Herbstbräuche

Nachhaltige Lipizzaner,

faire Dirndln

In der Steiermark ziehen im Herbst die Lipizzanerhengste von der Stubalm ins Tal. Salzburg steht im September ganz im Zeichen des Dirndls. Wir haben uns beide Bräuche auch in puncto Nachhaltigkeit angeschaut.

Text: Ute Fuith

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as Lipizzanergestüt Piber bei Köflach (Stmk.) ist der Geburtsort der welt- berühmten weißen Hengste. Heute kommen hier jährlich rund 40 Fohlen

auf die Welt. Die Sommermonate verbringen die „jungen Wilden“ auf der rund 30 km entfernten Stubalm. „Speziell für die Junghengste stellt die ,Sommeralpung‘ auf 1.600 Meter Seehöhe einen wesentlichen Teil ihrer Entwicklung dar“, erklärt Piber-Gestütsleiter Erwin Movia. Das raue Klima, der steinige Boden, das steile Gelände und die frischen Almwiesen bieten den idealen Rahmen für die nötige Abhärtung der Jungtiere. Wichtig für die spätere Ausbildung der Pferde ist auch die ständige Nähe zum Menschen.


Naturnahe Aufzucht

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im Gestüt Piber eine große Rolle. Die rund 550 Hektar Land werden nach einem intensiven Weidemanagement selbst landwirtschaftlich gepflegt. „Seit heuer können wir dadurch unseren gesamten Heufutterbedarf von den eigenen Wiesen für die Lipizzaner in Wien und Piber abdecken“, so Movia. Zur naturnahen Aufzucht der Pferde zählen der tägliche Auslauf und die eingangs erwähnte Sommerfrische auf der Alm. Mitte September kehren die Lipizzaner wieder nach Piber zurück.


Almabtrieb im September

Falls der Almabtrieb heuer in gewohnter Manier stattfindet, starten die Pferde um neun Uhr früh ihren 20 Kilometer langen Marsch ins Tal. Die erste Etappe führt von der Stubalm zum Gasthof Wiendl, wo die Pferde mit musikalischer Untermalung mit frischen Blumensträußen ge- schmückt werden. Anschließend erfolgt die Pferdesegnung bei der Wall- fahrtskirche Maria Lankowitz. Über den Kirchplatz zieht der festliche Tross dann weiter über Köflach zum Gestüt Piber.


Wie aus den „Karstern“ die „Lipizzaner“ wurden

Die Bezeichnung „Lipizzaner“ wird übrigens erst seit Beginn des 20. Jahr- hunderts verwendet. Davor wurden sie „Karster“ genannt, abgeleitet vom slowenischen Karst, der ursprünglichen Heimat des ehemaligen Hofgestüts Lipica. In den 1950er-Jahren wurde der Grundstein für die heutige Popu- larität der ehemaligen „Kaiserschimmel“ gelegt. Prominente Besucher förderten den Weltruhm weiter. Ein Highlight war der Besuch der britischen Königin Elizabeth im Jahr 1969. Das Gestüt hatte sich wochenlang auf den Besuch vorbereitet und das ganze Schloss herausgeputzt. Für die Queen wurde sogar eine eigene Toilettenanlage errichtet. Ob das königliche Klo tatsächlich von der Monarchin benutzt wurde, ist bis heute Gegenstand vieler Spekulationen und Witze.


ZEIGTS HER EURE DIRNDLN!

Viel zu staunen gibt es auch am Dirndlgwandsonntag, der um den Namens- tag der heiligen Notburga am 13. September stattfindet. Erfinderin dieses relativ jungen Brauchs ist Andrea Maurer. „Ich habe mir überlegt, wie man die Tracht wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen kann. Durch den Dirndlgwandsonntag sollen die Menschen animiert werden, einen Tag lang in ihrer Tracht zu verbringen“, erklärt die langjährige Salz- burger Trachtenreferentin. Dass die heilige Notburga als Schutzpatronin des Events ausgewählt wurde, ist kein Zufall: „Sie ist eine der wenigen Heiligen, die nicht aus dem Adel kommt. Als Tochter eines Hutmachers wurde sie um 1265 in Rattenberg am Inn geboren. Die einfache Magd lebte ein

dienendes Leben in Frömmigkeit. Dargestellt wird die Heilige immer im Hoamatgwand. weshalb sie auch als Trachtenheilige gilt“, erklärt Maurer.


