Unterwegs in der Region

Wohin der

Wind uns trägt

Ballonfahrt-Pionier Adi Thaller lässt sich gemeinsam mit den Kaufleuten Birgit und Christoph Rodler vom Wind

über das oststeirische Hügelland tragen.

Text: Marcus Fischer Fotos: Sebastian Freiler

E

s ist noch angenehm kühl an diesem Junimorgen. Kurz vor sieben liegen die sanften Hügel des steirischen Apfellandes noch im Morgendunst. Die

Gegend wirkt im milden Sonnenlicht genauso verschlafen wie wir. Als wir den Treffpunkt erreichen – eine Wiese hinter dem Ballonhotel in Hofkirchen –, ist Schluss mit der Beschaulichkeit. Jetzt heißt es anpacken. „Ballonfahren ist Team- work“, gibt Adi Thaller nach einer kurzen Begrüßung das Motto vor – und schon gehts an die Arbeit. Gemeinsam rollen wir den rund 30 Meter hohen und 15 Meter breiten Ballon auf der Wiese aus. Adi kümmert sich gemeinsam mit dem Piloten Niels um die Verankerung des Korbs und die Propangas-brenner. Sobald der Ballon ausgerollt auf der Wiese liegt, zündet Niels die Brenner, eine Wind- maschine bläst die heiße Luft ins Innere des Ballons. Wie ein Walfisch liegt die halbgefüllte Stoffhülle wenig später auf der Wiese, bevor sie sich allmählich auf- richtet. Dann ist es soweit: Wir klettern in den Korb, Niels lässt die Flammen aus dem mächtigen Brenner in die Höhe schießen, ein Mitarbeiter am Boden löst die Verankerung und wir steigen auf.


In der Schwebe

Ein ganz neues Gefühl. Kein Ruck, kein Schwindel, kein mulmiges Gefühl im Bauch – langsam schweben wir in die Höhe. Es ist eine sanfte Bewegung, die man nur daran bemerkt, dass die Wiese, die Bäume, die Häuser unter einem kleiner werden. Die Stille wird lediglich durch das Fauchen des Brenners unterbrochen, den Niels immer wieder aktiviert. Wir steigen höher, ein leichter Wind trägt uns in Richtung Osten. „Da ist das Haus von der Oma. Und dort bin ich in d’Schul gegangen“, erzählt Birgit und deutet dabei auf ein kleines Dorf, das gerade hinter einem Hügel auftaucht. Die Welt wirkt wie eine Landkarte unter uns und Birgit ist unsere Reiseführerin – ganz selbstverständlich benennt sie Orte, Häuser, Flüsse, Hügel und Kirchen unter uns. Ob sie schon öfter Ballon gefahren ist, wollen wir wissen. „Das erste Mal mit 12“, lacht sie. „Da war ich auf dem Hofkirchner Dorf- fest – und hab auf das Baby unserer Nachbarin aufgepasst. Die Hauptattraktion war damals ein Heißluftballon. Und dem Ballonfahrer hat es so getaugt, wie ich auf das Baby aufgepasst hab, dass er mich zu einer Fahrt eingeladen hat. Das Butzi hab ich vorher natürlich der Nachbarin zurückgegeben“, lacht sie, „aber das war schon ein Erlebnis, plötzlich das eigene Dorf von oben zu sehen.“


Das Große im Kleinen

Mittlerweile haben wir die Gegend rund um Hofkirchen hinter uns gelassen und schweben über einem weit ausgedehnten Waldstück. Rehe auf einer Lichtung bleiben stehen und schauen um sich. Ein faszinierendes botani- sches Panorama öffnet sich unter uns. Die Bäume schauen von hier oben aus wie die Spitzen von Moosgewächsen am Waldboden. Wir sind beein- druckt, wie sich das Kleine im Großen wiederholt und umgekehrt. Nachdem sich Adi mit Niels über den Kurs abgestimmt hat, wendet er sich uns zu. Er spricht langsam und strahlt eine angenehme Ruhe aus. Seit 30 Jahren fährt er Ballon und ist einer der Pioniere des Sports hier in der Oststeier- mark. 2008 hat er sogar die Ballonfahr-Weltmeisterschaft nach Hofkirchen gebracht – mit über 100 Teams aus 50 Nationen.


Ein Gspür fürn Wind

Was für ihn den Reiz des Sports ausmacht, wollen wir wissen. Adi schaut in die Weite und lächelt. „Der Wind“, sagt er nach einer Weile. „Wennst mitm Flugzeug fliegst, weiß du, wo du landest“, erzählt Adi. „Aber im Ballon fliegst du nicht, du fährst mit dem Wind – wie ein Segelschiff. Und mit der Zeit kriegst ein Gspür fürn Wind. Das geht ganz automatisch. Wenn ich in der Früh aus’m Haus geh, schau ich sofort: Wie schauen die Wolken aus, wo seh ich was vom Wind – Rauch über den Häusern, Blätter in den Bäumen, Wäsche auf der Leine. Du fängst an, nach Zeichen zu

suchen. Da lernst, den Wind zu verstehen. Weil er sich ja ständig verändert. In jeder Luftschicht kann ein anderer wehen – und genau darauf musst achtgeben beim Ballonfahren. Vielleicht geht 150 Meter unter dir ein Wind in die andere Richtung. Und den nimmst du dann, wennst woanders hin willst“, führt Adi aus und lässt ein Stück Papiertaschentuch aus dem Korb fallen – und wirklich: Auf halbem Weg treibt es in eine andere Richtung.


