Herbstbräuche

Heumandln

& Schuhplattler

Wenn die Ernte eingebracht und verarbeitet ist, kommt die Zeit der Feste, der Begegnungen und des Genusses.


Text: Ute Fuith

S

eit mehr als zwanzig Jahren steht Salzburg jedes Jahr von Ende August bis Anfang November ganz im Zeichen des Bauernherbstes.

Die Senner kehren nach dem Almsommer mit ihren kunstvoll ge- schmückten Kühen wieder in die Dörfer zurück, für die Bauern beginnt die Zeit der Ernte und langsam bereitet man sich auf den Winter vor.


HEUMANDLN VON HEUTE

Im Salzburger Lammertal wird der Herbst alljährlich mit einem großen Heufest gefeiert. Veranstaltungsort ist immer ein anderer der vier beteiligten Orte St. Martin, Abtenau, Annaberg Lungötz und Russbach. Heuer ist Russbach dran. Dort wird schon seit dem Sommer an den unterschied- lichsten Figuren aus Heu gebastelt. „Wir treffen uns in Schuppen oder Garagen und arbeiten gemeinsam an den Heumandln“, erklärt Anita Höll. Die Heukünstlerin ist Obfrau des Vereins HeuART. Als gelernte Floristin versteht sie sich aufs Binden und Arrangieren von Materialien und Pflanzen aller Art. „Vor acht Jahren haben wir damit begonnen, Figuren aus Heu und Naturmaterialien zu machen, die dann bei einem großen Festumzug Anfang September gezeigt werden“, sagt Höll.


Figuren von Mecki bis Sisi

Mit der Zeit wurden die Heu-Artisten aus dem Lammertal immer besser und wagten sich an immer ausgefallenere Figuren. „Für die Musikkapelle haben wir einmal eine ganze Musikgruppe mit lauter Mecki-Igeln gebaut und der Tennisclub hat zwei Spieler in Aktion bekommen“, erzählt die Obfrau. Gebunden werden die Figuren mit Draht. Auch die Kleidung wird mittlerweile aus Heu gemacht: „Dafür geben wir Kleister auf die Rohlinge und verteilen darauf Heublumen und dergleichen“, verrät Höll. Das Ergebnis ist beeindruckend. Eine der schönsten Figuren für die Obfrau war eine „Kaiserin Sisi aus Heu mit einem Kleid aus Blumen, das ausgeschaut hat wie aus Samt“, schwärmt die Heukünstlerin.


Ein Fest, das verbindet

Es ist aber nicht nur die Kunstfertigkeit, die das Besondere des Heu-Festivals ausmacht, sondern das „Gemeinschaftsgefühl, das durch die Arbeit an den Figuren gestärkt wird. Durch Gespräche während des Heubindens kommt man auf Gemeinsamkeiten drauf, es wird zusammen gelacht, meist hat jemand Kaffee und Kuchen als Stärkung nach der Arbeit mit oder sogar einen kleinen Likör für zwischendurch, es wurden auch schon Geburtstage beim Basteln im Heustadl gefeiert“, sagt Höll.


Pferdewägen und Oldtimer-Traktoren

Sind die Figuren fertig gebunden, werden sie auf Wägen arrangiert. Gezogen werden diese von Haflingern oder Norikern. Daneben kommen auch Oldtimer-Traktoren zum Einsatz, Schnalzer und Musikkapellen begleiten den Figurenzug durch den Ort. „Dieses Fest hat den Zusammenhalt in den teilnehmenden Gemeinden gestärkt. Mittlerweile wissen alle, dass sie sich auf die anderen verlassen können. Es sind kleine Orte, die hier ge- meinsam Großes auf die Beine stellen – ich bin stolz darauf, meinen Teil dazu beitragen zu dürfen“, unterstreicht die Obfrau.