Tracht – bio und fair

„Aktuell sind Bio-Dirndln, die fair produziert werden, ein großes Thema“, erklärt Johann Köhl, Obmann des Salzburger Heimatwerks. „Unseren Kundinnen ist es wichtig zu wissen, dass ihr Dirndl in einer österreichischen Schneiderei zu fairen Bedingungen produziert wird und nicht in einem Billiglohnland“, weiß der Obmann. Für die Bio-Dirndln des Heimatwerks werden ausschließlich Stoffe verwendet, die bereits mit dem „Oeko-Tex® Standard 100“-Label zertifiziert sind. Zusätzlich hat das Heimatwerk seit Kurzem Stoffe aus Bio-Leinen und Bio-Baumwolle im Programm, die GOTS-zertifiziert sind (Global Organic Textile Standard) – dem weltweit strengsten Standard für die Produktion und Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Dieses Label ermöglicht eine glaub- würdige, nachvollziehbare Qualitätskontrolle quasi vom Feld bis ins Geschäft“, erklärt Köhl.


Achtsames Dirndl-Recycling

Auch Natascha Koller ist es wichtig, dass ihre Mode gleichzeitig nachhaltig, ressourcenschonend, unter fairen Bedingungen und regional hergestellt wird. Deshalb gründete sie heuer das öko-soziale Unternehmen „trAchtsam“. Für ihr erstes eigenes Dirndl verwendete sie Stoffe, die sie lange Zeit zuvor von ihrer Großmutter geerbt hatte: „Damit konnte ich bereits Vorhandenes verwenden und ein Stück mit Stil und Pfiff kreieren, das gleichzeitig auch eine Erinnerung an einen geliebten Menschen war“, erinnert sich Koller an die Geburtsstunde ihres Modelabels, das übrigens auch einen Teil der Erlöse an soziale Projekte weitergibt. „Wir legen Wert darauf, bereits vor- handenes Material zu verwenden“, erklärt Koller. Alle trAchtsam-Dirndln sind Unikate und „die Trägerinnen geben damit auch ein Statement ab und setzen ein Zeichen für Fairness, Nachhaltigkeit, Regionalität, aber auch Extravaganz“, so Koller.


Aus Alt mach Neu

Christina Kronawitter verarbeitet für ihr Label „Mein Herzblut“ aus- schließlich alte Stoffe, die sie auf Flohmärkten und in Secondhand-Geschäften kauft. Mit ihren Dirndln zollt die Bayerin ihrer Tradition Respekt, inte- griert diese aber zugleich ins moderne Leben und macht sie alltagstauglich. „Meine Dirndln sind für Frauen gemacht, die zeigen möchten, wie sie wirklich sind: kreativ, wunderschön, frei und farbenfroh“, beschreibt Kro- nawitter. Mit ihren Dirndln möchte sie die Welt nicht nur bunter, sondern auch ein Stück besser machen. Deshalb arbeitet sie auch nur mit Lieferanten zusammen, die gute Arbeitsbedingungen für die Menschen in ihren

Betrieben gewährleisten.

„Sogar die Queen hat den Lipizzanern im Gestüt Piber schon einen Besuch abgestattet.“

GUTES GWAND

Billigtextilien haben oft eine katastrophale Klimabilanz. Hochwertige Kleidung kann man auch günstig kaufen oder tauschen, z. B. auf www.kleiderkreisel.at. Tipps gibts auch auf www.nachhaltigesoesterreich.at.

Fotos: Spanische Hofreitschule/Bundesgestüt Piber, Tiroler Zugspitz-Arena/Christoph Jorda, beigestellt

„Das Dirndl kommt nie aus der Mode, ist lange tragbar und passt zu vielen Anlässen. Es ist damit der beste Botschafter

für Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Regionalität.“

Natascha Koller, Designerin trAchtsam-Dirndln

ADRESSEN

Lipizzanergestüt Piber

Piber 1, 8580 Köflach, Stmk.

www.piber.com


Salzburger Heimatwerk

Residenzplatz 9, 5010 Salzburg, Sbg.

www.salzburgerheimatwerk.at


trAchtsam

www.facebook.com/trAchtsam/,

www.instagram.com/trAchtsam/

Blog: https://trachtsam.chimpify.site/


Herzblut

www.meinherzblut.com