Unterwegs in der Region

Die geheime Kraft

der Bäume

Bei einer Wanderung durchs Hansbergland (OÖ) erfährt Kaufmann Gerhard Gierlinger vom Schweizer Baumheilkundeexperten Renato Strassmann erstaunliches über die Kraft der Bäume.

Text & Fotos: Martin Huber

R

enato Strassmann hebt das Blatt des Feldahornbaumes auf, streicht vor- sichtig darüber und nickt: „Die schwarzen Punkte sind ein Zeichen der

so genannten Teerfleckenkrankheit. Man kann ihr ganz einfach ein Schnippchen schlagen, indem man im Herbst das abgefallene Laub entfernt.“ Zu jedem Baum, zu jedem Strauch weiß der Schweizer Geschichten und Hintergründe zu erzählen. Kein Wunder. Schließlich beschäftigt er sich seit mehr als vier Jahrzehnten intensiv mit Bäumen und Sträuchern. Mehr noch: Er gilt als Vorreiter, Bewahrer und Experte auf dem Gebiet der traditionellen abendländischen Volksheilkunst mit Fokus auf Baumheilkunde. Altes Wissen rund um Bäume, Pflanzen, Kräuter und Düfte fasziniert ihn. Er sammelt es und gibt es leidenschaftlich gerne weiter – in Form von Büchern und Seminaren.


Auf den Feldahorn blickend merkt Renato an: „Bei der volkstümlichen Art und Weise mit Bäumen zu heilen geht man bei einem bestimmten Leiden zu einem passenden Baum. Der Berührung hängender Ahornäste wird beispielsweise Linderung von Hautausschlägen zugeschrieben.“


Heilkraft auf 58 Kilometern

Gespannt lauscht Kaufmann Gerhard Gierlinger aus Haslach an der Mühl Renatos Ausführungen. Die beiden sind seit den Morgenstunden auf dem Kraft- Quelle-Baum-Lehrpfad unterwegs, für dessen Konzeption Renato Verantwortung trägt. Ausgangspunkt ihrer Wanderung war Waxenberg. Als Tagesziel haben sie die kleine, gemütliche Ortschaft Helfenberg im Visier. Auf rund 58 Kilometern Länge widmet sich der Lehrpfad intensiv dem Thema Baumheilkunde. Zahlreiche Tafeln informieren über Heilkraft, Mythologie und Wirkung von Bäumen und Sträuchern.


Aber was versteht man eigentlich unter „Baumheilkunde“? „Der Grundgedanke ist so alt wie die Menschheit: Die Baumheilkunde heilt mit dem lebendigen Wesen des Baumes. Sie heilt mit der Kraft, die den Baum zu dem wachsen lässt, was er ist. Daher benötigt die Baumheilkunde im Gegensatz zu anderen naturheilkund- lichen Therapien keine Verarbeitung von Pflanzenteilen“, erklärt der Schweizer.


Geschmackserlebnis Knospe

Renato und Gerhard wandern weiter in Richtung Nordwesten. Ihr Weg führt sie auf eine Anhöhe, auf der eine markante Felsenburg sichtbar wird, die im 13. Jahrhundert errichtet wurde: Burg Piberstein. Die beiden genießen die fantastische Aussicht, die sich von hier aus bietet. Der Weg Richtung Helfenberg führt weiter durch einen kleinen Laubwald. Renato hält inne, zieht einen Ast eines Haselstrauches zu sich und pflückt eine Knospe. Genüsslich beginnt er, sie zu kauen und erklärt: „Knospen sind etwas ganz Besonderes. Sie beinhalten alles, was einen Baum oder Strauch später ausmacht – das Holz, die Rinde, das Laub, die Frucht. All das kann man schmecken, wenn man eine Knospe langsam kaut und ganz bewusst ihren Geschmack aufnimmt. Im Grunde ist es ähnlich wie mit Stammzellen, in denen alle Informationen gespeichert sind.“ Gerhard macht die Probe aufs Exempel. Dann lächelt er und schüttelt verwundert den Kopf. „Verrückt. Erst schmeckt man das Laub, dann das Holz und zum Schluss sogar die Haselnuss.“


Die Stille der Linden

In Helfenberg angekommen machen die beiden Wanderer einen Abstecher zum Schloss Revertera. Rund um das in Privatbesitz befindliche Gebäude bestaunen sie einen sehr gepflegten, öffentlich zugänglichen Landschafts- park mit heimischen und exotischen Bäumen. Besonders beeindruckt sind sie von einer Allee aus alten, mächtigen Linden. „Linden gelten als die geschichtsträchtigsten Laubbäume und können bis zu tausend Jahre alt werden. Daher wurden ihre Standorte schon immer gut überlegt aus- gewählt“, erklärt Renato. „Unruhigen, gehetzten Menschen bietet die Linde einen angenehmen und erholsamen Platz an. Wer sich unkonzentriert und zerfahren fühlt, setzt sich einige Minuten unter eine Linde. Dann wird sich langsam eine innere Stille und Ruhe bemerkbar machen.“ Ein paar Minuten stehen die beiden Wanderer schweigend unter den mächtigen Bäumen. Derart gestärkt machen sie sich auf den Weg zur Waldkapelle Maria Rast.


Nur wenige Gehminuten entfernt befindet sich die Quelle des „Heiligen Wassers“. Diesem Wasser wird heilende Kraft, vor allem bei Augenleiden, zugeschrieben. Geschützt durch ein hölzernes Quellenhäuschen entspringt es dem Schoß einer Marienfigur. Die beiden nehmen einen Schluck aus der Quelle und wandern anschließend zurück nach Helfenberg, wo sie sich im Gasthof Haudum stärken.