Lammertaler HeuART-Fest in Russbach

www.russbach.info


SCHUHPLATTELN: WERBUNG MIT HALTUNG

In Kleinarl laufen die Vorbereitungen für den Bauernherbst schon seit dem Sommer auf Hochtouren: „Vor großen Auftritten trainieren wir bis zu zweimal die Woche“, erklärt Thomas Schaidreiter. Der 30-Jährige ist seit heuer Obmann des „Heimatvereins Kleinarl“ und folgt damit seinem Vater Alois nach, der diese Funktion dreißig Jahre lang innehatte. „Mit zehn Jahren hab ich mit dem Schuhplatteln angefangen. Das ist das übliche Einstiegsalter. Man muss schon ein bisschen ein Bursch sein, um die Mädchen beeindrucken zu können“, schmunzelt Thomas. Denn darum geht es bei dem „Werbetanz“, auch wenn dieser heutzutage eher ein Schautanz ist.


„Das Wichtigste beim Schuhplatteln ist die aufrechte, stolze Körperhaltung: Der Rücken muss gerade sein, die Brust heraus- und das Kinn hochge- streckt sein“, beschreibt der Volkstänzer. Außer während der tanzfreien Zeiten – im Advent und während der Fastenzeit – sind die Schuhplattler aus Kleinarl das ganze Jahr über auf vielen Veranstaltungen zu sehen. Die größten sind der Bauernherbst im Salzburgerland und die Kathreinfeste im November.


Männertanz mit Feingefühl

Das Platteln ist als Kulturgut bereits seit dem Jahr 1850 als Tanz der Jäger, Bauern und Holzfäller überliefert und schriftlich belegt. Von Anfang an war es ein reiner Männertanz. „Mit dem Schuhplatteln wollten unverheiratete Burschen den Mädchen imponieren“, erzählt Schaidreiter. Darum legen sich die Plattler bei ihren Tänzen auch ordentlich ins Zeug. Mit Schenkel- schlägen, Sprüngen und Sohlenklatschern sollen einerseits Stärke und Geschicklichkeit demonstriert werden, aber auch Feinfühligkeit. Denn es ist wichtig, im Einklang mit der Musik den richtigen Takt zu finden. Geplattelt wird zu Polka, Walzer oder „Boarischem“ und natürlich auch zu den speziell fürs Schuhplatteln komponierten „Plattlern“. Während die Männer schuhplatteln, drehen sich die Frauen auf der Tanzfläche um sich selbst im Kreis. „Im alpenländischen Raum gibt es keinen vergleichbaren Werbetanz, der von Frauen ausgeführt wird“, weiß Schaidreiter. Die Frauen seien einerseits „Zierde, aber auch Objekt der Begierde“, schmunzelt der Salzburger.


Frau fürs Leben gefunden

Im Dreivierteltakt springen und hüpfen die Plattler beispielsweise zur „Ambosspolka“ und schlagen sich dabei selbst auf Schenkel, Knie und Fußsohlen oder klatschen – paschen – in die Hände und stampfen mit den Füßen auf. Für jeden Tanz gibt es eine eigene Choreografie. Die Schrittfolgen und Tanzfiguren werden in Partituren aufgeschrieben. Jede Region und jeder Verein hat seinen eigenen Stil. Neben den rein männlich besetzten Schuhplattlern gibt es auch die Paartänze: „Wir sind zwischen 25 und 30 Leute im Verein. Bei den Paartänzen hat man zwar keinen fixen Partner, aber meist finden sich diejenigen zusammen, die gut zueinander passen“, beschreibt Schaidreiter. Mitunter kommt es dabei auch zur echten Paar-Bildung. Thomas Schaidreiter hat seine Frau fürs Leben schon gefunden. Sie ist Musiklehrerin und teilt seine Leidenschaft für die Volkskultur. Das gemeinsame Haus ist auch schon gebaut. Dem Glück steht also nichts mehr im Wege.

www.salzburgerland.com (Suchbegriff: Schuhplatteln)

Fotos: Picturedesk, Mauritius Images, volkstanzsalzburg.at

„Das Wichtigste beim Schuhplatteln ist die aufrechte, stolze Körperhaltung: Der Rücken muss gerade sein, die Brust heraus- und das Kinn hochgestreckt sein.“

Kraft und Feingefühl brauchts zum Schuhplatteln. Der Oberkörper darf niemals gebeugt werden, mindestens eine Hand ist immer rechtwinkelig angehoben. „Während des gesamten Plattlers soll darauf geachtet werden, die freie Hand immer nach oben abzuwinkeln, während die andere Hand den Schlag ausführt. Die Handflächen sollen ge- streckt und die Finger geschlossen sein.“

www.volkstanzsalzburg.at