Im Windschatten der Alpen

Wenig später schaut Niels mehrmals auf den Höhenmesser. Vor ein paar Minuten waren wir noch auf 1.200 Metern, jetzt sind wir auf 700. Das Verrückte daran: Man spürt weder das Sinken noch das Steigen des Ballons. Nur, dass die Landschaft unter uns jetzt wieder größer ist, merken wir. „Das oststeirische Hügelland ist perfekt zum Ballonfahren“, erklärt Adi. „Viele Gäste kommen aus Norddeutschland oder Holland, wo es flach ist und der Wind sehr konstant. Aber hier hast hinter jedem Hügel eine andere Strömung, und das machts für Ballonfahrer so spannend. Andererseits sind wir von der Großwetterlage begünstigt, weil wir im Lee der Alpen- ausläufer liegen – und weil bei uns das Wetter aus Nordwesten kommt, bleiben Niederschläge meistens in den Alpen hängen.“


Angst vor der Landung im Kornfeld

Wir lassen uns weitertreiben, sehen in der Ferne die Riegersburg und ge- nießen die Stille über dem Land. Man betrachtet die winzigen Traktoren auf der Straße tief unter einem, staunt über die Berge am Horizont und schaut in die Ferne. Ewig könnte es so weitergehen – in der Stille des Mor- gens durch die Luft zu schweben. Erst als wir das Dach eines Bauernhauses sehr nah unter uns vorbeiziehen sehen, wachen wir aus unseren Gedanken auf. Adi und Niels kundschaften gerade eine Wiese hinter einem Kornfeld als Landeplatz aus, da hören wir auch schon, wie die Ähren den Unterboden des Korbes streifen. Kurz wird uns mulmig. Was, wenn wir jetzt weiter an Höhe verlieren und mitten im Kornfeld runterkommen? Aber unser Pilot landet exakt in der Mitte des schmalen Wiesenstreifens – und zwar so sanft, dass wir nicht einmal einen Ruck spüren. Nach einer halben Stunde haben wir gemeinsam den Ballon wieder zusammengepackt, Adi verständigt den VW-Bus mit Anhänger, auf den wir Ballon und Korb laden und gemeinsam fahren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt. Während der Fahrt spricht niemand ein Wort. Als wären alle in Gedanken noch hoch oben im Ballon, wo sie die Welt lautlos unter sich vorbeiziehen sehen.


Ballonhotel Thaller, Hofkirchen 51, 8224 Kaindorf, Stmk., www.ballonhotel.at

Ballonfahren ist Teamarbeit: Birgit und Christoph beim Aufrüsten des rund 30 Meter hohen Ballons.

Pilot Niels gibt Gas – die Hitze ist auch im Korb deutlich spürbar.

Langsam schweben wir in die Höhe: Die Fahrt im Ballon ist eine sanfte und harmoni- sche Bewegung, die man nur daran bemerkt, dass die Welt unter einem kleiner wird.

Das oststeirische Apfelland ist bei Ballonfahrern aufgrund seines vielschichtigen

Mikroklimas sehr beliebt – hinter jedem Hügel wartet ein neuer Wind.

„Da ist das Haus von der Oma! Und dort bin ich in d’Schul gegangen“, deutet Birgit auf das Dorf unter uns.

Selig über die „erhebenden“ Erlebnisse (v. l.): Adi Thaller, Christoph und Birgit Rodler, Pilot Niels.

Nach der Landung folgt die Erhebung in den Adelsstand samt Feuertaufe, bei der Ballonfahr-Erstlingen eine Haarspitze angezündet und sofort gelöscht wird.

Nah&Frisch Kauffleute Birgit & Christoph Rodler

Was zeichnet euer Geschäft aus?

Christoph: Die Vielfalt. Wir sind Nahversorger und Baumarkt in einem. 2019 haben wir modernisiert und bieten auf fast 800 m2, was unsere Kunden brauchen. Die Birgit ist für das Lebensmittelgeschäft zuständig, ich für den Baumarkt – zu- sammen mit unseren 25 Mitarbeitern.


Wo liegen die Schwerpunkte in der Nahversorgung?

Birgit: Ganz klar bei Qualität und Service. Das fängt beim herzlichen Um- gangston an – wir wollen, dass sich jeder Kunde bei uns wohlfühlt. Genauso wichtig ist aber die Auswahl. Da setzen wir auf Produkte aus’m Dorf: vom Gratzer Naturbier in Tiefenbach über das Saatgut seltener Pflanzen von der Maria Arnhold bis hin zu Fleischprodukten vom Posch, Säften und Weinen aus der Gegend u. v. m.


Welche Rolle spielt euer Geschäft im Ort?

Christoph: Puh, das musst unsere Kunden fragen. (lacht) Aber im Ernst: Wir sind ja auch privat sehr aktiv. Ich bin Feuerwehrtaucher, die Birgit ist ebenfalls super vernetzt, außerdem ist die Mama (Franziska Rodler, die den Nahversorger jahrzehntelang geführt hat) eine echte Institution im Ort. Und das Geschäft gibts ja auch nicht erst seit gestern, sondern seit 1923.

Nah&Frisch Rodler

8224 Kaindorf 8, Stmk.

www.nahund- frisch.at/de/kauf- mann/rodler-gmbh

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.henkell.com