Eine Landschaft wie ein Gedicht

„Für Einsteiger empfehle ich unsere heutige Etappe – von Waxenberg nach Helfenberg. Wer es sportlicher angehen möchte, kommt z. B. auf dem Teilstück zwischen Sankt Stefan und Sankt Peter auf seine Rechnung“, schwärmt Renato, während Gerhard dampfende Speckknödel genießt. Der Kaufmann hat bei dieser Wanderung viel Neues in seiner Heimat entdeckt: „Mit jedem beschriebenen Baum und Strauch eröffnet sich eine neue Perspektive.“ Renato geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wer diesen Weg bewandert, kann dabei eine Landschaft wie ein Gedicht entdecken.“

Das markanteste Bauwerk in der Nähe der Ortschaft Ahorn ist die Burg Piberstein. Von der im 13. Jahrhundert gebauten Felsenburg eröffnet sich ein herrlicher Ausblick ins Mühlviertel.

„Wer sich unkonzentriert

und zerfahren fühlt,

sollte sich unter

eine Linde setzen.“

Die Wanderung von Renato und Gerhard führt auch am Schloss Revertera in Helfenberg vorbei, das von vielen eindrucksvollen Bäumen umgeben ist.

Die Waldkapelle Maria Rast liegt an einem Stein- und Quellkultplatz.



Tafeln wie diese informieren entlang des Kraft-Quelle-Baum-Weges über die Heilkraft, Mythologie und Wirkung der Bäume.

BUCHTIPP:

„Baumheilkunde“ Renato Strassmann € 29,80,

freya Verlag,

www.freya.at

DER AHORN


… LINDERT:

Die Volksheilkunde schätzt vor allem die kühlende und abschwellende Eigen- schaft des Ahorns. Umschläge aus gequetschten frischen Rindenstücken und Blättern werden bei geschwollenen Gelenken, aber auch bei entzündeten Augen aufgelegt, um den Schmerz zu lindern. Insektenstiche können mit frischen Blättern und Rindenstücken recht gut behandelt werden.


… SÜSST:

Ganz junge und nicht aufgebrochene Blätter können als Beigabe zu Salatmi- schungen verwendet werden. Im Frühjahr gewonnener Ahornsirup dient als gut bekömmliches, leicht abführendes Süßmittel.


… KLINGT:

Im Geigenbau ist Ahornholz als Ton- und Resonanzholz sehr begehrt. Böden, Hälse und Zargen des Instruments werden vorwiegend aus Bergahornholz gefertigt.

DIE LÄRCHE


… HEILT:

In der Volksheilkunde wird die Lärchensalbe bei Rheuma und Gicht als auch bei Erkältungskrankheiten, bei Hautinfektionen, zur Förderung der Wundheilung und bei Durchblutungsstörungen verwendet.


… BAUT:

Dank seiner Festigkeit und Tragfähigkeit wird das Holz der Lärche seit Jahr- hunderten als Bau-Konstruktionsholz sowie im Boots-, Brücken-, Erd- und Wasserbau eingesetzt. Außenarbeiten wie Treppengeländer, Fassaden, Türen und Fensterrahmen werden häufig aus Lärchenholz gefertigt, da es sehr witterungsbeständig ist.


… WÄRMT:

Lärchenholz strahlt viel Wärme und Geborgenheit aus. Daher wird es gerne auch im Innenausbau von Wohnungen und Zimmern sowie bei der Möbel- herstellung verwendet.

Illustrationen: Ruedi Schwery

Nah&Frisch Kaufmann Gerhard Gierlinger

Was ist das Besondere an Nah&Frisch Gierlinger in Haslach an der Mühl?

Gerhard Gierlinger: Dazu fallen mir spontan zwei Dinge ein: Zum einen unser Café, in dem wir unseren Kunden täglich Mittagsmenüs zu guten Preisen anbieten. Zum anderen ist die Regionalität eine große Stärke unseres Hauses. Mit mehr als 100 Produkten aus’m Dorf und aus der Region – von den Fruchtaufstrichen von „Gabi’s Genusskistl“ bis hin zum Sesam-, Hanf-, Lein- und Distelöl von der Mühlviertler Ölmühle – nehmen wir in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein.


Was soll ein Wanderer unbedingt in den Rucksack packen, wenn er den Kraft-Quelle- Baum-Weg entdecken will?

Gerhard Gierlinger: Grundsätzlich ist eine gesunde Jause vom Nah&Frisch Kaufmann schon mal eine gute Ausgangsbasis (lacht). Für die Sportlichen empfehle ich in jedem Fall Äpfel aus unserer Region und zum Beispiel einen Müsliriegel. Zum Trinken bieten sich regionale Fruchtsäfte an. Wer sich am Ende des Weges mit einem Stamperl Schnaps belohnen will, dem sei die Befüllung seines Flachmannes mit einem regionalen Destillat empfohlen.


Welche drei Dinge soll man aus dem Mühlviertel zur „kulinarischen Erinnerung“ mit nach Hause nehmen?

Gerhard Gierlinger: Leinöl, Erdäpfel und Bier. Das Leinöl und die Erdäpfel sind die Zutaten für die Mühlviertler Leinölerdäpfel. Dieses Traditionsgericht hat seinen Ursprung in der Landwirtschaft. Vor allem durch die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Leinöls mit seinem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren wurde es wieder populär.

Unsere Gegend ist auch ein Hopfen- land. Bei uns gibt es noch viele kleine Brauereien,

die ganz ausgezeichnete Biere brauen.

Nah&Frisch Gierlinger

4170 Haslach, Sternwaldstraße 15, OÖ

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/gierlinger

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.debeukelaer.com