Mei Weg

Vom Sterne-Hotel

zum eigenen Gschäft

Gernot Handler (30) erzählt, warum er einen tollen Job in Irland ausschlug und sich stattdessen als Nah&Frisch Kaufmann selbstständig machte.

Text & Foto: Nini Tschavoll

N

achdem er seinen Job in einem österreichischen Fünfsternehotel an den Nagel gehängt hatte, bot man ihm in Irland eine reizvolle

Anstellung an. Doch Gernot Handler schlug einen anderen Weg ein. Vor drei Jahren übernahm er das Nah&Frisch Geschäft der Mutter, das er seit- her mit Erfolg führt.


Warum hast du dich entschieden, Nah&Frisch Kaufmann zu werden?

Ein Hauptgrund war sicherlich, dass dieser Beruf familienfreundlicher ist als das Gastgewerbe. Meine Lebenspartnerin Petra war damals auch froh und hat meine Entscheidung unterstützt. Wir genießen das jetzt schon sehr, die Wochenenden und Abende gemeinsam als Familie zu verbrin- gen. Unser kleiner Sonnenschein Paul ist im Februar ein Jahr alt gewor- den. Manchmal besucht er den Papa untertags. Da fühlt er sich dann recht wohl, vor allem bei den Damen im Geschäft. Bis auf unsere jüngste Kollegin sind alle Mitarbeiterinnen Mütter und teilzeitbeschäftigt bei uns, was bestens funktioniert.


Wie war der Start für dich?

In den ersten Wochen im Geschäft war ich viel in der Feinkost, da habe ich mich als gelernter Koch am wohlsten gefühlt. Es hat schon gedauert, bis ich ganz drin war im Tagesgeschäft, die Partner vom Großhandels- haus und die Lieferanten gekannt hab, usw. Aber bald ist es dann schon super gelaufen.


Was hat dir am meisten geholfen?

Auf jeden Fall die Petra. Und meine Mutter, obwohl die manchmal schon auch ein bissl streng war. (lacht) Und meine Mitarbeiterinnen waren ganz

super, die haben mich sofort unterstützt. Mein Vater ist jetzt ein bisserl unser Hausmeister, seit er in Pension ist. Ich bin froh, dass ich so ein tol- les Team hab. Und dann war da von Anfang an auch die Unterstützung aus dem Dorf, ich kenn die meisten Leut ja persönlich. Mir ist wichtig, dass die Nahversorgung gut funktioniert, dass man für die tägliche Ver- sorgung nicht bis zum nächsten Einkaufszentrum fahren muss.


Würdest du dich heute wieder für das Geschäft entscheiden?

Auf jeden Fall. Ganz am Anfang hatte ich noch ein paar Zweifel, aber ich merk jetzt, dass ich immer ehrgeiziger werd und einfach der beste und kompetenteste Nahversorger in unserer Gegend sein will. Besonders die Produkte aus der Region sind mir ein Anliegen, die kommen sehr gut an, auch bei den Thermenbesuchern. Wir haben steirisches Kürbiskernöl, Honig von Imkern aus der Gegend und vieles mehr. Es macht für mich einfach Sinn, dass man die lokalen Produzenten unterstützt.


Wie schaut dein Arbeitstag aus?

Ich bin täglich um 5:45 Uhr im Geschäft. Erst kommt das Backen, dann schlichte ich die Milchprodukte ein. Wenn die ersten Mitarbeiterinnen kommen, hab ich oft schon ein paar Kleinigkeiten zum Pflegezentrum im Ort geliefert. Die haben dort immer a Freud, wenn ich auftauch, das is lustig.


Welche menschlichen Eigenschaften sind im Geschäft wichtig?

Offen sein und ehrlich, auch zu sich selbst, das schätzen die Leut. Wir trinken oft einmal einen Kaffee mit unseren Kunden, da kommt man zum Plaudern.


Alle Infos: www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/bad-blumau

„Offen sein und

ehrlich, auch zu sich selbst – das ist das Wichtigste.“

Hand aufs Herz

Gernot Handler

Das Wichtigste an meinem Beruf ist … das Vertrauen, das mir meine Kunden entgegenbringen.

Manchmal fällt es mir im Beruf schwer … loszulassen. Es braucht immer ein wenig, bis ich abschalte.

Wenn mir alles zu viel wird … lasse ich im Jiu-Jitsu-Training so richtig Dampf ab.

Am meisten an Menschen schätze ich … Offenheit, dass sie mir sagen, was passt und was nicht. Und Loyalität.

Als Kind wollte ich … Koch werden und tauchen lernen. Den zweiten Traum erfüll ich mir irgendwann auch noch.

Ein Mensch, den ich oft bewundert habe … ist meine Lebens- partnerin Petra, sie hat schon so viel in ihrem Leben ge- meistert, ich kann nur lernen von ihr.