Unterwegs in der Region

„Tussisport is des keiner“

Während der Woche prüft Karin Lovranich elektronische Rechnungen. Das Wochenende verbringt sie am liebsten in 6 Grad kaltem Wasser. Ein Lokalaugenschein an der steirischen Salza.

Text: Marko Locatin Fotos: Bubu Dujmic

K

Mitteleuropas ein idyllisches Aussehen. Doch der Schein trügt. Die Natur ist hier gewaltig und kajaken nicht ungefährlich. Die Salza ist hier gerade einmal 90 Zentimeter tief, dennoch gibt es in dieser Gegend jedes Jahr Tote. „I bin ka Ka- mikazefahrerin“, sagt die leidenschaftliche Kajakerin. „Ich geh da kein Risiko ein. Da muss man schon ordentlich aufpassen – weil Tussisport is das echt keiner.“


Auf der Salza zu Hause

Wir befinden uns im kleinen Ort Wildalpen im steirischen Salzatal an den Ausläu- fern des Hochschwabs. „Vor 14 Jahren hab ich hier an der Salza angefangen“, er- zählt Karin Lovranich und zeigt auf den Campingplatz am Flussufer. Griechenland, Costa Rica, Frankreich, Korsika, Südtirol – die abenteuerlustige 39-Jährige hat für ihre Leidenschaft schon die halbe Welt bereist. Warum sie so gern an die Salza kommt? „Hier ists für mich wie daheim. Und daheim ists am schönsten.“


Wildalpen gilt als Zentrum des europäischen Wildwassersports, auch Meister- schaften werden hier regelmäßig ausgetragen. An diesem Vormittag ist von Hochleistungssport allerdings nichts zu spüren an diesem idyllischen Ort. Der kleine Campingplatz am Flussufer ist gut besucht, vor den Plastikzelten hu- schen Menschen in bunten Badehosen und Neoprenanzügen umher. Einige bereiten ihre Boote und Kajaks vor, andere kochen auf kleinen Gaskochern ei- nen Mittagssnack. Man kennt und grüßt sich, hält da und dort einen kleinen Plausch, tauscht sich über schwierige Flussabschnitte aus oder plant gemein- sam die nächste Tour.


alt und klar rauscht das Wasser der Salza an uns vorbei. Die kräftige Sonne verleiht dem längsten durchgehend befahrbaren Wildwasserfluss

Idyllisch schlängelt sich die Salza über 60 Kilometer durch eine wilde, waldreiche Berglandschaft.

Ein Muss bei den eisigen Wassertemperaturen: der Ganzkörper-Trockenanzug.

Karin Lovranich in ihrem Element. Gleichgewichtssinn und Körperspannung seien das Wichtigste beim Kajaken – und Voraussicht, um gefährliche Stellen rechtzeitig zu umfahren.

Rein ins eiskalte Nass

„Entschuldigts, des dauert alles ewig“, sagt Karin, während sie sich in ihren engen Trockenanzug zwängt. Der wasserdichte Ganzkörperanzug, den bis vor einigen Jahren fast ausschließlich Arktis-Abenteurer und Extrem-Kajaker ver- wendet haben, schützt vor Nässe und Kälte. Zehn Minuten später hat sie die Spritzdecke um die Hüfte geschnallt, die Schwimmweste angelegt und ist bereit „zum Bootfahren“, wie sie es nennt. Auch der Helm sitzt perfekt und mit dem Kajak unter dem Arm stakst Karin Richtung Fluss.


Inzwischen warten Karins Freunde Franz und Marion am Ufer, aber nicht als Zuschauer. Franz trägt einen unscheinbaren klappschirmartigen Gegenstand bei sich, der Leben retten kann: den Wurfsack. Diese Rettungswurfleine be- steht aus einem Seil, an dessen Ende ein gewichtsverstärkter Kunststoffbeutel befestigt ist. Wie ein Rettungsring kann er dem Kajakfahrer im Notfall zuge- worfen werden. Das andere Ende des Seils hält der Helfer am Ufer, der damit den Kajakfahrer in einer gefährlichen Situation an Land ziehen kann. Eine wichtige Sicherheitsmaßnahme, die wir aber zum Glück nicht in Anspruch nehmen müssen.


Lebensrettende Technik

Karin gleitet inzwischen routiniert ins Wasser und dreht einige Kurven. Die Sonne spiegelt sich in dem klaren Gebirgswasser und die Kajakerin ist ganz in ihrem Element. Weiter geht es ein Stück abwärts, unter der Brücke durch, wo sich einige Schaulustige versammelt haben und den Wassersportlern zuwin- ken. Geschmeidig dreht Karin ein paar Runden und paddelt wieder flussauf- wärts. Ein Stück weiter oben gibt es eine schöne Stelle, die rund einen Meter tief ist – ideal, um die Eskimorolle vorzuführen. Die 360-Grad-Umdrehung in der Vertikalen ist kein Showeffekt. Sie ist lebenswichtig, denn nur so kann ein gekentertes Kajak wieder aufgerichtet werden. Karin hält kurz inne und blickt zu uns hinüber. Dann gehts los. Mit Schwung taucht sie in das eiskalte Nass, die Unterseite des Kajaks ragt jetzt aus dem Wasser. Einige Augenblicke später taucht Karin wieder auf. Sie reißt die Augen auf, schüttelt kurz den Kopf und lacht, ja, 6 Grad kaltes Wasser erfrischt ordentlich.


