Jubiläumsfeier

Den Frühling

begrüßen

Farbenfroh und lautstark sind viele Frühlingsbräuche hierzulande – schließlich gilt es nicht nur Schnee und Eis, sondern auch böse Geister zu vertreiben. Und dafür muss man schon erfinderisch sein …

Text: Ute Fuith

Den Winter austreiben, den Frühling wecken: die Aperschnalzer mit ihren langen „Goaßln“ in Salzburg.

Z

wischen Stephanitag und Faschingsdienstag knallt es gewaltig im Rupertiwinkel. Dann messen sich die „Aperschnalzer“ in der

Kunst des Peitschenschlagens. Bei dem 200 Jahre alten Salzburger Brauch soll die unter der Schneedecke liegende Saat zu neuem Leben erweckt und der Winter ausgetrieben werden. Die Bezeichnung „aper“ leitet sich vom althochdeutschen Wort „aprir“ für „schneefrei“ ab.


Geschnalzt wird in kleinen Gruppen, den sogenannten Passen, mit je- weils sieben bis neun Männern. Dabei stellen sich die Männer hinterein- ander in einer Reihe auf. „Ganz vorne steht der „Aufdrahrer“ mit der leichtesten und leisesten Peitsche und der letzte in der Reihe, der „Baß“, schwingt jene Peitsche, die am tiefsten knallt“, erklärt Andreas Huber, Obmann des Schnalzer-Vereins Wals 3. Auf das Kommando „Aufdrahd – oane, zwoa, drei – dahin gehts!“ lassen alle ihre Peitschen elfmal über ih- ren Köpfen durch die Luft knallen. Das braucht schon eine gewisse Stand- festigkeit und Übung.


Knall: Schallmauer durchbrochen

Geschnalzt wird mit der bis zu vier Meter langen „Goaßl“. Sie besteht aus einem Holzstiel und einem Hanfseil, das nach außen dünner wird. Am Ende der Goaßl ist ein Bast befestigt. „Die Tuscher entstehen, wenn die Goaßl-Spitze mit einem lauten Knall die Schallmauer durchbricht“, be- schreibt Huber. Er selbst hat schon als Viereinhalbjähriger mit dem Schnalzen begonnen. Das war 1985. Nur wer früh genug beginnt, könne es in der Kunst des rhythmischen Peitschenknallens zur Perfektion schaf- fen. „Einem Erwachsenen gelingt das selten“, meint Huber. Um den Nach- wuchs muss man sich im Rupertiwinkel aber keine Sorgen machen, es gibt genug interessierte Kinder. Mittlerweile sind auch schon Mädchen mit dabei. Eine davon ist Hubers Tochter. Auch sie nimmt wie ihr Vater regelmäßig an Wettkämpfen teil. Beim Rupertigauschnalzen – dem wich- tigsten Turnier – treten mehr als hundert Passen aus Salzburg und Bayern gegeneinander an. Bewertet wird der gleichmäßige Takt und die Lautstär- ke der Schnalzer. Die Preisrichter dürfen dabei die Passen nicht sehen. Das diesjährige Rupertigauschnalzen findet am 23. und 24. Februar in Bergheim bei Salzburg statt.

www.schnalzen.de


Grasausläuten in Tirol

Peitschen kommen auch beim Grasausläuten in Tirol zum Einsatz. Die Hauptrolle in diesem Frühlingsorchester spielen aber Glocken und Schel- len. Ziel des Brauchs ist es, den Winter mit ohrenbetäubendem Lärm in die Flucht zu schlagen. Sobald der Schnee geschmolzen ist, ziehen die Menschen in Feiertagstracht von Hof zu Hof. Meistens findet das Gras- ausläuten um den Georgi-Tag am 23. April statt. Den Klang dazu liefern Kuhglocken, die heftig geschüttelt werden, damit es möglichst laut schellt. Die lärmstarke Prozession ist schon von weitem zu hören und lockt die Bewohner aus ihren Häusern. Für die erwachsenen Grasausläuter gibt es einen Schnaps und für die Kinder Süßigkeiten oder einen Saft. Teilweise werden auch Geldspenden für die Vereinskasse gegeben.

