie drei Freunden – Monika, Helmut und René – auf einem sonnenbeschienenen Bankerl am Matzlerberg. Das Quintett nutzt einen strahlend sonnigen Frühlingstag Ende März für eine ganz besondere Wanderung. Um diese Zeit färben nämlich Erikablüten viele Waldflächen in der Hinterlobming, einem Seitental des Murtals, lila – so weit das Auge reicht.


Liebesgschichtn aus der Stoaleiten

„Der Hang da hinunter, das ist die Stoaleiten – ein ganz typisches Gelände, in dem da Hoada prächtig wächst“, erzählt Evelyn weiter. „Hoada sagen wir hier zum Erikakraut. Der Name leitet sich wohl von der Bezeichnung Heidekraut ab. Aber auf der Stoaleiten fühlt sich nicht nur der Hoada wohl. Da haben früher immer wieder Burschen ihre Nächte verbracht, sagt man.“ „Im Freien, auf dem steinigen Hang?“, fragt Helmut. „Überliefert ist Folgendes“, erzählt Evelyn mit einem Augenzwinkern. „Im Frühling, wenn der Schnee auf der Gleinalm weni- ger geworden ist, sind die jungen Männer gerne über die Berge in die Hinterlob- ming gekommen – ins sogenannte ‚Tal der Liebe‘, das von Pärchen wegen seiner lauschigen Platzerln geschätzt wurde. Der eine oder andere Gleinalm-Überque- rer fand tatsächlich Unterschlupf bei einem Hinterlobminger Mädchen. Die an- deren mussten auf der Stoaleiten übernachten. Das war allerdings gar nicht un- angenehm, weil die Steine tagsüber ja die Wärme speichern. So haben sie auf den flachen Steinen geschlafen, umgeben von ganz viel Erika“, lacht Evelyn.

Augen- und Bienenweide

Als die kleine Gruppe beim Weitergehen zu einem besonders schön blü- henden Hang kommt, können Evelyn, Monika und Sabine nicht widerste- hen. Die drei Frauen verlassen den Weg und streifen querfeldein durch die lila Blüten. Sie setzen sich hin und schauen sich einige Erikazweige ganz genau an. Ganz genau betrachtet ist das Erikakraut auf dem Matzler- berg eine Schneeheide (Erica carnea). Die Pflanze gedeiht vor allem in den Alpen und im Alpenvorland. Auffallend oft ist sie in Wäldern mit Föhrenbeständen anzutreffen. Die Erikablüte im Frühling ist aber nicht nur eine Augenweide für Wanderer. Die Pflanze bildet auch eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und trägt als Bienenweide Wertvolles zur Honiggewinnung bei.


Jausenpause mit Föhrenduft

„Jetzt ist es aber Zeit zum Jausnen!“ Nah&Frisch Kauffrau Sabine und Evelyn rufen auf dem Höhenrücken, den die Wandergruppe in der Zwi- schenzeit erreicht hat, die kleine Gruppe zusammen. Auf einem Stapel frisch gefällter Föhrenstämme machen es sich die fünf Erika-Wanderer gemütlich. Sabine zieht liebevoll zusammengestellte Jausensackerl und Erfrischungsgetränke aus ihrem Rucksack. Umgeben von intensivem Föhrenduft genießt die Wandergruppe die wärmende Frühlingssonne und die Ausblicke auf den lila gefärbten Waldboden. „Zum belegten Kornspitz würde jetzt a Hoada-Saftl perfekt dazupassen“, meint Evelyn und verrät gleich darauf ihr persönliches Lieblingsrezept für den „Hoada- Sirup“ (siehe Kasten links unten).


