Kaufleute erzählen

Sternstunden

in Großmugl

Wie Kaufmann Thomas Seiler die Zahl seiner Kunden verfünffachte, welche Rolle der Leberkäs dabei spielte und warum manche Kunden anfangs Übernatürliches in seinem Geschäft vermuteten.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

Kaufmann Thomas Seiler mit Tochter Chantal und Bürgermeister Karl Lehner vor dem höchsten Leeberg Mitteleuropas in Großmugl. Rund um die Grabstatt finden auch die Sternbeobachtungen statt.

G

roßmugl liegt im Weinviertel, gerade einmal 30 km nordwestlich von Wien. Seinen Namen verdankt der Ort einem 16 Meter hohen Hügel et-

was außerhalb des Dorfes. „Das ist der größte erhaltene Leeberg Mitteleuropas“, erklärt Bürgermeister Karl Lehner. „Leeberge waren die Grabstätten der Hall- stattkultur, die sich in der Zeit um 1.000 bis 800 vor Christus bis ins Weinviertel ausgebreitet hat.“ Bei dem vor uns liegenden Hügel oder Mugl handle es sich wahrscheinlich um das Grab einer hochgestellten Person, eines Königs oder Feldherrn, erzählt der Bürgermeister stolz.


Ein Kaufmann mit Scharfblick

In dieser geschichtsträchtigen Umgebung hat Thomas Seiler vor sechs Jahren sein Nah&Frisch Geschäft eröffnet. „Am Anfang wars schon schwer“, erzählt er, „obwohl uns die Großmugler vom ersten Tag an wirklich sehr herzlich aufgenommen haben. Aber mit durchschnittlich 80 Kunden am Tag kommst halt auf Dauer nicht über die Runden.“ Die Augen des begeisterten Radsport- lers beginnen zu glänzen, während er weitererzählt. „Also hab ich mich auf die Suche gemacht und genau hingeschaut: Wo können wir im Geschäft noch besser werden?“


Neue Ideen fürs Gschäft

Und dann ist es losgegangen mit den vielen frischen Ideen und Innovationen im Geschäft. Als er die morgendlichen Schlangen an der Feinkost gesehen hat, wurde die „Backbox“ ins Leben gerufen: Ein Regalsystem mit neun Laden, in denen sich die Kunden seither in Selbstbedienung mit frischen Salzstangerln, Kornspitzen & Co. versorgen konnten. Dadurch wurde der Engpass in der Früh beseitigt. Als Nächstes folgte die Vorbestellung via Handy: „Wenn je- mand am Vormittag oder zu Mittag 20 oder 30 Wurstsemmeln für die Beleg- schaft gebraucht hat, habe ich ihm gesagt: ,Schick mir eine Stunde vorher eine WhatsApp-Nachricht, dann sind die Semmerln fix und fertig verpackt, wennst vorbeikommst, und du musst nur noch zur Kassa gehen und zahlen.‘“ Ein doppelter Erfolg: keine Schlangen und Wartezeiten mehr zu den Stoßzeiten und noch mehr zufriedene Kunden.


Die Geschichte mit dem Leberkäse

Als Nächstes hat Thomas dann probehalber das Geschäft auch über Mittag ge- öffnet. Die Resonanz war zunächst bescheiden. Bis er den Naturkrusten-Leber- käs eines Innviertler Herstellers als Imbiss angeboten hat. „Am Anfang haben wir 2 Kilo in der Woche verkauft. Heute sinds 100 bis 120 Kilo! Und das in sie- ben Sorten – vom klassischen Käse-Leberkäs über Chili-Cheese (,echt schoaf‘), Perlzwiebel-Paprika, Tomaten-Mozzarella bis hin zum ,Mexican‘ Leberkäs mit Kukuruz.“ Mittlerweile läuft das Geschäft in der Mittagszeit auf Hochtouren. Neben Tochter Chantal sind derzeit sechs Mitarbeiterinnen im Geschäft tätig. „Heute haben wir an einem guten Tag 400 bis 450 Kunden. Und das aus allen Altersschichten“, betont Thomas. Für die Jungen stehen zwei gut befüllte Red- Bull-Kühler im Geschäft. „Letztes Jahr haben wir 24.000 Dosen verkauft – das ist schon ein Wahnsinn“, lacht Thomas.


