Mei Wirtshaus

Der beste

Schweinsbraten der Welt

Ein tschechischer Koch tischt im nördlichsten Gasthaus Österreichs Waldviertler Spezialitäten und böhmische Mehlspeisen auf.

Der Schweinsbraten ist Kult.


Text: Marko Locatin Fotos: Inge Prader

Die Mohnnudeln sind natürlich selbst gewuzelt – und ge- schmacklich ein Gedicht!

Nach Genuss des legendären Schweinsbratens empfiehlt sich ein Schnapserl – oder kegeln an der Frischluft. Die Bahn ist seit über hundert Jahren in Betrieb.

I

n Rottal an der tschechischen Grenze liegt seit knapp 200 Jahren ein kulinarischer Kraftort. An diesem frühen Nachmittag im Frühling

schmeckt die Luft nach Wald und Pilzen, es hat vormittags geregnet. Es herrscht Stille, nichts bewegt sich, nur aus dem Schornstein steigt eine kleine Rauchwolke gegen den blaugrauen Himmel. Die Atmosphäre ist filmreif, und tatsächlich hat David Schalko, der aus der Gegend stammt, hier für „Braunschlag“ gedreht, wie Betreiber Hans Geist uns nicht ohne Stolz verrät.


Filmreifes Gasthaus

Wir haben es uns im heimeligen Gastraum gemütlich gemacht. Es duftet verführerisch nach Schweinsbraten und während wir bei einem kühlen Seidl Schremser auf den heißen Braten warten, erzählt uns Geist ein wenig über die Historie. 1892 übernahmen Thomas und Theresia Perzy das Gasthaus, es blieb bis 1989 im Familienbesitz. „Doch dann sind die alten Wirtsleut weggezogen. Wir haben uns dacht, wir müssen dieses Juwel retten“, so Geist, der auch den nahen Golfklub Haugschlag gegründet hat.


Der legendäre Braten

„Seinerzeit sin wir ja auf die Idee gekommen, wir machen den besten Schweins- braten der Welt“, lacht der Gastwirt begeistert. „Der kommt natürlich mit Wald- viertler Knödel und einem mollig dunklen Safterl. Dazu gibts bei uns Sauerkraut. Wir servieren nur frisch, was einmal aus dem Ofen heraußen ist, wird nie wieder aufgewärmt.“ Wie aufs Stichwort serviert Frau Susi, die Geschäftsführerin, jetzt den Braten. Die Kruste ist perfekt, das Fleisch butterweich, der Knödel ins dunkle herzhafte Safterl getaucht ein warmes Gedicht.


Gutes aus der Nachbarschaft

„Wir kaufen nur direkt vor der Haustür“, betont Geist. So stammen Rind und Schwein vom bekannten Fleischhauer Franz Geitzenauer aus Litschau – unter anderem Lieferant für das Schwarze Kameel und den Grünauer. Frisches Wild bringt saisonal die Jägerschaft Rittal. Zu Recht geschätzt wird der Waldviertler Karpfen, den das Perzy vom Nachbarn bezieht. „Gemüse und Kräuter haben wir im Garten, Karotten, Kartoffeln nehm ma vom Bio-Bauern, des Kraut krieg ma vom andren Nachbarn.“


Waldviertler Linie

Auf der Karte, für die seit zwei Jahren Herr Radek zuständig ist, stehen bewährte Klassiker wie Gulasch mit Serviettenknödel, geröstete Knödel mit Speck und Ei, Schnitzl, Backhenderl, Blunzngröstl mit Sauerkraut sowie Karpfen gebacken. „Wir sind hier auch ein begnadetes Schwammerlgebiet. Steinpilze, Eier- schwammerln, Maronenröhrlinge. Die gibts bei uns gebacken oder als Gulasch.“ Bei den Nachspeisen macht sich ein böhmischer Einfluss bemerkbar. Neben handgwuzelten Mohnnudeln mit Zwetschkenröster gibts böhmische Palatschinken mit Powidl und Rahm und Liwanzen mit Rahm und Powidl.

„Wir wollen eben ein authentisches, unaufgeregtes Gasthaus sein und bleiben“, sagt Hans Geist zum Abschied.

Gasthaus Perzy, Rottal 22, 3874 Litschau, NÖ

www.perzy.at

Filmreife Kulisse: Im Gasthaus Perzy wurde unter anderem „Braunschlag“ gedreht.

{MEI TIPP}

„Das Perzy ist wirklich was Besonderes – nicht nur von der Küche her, sondern auch von der Lage und der Atmosphäre drinnen im Wirtshaus. Sowas findst fast nirgends mehr. “

Eva Kössner, Nah&Frisch

Kauffrau in Litschau, NÖ

Foto Kauffrau: beigestellt

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.kunner.at