Die Tücken des Flusses

„Als Erstes lernt man das Ein- und Aussteigen in den Fluss. Das ist gar nicht so einfach, wie es ausschaut“, erklärt Karin. Das Wichtigste bei dem Sport sei- en Gleichgewichtssinn und Körperspannung, betont sie. „Und du musst mit Herz und Hirn fahren. Die gefährlichen Stellen schon beim Vorbereiten ab- checken und Pegelstände recherchieren. Da gleich in der Nähe gab es letztes Jahr einen Toten. Am gefährlichsten sind die Siphone – unsichtbare Wasser- strudel, die um verwinkelte Steine liegen. Da bleibst dann hängen und kannst nimmer raus. Das Wasser ist eiskalt, meist zwischen 5 und 8 Grad. Wennst da einmal unter Wasser bist, kommst schwer wieder raus. Das ist wie ein lebendi- ges Grab.“ Auch Karin hat schon einiges abbekommen. „Da hab ich einen Stein erwischt und bin dagegengeschlagen.“ Der Kopf ist ja vom Helm ge- schützt, aber das Gesicht nicht – Nasenbeinbruch, und das gleich zwei Mal, aber davon lässt sich Karin Lovranich nicht beeindrucken.


Vom Bacherl zum Wildwasser

Wie bei anderen Sportarten auch gibt es beim Kajaken unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Diese richten sich nach Stromgeschwindigkeit und Hin- dernissen, sie reichen je nach Fluss von 1 (ganz leicht) bis 6. Die Salza weist an den meisten Stellen die Grade 2 bis 3 auf – Karin hat aber auch Flüsse mit Schwierigkeitsgrad 4 befahren. Ab 5 bis 6 wird es ganz gefährlich, da können eigentlich nur Profis fahren.


Am Wasser sind alle gleich

„Im Kajak ist man zwar alleine auf sich gestellt, aber es ist nicht so wie bei an- deren Sportarten, wo man sich kurz trifft und dann auseinandergeht“, erklärt Karin begeistert. „Am Bach sind alle gleich. Da sind wir draußen in der Natur und ganz egal ob Rechtsanwalt, Arzt oder Hausfrau, da gibts keine Titel und jeder hilft jedem. Wir bleiben oft ein paar Tage da, machen am Abend ein La- gerfeuer, jeder bringt was zu essen und zu trinken. Das ist einfach ein schönes Gemeinschaftsgefühl. Und auch wenn wir uns nur ein paar Mal im Jahr tref- fen, ist es so, als würden wir uns alle schon ewig kennen.“

„Am gefährlichsten sind Siphone – unsichtbare Strudel um die Steine.“

Flaggen aus aller Welt zeugen von den Kajak-Wettbewerben, die regelmäßig auf der Salza ausgetragen werden.

Lebensrettende Technik: Mit der Eskimorolle kann ein gekentertes Kajak wieder aufgerichtet werden.

Karin Lovranich und ihr Sohn Florian sind Kunden bei „Unser Gschäft in Walpersbach“. Wir haben mit Josef Hruby gesprochen, dem Obmann des als Verein geführten Nah&Frisch Geschäfts im südlichen Niederösterreich.

Ihr habt euer Geschäft in Eigenregie eröffnet. Wie kams dazu?

Josef: Wie der Vorgänger zugesperrt hat, haben wir uns zusammen- geschlossen und den Verein gegründet. Die ganze Gemeinde hat Bausteine gekauft, über die haben wir viel finanzieren können, gerade am Anfang. Das war schon eine schöne Erfahrung, wie da alle zusammengehalten haben. Ein Dorf braucht einen Nahversor- ger, das liegt uns allen am Herzen. Und es war ein Erfolg – in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch sozial.

Worin besteht die soziale Bedeutung?

Josef: Das Geschäft ist ein Treffpunkt im Ort. Es gibt eine Kaffee- Ecke, wo man sich nach dem Einkauf zusammensetzt und gemütlich plaudert. Wir beliefern aber auch den Kindergarten und die Volks- schule. Die Taferlklassler bekommen gratis ein Jausensackerl von uns zum Schulanfang. Und für ältere Menschen ist unsere Gratis- Hauszustellung eine große Erleichterung im Alltag.

Was kommt bei den Kunden derzeit besonders gut an?

Josef: Die Feinkost, das frische Gebäck und die belegten Brötchen. Und natürlich die Produkte aus der Umgebung wie Eier vom Eierhof Haller, Honig vom Imker aus der Nachbarschaft, Obstsäfte aus der Buckligen Welt, Most und Wein.

Unser Gschäft in Walpersbach

2822 Walpersbach, Walpersbach 23,

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/unser-gschaeft-in-walpersbach

Unser Gschäft in Walpersbach