In vollem Einsatz für den Krapfenkirtag in Mönichwald: Kauffrau Bettina Lechner und Krapfenbäckerin Erna Schwengerer.

Aus’m Dorf

10.000 Krapfen

aus’m Dorf

Nah&Frisch Kauffrau Bettina Lechner liefert Zutaten und Krapfen für ein kulinarisches Ereignis der Extraklasse: den Krapfenkirtag im steirischen Mönichwald.


Text: Marcus Fischer Fotos: Sebastian Freiler

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D

ie kleine Gemeinde Mönichwald ist ein ganz besonderer Ort. Das liegt nicht nur an der malerischen Lage am Fuße des Hochwechsels,

sondern auch an den zahlreichen Rekorden, die das Dorf schon eingefahren hat: 1984 wurde es schönstes Blumendorf Europas, 1985 kam es mit dem längsten Apfelstrudel der Welt (238 m) ins Guinness-Buch der Rekorde, einen doppelten Weltrekord feierten die Mönichwalder 1997 mit dem größten Krapfenbuffet der Welt (10.000 Krapfen und 100 verschiedene Sorten) und dem größten Schnurkrapfen der Welt (2,51 m Länge).


Alle helfen zusammen

„Man braucht im Ort immer jemanden, der was auf die Beine stellt“, erzählt uns Kauffrau Bettina Lechner, die ihr Geschäft in Mönichwald im Ort in der vierten Generation führt. „Und bei uns ist das die Erna Schwengerer. Die war schon Kundin bei meinem Vater in den 60er Jahren. Natürlich helfen alle im Ort mit, wenn der Kirtag kommt. Aber ins Leben gerufen hat ihn die Erna.“ Der Krapfenkirtag ist für Mönichwald so etwas wie das Oktoberfest für München. Mit einem großen Unterschied: In Mönichwald helfen im Vorfeld des dritten Juliwochenendes alle zusammen. Und jeder im Ort, vom Schuster bis zum Friseur, steuert Krapfen bei – selbstverständlich selbstgemachte. „Sonst kommst ja gar nicht auf die 100 verschiedenen Sorten“, erzählt die Kauffrau, „und die 10.000 Stück. Wir machen zum Beispiel immer Schneeballkrapfen. Das sind mehrere Teigstreifen, die werden ineinander gelegt und dann ausgebacken, dann bekommen sie eine rundliche Form. Wie ein verwordakelter Ball halt, so ein bissl verhutzelt. Aber schmecken tun die herrlich! Die macht bei uns die Mama. Aber zu den einzelnen Krapfen kann euch die Erna mehr sagen“, lacht Bettina.


Eine kleine Krapfen-Geschichte

Erna Schwengerer wohnt nur ein paar Häuser weiter im Ort. „I bin auf- gwachsen mit Krapfen, weil i a Bergbauernkind bin“, erzählt sie, während auf dem Herd in ihrer Küche schon das Öl für die Krapfen heiß wird. „Krapfen hat man früher das ganze Jahr über gebacken. Wenn überraschend Besuch gekommen ist am Bauernhof, weil Telefon hat man ja keins gehabt, hat man schnell eine Mehlspeise herzaubern müssen. Und Krapfen hat man ja schnell zubereiten können. Die hat man dann dem Besuch angeboten, Brautleuten zum Beispiel, die zur Hochzeit einladen. Normal denkt man bei Krapfen ja an Germkrapfen. Aber die hats früher nur zu besonderen Anlässen gegeben – wenn man zum Beispiel im Herbst das Getreide ein- geführt hat. Da haben die Nachbarn mitgeholfen, und da hat man auch ein reichlicheres Essen hergerichtet zu Mittag und am Abend. Und zum Nachtisch hats dann Germkrapfen gegeben. Aber ohne Füllung, das hat man damals nicht gekannt. Da wurde in der Mitte am Bauerntisch eine große Schüssel hingestellt mit verdünntem und gezuckertem Schnaps drinnen. Und da hat man dann ein Stück vom Krapfen abgebrochen und dort eingetaucht. Dann ist es natürlich lustig geworden – da hat man die Harmonika herausgeholt und gesungen und getanzt!“


Der legendäre Schnurkrapfen

Das Öl hat langsam die richtige Temperatur erreicht. „So, jetzt muss i mi konzentrieren“, sagt sie und holt den Teig aus dem Kühlschrank. Schnur- krapfen und Rosenkrapfen stehen heute auf dem Plan. Beide werden aus Blätterteig gemacht. Vorsichtig klopft Erna mit dem Nudelwalker auf den Teig, bis er Blasen schlägt, und streut immer ein wenig Mehl auf die Arbeitsfläche. „Aber da musst aufpassen, dass d’ nicht zu viel aufstreust, sonst verbrennt das Mehl im Öl.“ Mit dem Teigrad schneidet sie finger- lange, rechteckige Streifen heraus, die sie auf den „Kapfen-Modl“, eine kegelförmige Backzange, legt. Mit einer Schnur wird der Teig anschließend umwickelt und auf der Zange fixiert – daher der Name Schnur- oder Spagatkrapfen. Jetzt hält Erna den „Modl“ ins Öl, es brutzelt und zischt, innerhalb weniger Sekunden färbt sich der Krapfenteig braun, und schon ist der längliche Krapfen fertig. „Der wird dann mit Zimt und Zucker bestreut, und wenn man ihn auch noch umdreht, mit Schlag füllt und Preiselbeeren draufgibt – eine feine Sache!“, schwärmt Erna.