„Ein Spitzenmann!“

Neben der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten muss aber auch die men- schliche Seite im Geschäft stimmen. „Er grüßt alle beim Namen, ist immer freundlich zu dir, auch wennst nur ein Packerl Butter kaufst. Und wennst was brauchst, was er nicht hat, besorgt ers dir. Ein Spitzenmann! Man hat einfach eine Freud, wenn man hereingeht“, schwärmt eine Kundin, die sich zugesellt hat. „Das Honorar geb ich dir vorn an der Kassa, Helga!“, witzelt der Kaufmann, dem das spontante Lob ein wenig unangenehm ist. „Aber es stimmt schon“, er- gänzt er, sobald wir wieder allein sind, „du musst mit dem Herzen dabei sein – sonst kannst es vergessen.“


Die Sterne über Großmugl

Vor einigen Jahren hat der Astronom Dr. Günther Wuchterl seine Liebe zu Großmugl entdeckt – genauer gesagt zum Himmel über dem Ort. Eher zufällig kam er drauf, dass das Dorf vom künstlichen Nachtlicht der Umgebung durch eine Hügelkette im Süden perfekt abgeschirmt ist – was hervorragende Voraus- setzungen für die Sternbeobachtung bietet. Seither finden rund um den Leeberg regelmäßig nächtliche Veranstaltungen mit bis zu 1.000 Teilnehmenden statt, die sich dem ausnehmend schönen Blick auf die Milchstraße oder Phänomenen wie Mondfinsternis sowie speziellen Planetenkonstellationen widmen.


Blick in die Zukunft

Auf Sternstunden ganz anderer Art bereitet sich indes Thomas Seiler vor. Ein be- sonders schönes Projekt steht unmittelbar vor der Realisierung: Das Café Mugl in einem Seitenraum des Geschäfts mit Platz für ca. 20 Gäste, gemütlichen Sitz- ecken und einem großzügigen Schankbereich. „Da brauch ich nur noch die Be- triebsgenehmigung, dann gehts los!“ Keine Frage, dass auch dieses Projekt glü- cken wird. Denn bisher standen alle Aktivitäten des engagierten Kaufmanns in Großmugl unter einem guten Stern.


www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/seiler

www.starlightoasis.org

www.sternenweg-grossmugl.at

Foto Kauffrau: Sebastian Freiler

„Du musst mitm Herzen dabei sein,

sonst kannst es vergessen.“

Gschichtn aus’m Gschäft

Warum so mancher Kunde in der Anfangszeit des Geschäfts an Übernatürliches glaubte ...


„Eines Tages ist ein Kunde ganz aufgeregt zu mir ins Büro gekommen und hat gesagt ,Chef, hüf ma! Ich weiß net, was los ist mit mir. Jetzt war ich bei euch hinten in der Feinkost, da hat mich das Mädel bedient, dann geh ich vor zur Kassa – da sitzt sie schon wieder vor mir! Ich schwör dir, ich hab nix trunken, aber da stimmt was net bei euch!‘ Ich hab dann erst einmal sehr lachen müssen und ihm die Sache erklärt. Unsere zwei Lehrmädchen, die Sandra und die Kaya, sind eineiige Zwillinge – und zu der Zeit hat man sie praktisch nicht unterschei- den können. Heute ist es anders, aber damals wars fast unmöglich. Na, ich hab ihm dann die beiden vorgestellt und dann ist es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen. Aber das ist damals ein paar Leuten so gegangen. Das war schon sehr lustig – auch für die Mädels.“

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