Der Volksglaube verbindet mit dem Grasausläuten den Aufruf an das Gras, wieder zu wachsen. Außer im Zillertal wird dieser lautstarke Früh- lingsbrauch auch um die Stadt Schwaz im Unterinntal praktiziert. Dort sind alljährlich rund 50 Personen der örtlichen Schützenkompanie – von Alt bis Jung – einen Tag lang zum Grasausläuten unterwegs.

www.karwendel-urlaub.de,

www.zillertal.at


Die listigen Ausseer Trommelweiber

Im Ausseer Land sind Anfang März die Trommelweiber unterwegs. Mit Trommeln und Trompeten ziehen sie lärmend durch die Straßen, um den Winterdämonen den Garaus zu machen. Unter Spitzenhäubchen, weißen Nachthemden und Masken verbergen sich allerdings Männer, die sich verkleidet haben, damit sich die Dämonen nicht an ihnen rächen können.

Gegründet wurden die „Trommelweiber“ bereits im Jahr 1767 von Ausse- er Bürgern. Die Arbeiter aus dem Salzbergwerk waren in den Reihen der bürgerlichen Trommelweiber jedoch nicht erwünscht. Also gründeten diese 1928 selbst eine Gruppe. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Trom- melweibern durchstreiften sie nicht nur das Zentrum von Bad Aussee, sondern begannen ihren Umzug im Salinenarbeiterviertel Unterkainisch. Seither ziehen am Faschingsmontag die bürgerlichen und am Faschings- dienstag die Arbeiter-Trommelweiber durch den Ort – mit fantasievollen Kostümen, viel Lärm, Spaß und Tamtam.

www.trommelweiber.at


Bienen aufwecken

Vergleichsweise leise geht das alljährliche „Bienen aufwecken“ der Imker über die Bühne. Die Bienenväter- und mütter klopfen im Frühling lediglich mit dem Zeigefinger auf ihre Bienenstöcke. In Oberösterreich findet das Ritual entweder zu Petri Stuhl am 22. Februar oder am 19. März, dem Jose- fitag, statt. Mit „Beinl, Beinl, auf, auf, auf, Peter Lang’s ist im Land“, werden die Bienen daran erinnert, dass es Zeit für den „Reinigungsflug“ ist.

Obwohl „die das eh von alleine wissen“, sagt Johann Zörfuss, Schriftfüh- rer des Neckenmarkter Imkereiverbandes. Der burgenländische Verband zählt zu den ältesten Österreichs. Zum Auftakt des Bienenaufweckens fin- det eine Messe statt, danach geht es zum Frühschoppen und anschließend zu den Bienenstöcken. Bienen gelten als prophetisch, fleißig, heilig und ihre Produkte als heilend. Man nannte sie „Beinvögel“ und sagte ihnen ein besonderes Verhältnis zum Bienenvater nach. So musste ihnen dessen Tod mitgeteilt werden, auch den Neujahrstag und das Fest Maria Licht- mess sagte man den Bienen an. Heute wird das aber nur noch selten prak- tiziert. Auch beim traditionellen Bienenaufwecken sind nicht immer alle Imker dabei: „Ich hab seit 50 Jahren Bienenstöcke und hab mir an diesem Tag immer frei genommen. Aber das können halt nicht alle“, meint Johann Zörfuss. Bei der großen 200-Jahr-Feier des Neckenmarkter Im- kerverbandes am 1. Juni „san aber sicher alle dabei!“, lacht der Imker.

www.imker-burgenland.at

„Wenn die Goaß-Spitze

die Schallmauer

durchbricht, knallts!“

Fotos: Wildbild, TVB Silberregion Karwendel/ichmachefotos.com, Steiermark Tourismus

Die „Trommelweiber“ sind eigentlich Männer, die sich verkleidet haben, damit sich die Winterdämonen nicht an ihnen rächen können.