Ein Hauch von Peter Rosegger

Nach der Jause sammelt Evelyn unseren Mist ein und verpackt ihn sorg- fältig. Auf dem Rückweg gelangen wir zum Musikheim in der Hinterlob- ming, einem urigen Holzhaus, das an Peter Roseggers Waldschule in Alpl erinnert. Bevor unser Wandertag zu Ende geht, lädt uns Sabine auf Kaffee und Kuchen in ihr Geschäft in St. Stefan ob Leoben ein. Von dort aus ma- chen wir uns auf den Heimweg – gut gestärkt und mit viel Lila im Herzen.


Die Region Murtal organisiert geführte Wanderungen, u.a. auch zur Erika- blüte. Die nächsten finden am 28. und 29. März 2020 statt. Alle Infos zu den Touren und Anmeldung: www.murtal-herzklopfen.at

Die Hinterlobmingerin Evelyn Prettenhofer (Mitte) kennt den Matzlerberg wie ihre Westentasche. Sie zeigt Kauffrau Sabine Riedl (ganz links) und Freunden die schöns- ten Erika-Platzln.



„Der blühende Hoada stellt eine wichtige Nahrungsquelle für die Bienen im Frühling dar.“

„Hoada“ nennen die Einheimischen die Erika, welche in vielen verschiedenen Lilatönen blüht.

Jausenbankerl mit Aussicht: Vom Matzlerberg blicken die Wanderer auf die höchsten, noch schneebedeckten Gipfel der Gleinalm Lärchkogel, Speikkogel und Lenzmoarkogel.

„Das Musikheim in der Hinterlobming erinnert an Roseggers Waldschule.“

HOADA-SIRUP

200 g Erikablüten in eine Schüssel geben und mit

1 l kochendem Wasser übergießen. Danach mit einem Tuch abdecken und 6 Stunden stehen lassen. Anschließend die Blüten abseihen und wieder in die Schüssel zurückgeben. 2 Handvoll

frische Blüten ergänzen. Die Flüssigkeit mit 500 Gramm Zucker erhitzen. Sobald sich der Zucker aufgelöst hat, über die Blüten gießen. Zwei in Scheiben geschnittene Zitronen dazugeben und gut umrühren. Die Schüssel mit einem Tuch abgedeckt 24 Stunden stehen lassen. Danach den Sirup filtern und in dunkle Flaschen füllen. Kühl und dunkel lagern.


TIPP: Hoada-Sirup eignet sich auch zum Kombinieren mit Prosecco, Sekt oder Weißwein.

Nah&Frisch Kauffrau Sabine Riedl

Lokale Produkte werden immer beliebter – was bietet ihr euren Kunden?

Sabine Riedl: Sehr beliebt sind die Joghurtprodukte der Familie Fürstaller aus Trofaiach, die Lagenweine vom Naturweingut Hutter aus Feldbach und die Frei- landeier von Burgi und Herbert Herk. Sie sind noch echte Bauersleute im besten Sinn des Wortes und legen großen Wert auf Tradition und Natürlichkeit.


Was gehört bei einer Erika-Wanderung unbedingt in den Rucksack?

Sabine Riedl: Da die Wanderung nicht allzu lang ist, kann der Rucksack durch- aus klein ausfallen. Aber eine gscheite Jause gehört dazu. Hier bieten sich klassi- sche Jausenweckerl, Wurstsemmeln oder Hartwürste an. Und was Gutes zum Trinken. Den Mist aber bitte wieder mitnehmen! Leider muss man immer wie- der drauf hinweisen: Abfall gehört in die Mülltonne und nicht in die Natur – der Umwelt zuliebe!


Und nach der Erika-Wanderung?

Sabine Riedl: Da kommts natürlich zu uns ins Geschäft und lassts euch in der Kaffee-Ecke mit frischem Kaffee, hausgemachten Mehlspeisen oder einer pikan- ten Jause verwöhnen und für die Heimfahrt stärken!

Foto Kauffrau: beigestellt; Foto Sirup: 123rf

Nah&Frisch Riedl,

Untere Dorfstr. 2, 8713

St. Stefan ob Leoben, Stmk.

www.nahund- frisch.at/de/kauf- mann/riedl-sabine