Schnapskrapfen & Liebesgeschichten

„So, und jetzt komm ma zu den Rosenkrapfen!“ Sie sticht drei Teigkreise in verschiedenen Größen aus, daraus werden die Blütenblätter der Rosen- krapfen geformt, schneidet jeden ein, tunkt den Finger in Eiweiß und klebt damit die drei Teigblätter zusammen. „Da hats noch einen anderen lustigen Krapfen-Brauch gegeben“, erzählt sie. „Wenn man die Schnaps- krapfen abends gegessen hat und Madeln im Haus waren, sind die Nach- barsburschen mit langen Stecken zum Fenster gekommen. Damit habens dann an die Scheibe geklopft. Und die Madeln haben aufgemacht und ihnen einen Krapfen aufn Stecken gesteckt. Erst dann haben die Burschen hereinkommen und den Krapfen eintunken dürfen. Des war a Gaudi!“


Die sensiblen Rosenkrapfen

Jetzt lässt Erna den Rosenkrapfen vorsichtig ins heiße Fett gleiten. Gespannt blickt sie in den brodelnden Topf. „Na, werma schauen“, murmelt sie. Dann zieht sie die Augenbrauen in die Höhe. „Ja, da ist er schon! Das ist gut“, lächelt sie. Wenn der Rosenkrapfen schnell an die Oberfläche steigt und seine Blütenblätter aus dem Öl schauen, war der Teig richtig. „Wun-derschön“, sagt Erna und drückt den Krapfen vorsichtig unter die Oberfläche, damit er gleichmäßig knusprig wird. Dann geht alles Schlag auf Schlag: Krapfen abtropfen lassen, neuen Teig ins Öl, und nach ein paar Minuten liegen acht prachtvolle Rosenkrapfen vor uns. Zum Schluss werden sie mit Zucker bestreut und mit einem Gupf Preiselbeermarmelade gekrönt: „Das ist die Blüte“, lächelt Erna.


10.000 Krapfen in zwei Stunden weg

Wie im Schlaf erledigt sie jeden Handgriff und plaudert nebenbei mit uns. „Die Rosen- und die Schnurkrapfen gehen auch immer gut beim Kirtag. Aber dort gibts ja noch viel raffiniertere Krapfen: Cremekrapfen, Punschkrapferl, Stanglkrapfen, Affenkrapfen, Rauschkrapfen, Kranzlkrapfen, Weinstraubenkrapfen etc. Bei uns sind oft schon nach zwei Stunden fast alle 10.000 Krapfen weg! Die kaufen die Gäste schachtelweise. Drum ist es wichtig, dass man am Krapfenkirtag um 10 Uhr da ist – es werden zwar auch viele Krapfen vor Ort gebacken, aber am Anfang hat man noch die Auswahl!“


Persönliche Produzenten

Die Zutaten für die Krapfen holt Erna natürlich bei „ihrer“ Kauffrau Bettina Lechner, zu der wir mittlerweile zurückgekehrt sind. „Die Lechners waren für uns immer unsere Kaufleute im Ort“, erzählt Erna Schwengerer. „1962, als wir frisch verheiratet kein Geld fürn Kuchlherd gehabt haben, hat Bettinas Vater gesagt: „Na, dann zahlts es halt später.“ Das haben wir nie vergessen! Jetzt bin ich seit über 55 Jahren Stammkundin.“ „Das muss ich schon auch sagen“, ergänzt Bettina, während sie uns die Schätze ihres „aus’m Dorf“-Regals zeigt: „Wenns drauf ankommt, halten hier alle zusammen, da kannst dich drauf verlassen.“ „So was wie den Krapfenkirtag schafft man nur gemeinsam“, stimmt Erna zu. „Sicher, man braucht wen, der das organisiert. Aber genauso wichtig sind die vielen, vielen Helfer. Und da helfen alle mit.“ „Drum ist es auch klar“, meint Bettina, „dass wir die Produkte aus’m Dorf bei uns im Gschäft verkaufen.“ Stolz präsentiert sie den Mispel-, Himbeer-, Hirschbirnenbrand, den vielfach ausgezeichneten Holzer-Most und die Sanddornprodukte aus dem Nachbarort. Dann nehmen die Frauen ihre Krapfentabletts und stellen sich fürs Foto stolz vor das Geschäft: die Krapfenkönigin und ihre Kauffrau im schönen Mö- nichwald.

Das ganze Dorf hilft beim Krapfenkirtag mit, damit man den Besuchern 10.000 Krapfen in 100 verschiedenen Sorten auftischen kann.

Der Teig der Schnur- oder Spagatkrapfen wird um den „Modl“ gelegt und mit einer Schnur befestigt. Nach dem Ausbacken kommen noch Zimt und Zucker drüber – fertig ist die knusprige Köstlichkeit.

Für einen Rosenkrapfen klebt Erna Schwengerer drei unterschiedlich große Teigkreise mit Eiweiß zusammen, im Öl entfalten sich dann die „Blätter“ des Rosenkrapfens.

Qualität und Innovation aus’m Dorf: Die biologischen Tees, Öle und Kosmetikprodukte aus den Sanddorngärten im steirischen Joglland.

Die hats

10.000 Krapfen

aus’m Dorf gibts am 15. Juli 2018 ab 10 Uhr beim Krapfenkirtag rund um das Gschäft von Bettina Lechner in 8252 Mönich- wald, Stmk. Bei Krapfen- Fragen einfach Erna Schwengerer anrufen: 03336/4513

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