Mei Weg

Was es heißt,

Kauffrau zu sein

Aloisia Pletzer (83) und Nicole Steinmetz (35) erzählen, wie sie Kauffrau wurden, worauf der Erfolg ihres Geschäfts beruht und wie sie Kraft schöpfen.

Text: Marcus Fischer, Martin Huber Foto: Sebastian Freiler, Martin Huber

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um Jubiläum haben wir zwei Kauffrauen gebeten, uns ihren Berufs- weg zu schildern. Die eine, Nicole Steinmetz, wurde im Jahr der

Gründung von Nah&Frisch geboren. Sie ist heute 35 und leitet seit zwei Jahren den Nahversorger in Kemeten (Bgld.). Die andere, Aloisia Pletzer (83), ist seit 60 Jahren Kauffrau in Stuhlfelden im Pinzgau (Sbg.). Gemeinsam mit ihrem Mann Ferdinand hat sie Ende der 1950er Jahre das Lebensmit- telgeschäft übernommen, das heute von Sohn Ferdinand und Schwieger- tochter Brigitte geführt wird. Zwei Generationen von Kauffrauen – wir wollten wissen, was der Beruf „Kauffrau“ für sie bedeutet.


Wie wurdet ihr eigentlich Kauffrau?

Aloisia: I bin auf einem Bauernhof aufgwachsn und wollt eigentlich immer Bäuerin werden. 1959 haben der Ferd und ich geheiratet. Da bin i aus dem Nachbarort Uttendorf hergezogen. ’S Gschäft hats schon länger geben, seit 1902. Da ist sogar noch a Maria-Theresien-Konzession drauf. Offiziell gführt hats damals die Schwiegermutter.

Nicole: Ich wollt eigentlich immer schon Kauffrau werden, also nach der Schule. So hab ich Einzelhandelskauffrau gelernt und 13 Jahre beim „Magnet“ in Oberwart gearbeitet. Wie der 2008 geschlossen hat, hab ich bei einer Handelskette gearbeitet, aber das war nichts für mich. Dann ist das erste Kind gekommen. Nach der Karenz hab ich gesucht – aber das war nicht leicht, etwas zu finden, wo ich Arbeit und Kind unter einen Hut bringen konnte.


Wie seid ihr zu eurem Geschäft gekommen?

Nicole: Das war ein Glück. Gleich um die Ecke von uns hat ein Spar-Markt zugesperrt, weil die Leiterin in Pension gegangen ist. Da hat der Ignaz, mein Lebensgefährte, mich gefragt, ob das nicht was für mich wär. Ich hab das am Anfang für einen Witz gehalten. Aber dann hab ichs mir durch den Kopf gehen lassen: Das Geschäft war in der Nähe und ich hab genau gewusst, ich wollte nie wieder in einem Supermarkt arbeiten, wo alles unpersönlich ist und dir nur angschafft wird. Ja und dann hab ich irgendwann gewusst: Ich machs!

Aloisia: Wir haben ja das Gschäft von der Schwiegermutter übernommen. Das waren sehr bescheidene Verhältnisse, grad einmal 50 m2 Fläche. Nicht einmal Fenster hats geben und gwohnt hamma oberhalb vom Gschäft. Mein Mann und ich haben nicht recht gwusst: Soll ma das tun oder nicht? I hab dann gsagt: Tan mas hoid, pock mas hoid!


Welche Schwierigkeiten hats am Anfang gegeben?

Aloisia: Wir hom nix ghobt, null! Vielen unserer Kunden is ähnlich gegangen. Sie mussten Monat für Monat aufschreiben lossn. Oft hob i die letzten Groschen zammkrotzt, damit wir die Waren überhaupt zahlen konnten. 1963 gabs dann den ersten kleinen Umbau, bei der Tausendjahr- feier von Stuhlfelden. Da hamma Fenster kriagt. 1966 is die Schwieger- mutter gstorben und der Ferd und ich haben ’s Gschäft gonz übernommen.

Nicole: Ich hab gesagt, wenn, dann müss ma ganz frisch anfangen und auch alles umbauen. Am Anfang wars natürlich schon stressig, aber mit der Zeit ist es immer besser gegangen. Auch mit den Kindern – die Mila ist jetzt 2 und der Nils 6. Da haben uns die Eltern und die Schwiegerleut sehr geholfen.


Wie hat sich euer Gschäft entwickelt?

Aloisia: 1970 hamma zum zweiten Mal umbaut und a Verkäuferin, die Renate, eingstellt. In den 70er und 80er Jahren kam da Aufschwung. Unsere Kunden konnten regelmäßig zahlen, zumindest einmal im Monat. Natürlich wars fest zum Orwitten (Anm.: Pinzgauer Ausdruck für Arbeiten), 15 oder 16 Stunden am Tag worn nid ungewöhnlich. Aber wir haben mit unseren 120 m2 so viel erwirtschaftet wie andere mit 200 m2.

Nicole: Alle da im Ort waren begeistert, dass ich das mach. Weil wir ja der einzige Nahversorger in Kemeten sind. Ich bin zwar vom Nachbarort, von Litzelsdorf, aber ich wohn schon seit 15 Jahren da und dadurch kennt man sich auch schon. Und da haben wir von Anfang an ein sehr persönliches Verhältnis gehabt, meine Kunden und ich.


Was ist für euch das Schönste an der Arbeit?

Aloisia: Mir gibt der tägliche Kontakt mit unseren Kundschaften immer no an Ontrieb, positive Rückmeldungen gfrein mi. Das Allerwichtigste für einen Betrieb wie unseren is und bleibt da Zusammenhalt in der Familie.

Nicole: Gerade bei den älteren Kunden spürt man oft die Dankbarkeit und die Freude, dass es uns gibt. Und das ist einfach schön, das gibt einem viel.


Was ist das Wichtigste für den Erfolg im Gschäft?

Aloisia: Freundlich und umsichtig sein, darauf kommts an. Wir sperren heute immer noch um halb sechs auf. Da kommen Arbeiter aus’m Ort, die holen sich a Jausn, bevor sie auf die Baustelle fahrn. Darauf muaß ma si einstellen.

Nicole: Bei uns ist auch in der Früh Stoßzeit, da sind wir voll im Einsatz, wenn sich die Pendler oder Lkw-Fahrer ihre Leberkässemmeln holen. Freundlichkeit ist bei uns auch selbstverständlich. Aber auch aufs Sortiment kommts an. Unsere Produkte aus’m Dorf, die unterscheiden uns von den großen Märkten. Vor allem das Fleisch vom Stefri, dem Fleischhacker im Ort, da arbeitet auch mein Lebensgefährte. Der hat auch so Spezialitäten wie Käsekrainer vom Zickenthaler Moorochsen, die sind super! Da können die ganzen Fabrikswürstel einpacken!


Was gibt euch persönlich Energie?

Nicole: Die Familie: mein Lebensgefährte, die Kinder, die Eltern und Schwiegerleut, wenns da sind oder Kinderdienst machen, das ist schon eine große Erleichterung.

Aloisia: Natürlich die Familie. Aber auch die Landwirtschaft. Zu unserer Hochzeit 1959 hab i von meinem Vater und von meiner Großmutter a Kuh kriagt. Zum Pletzer in Stuhlfelden gehörten drei Felder, die aber damals verpachtet waren. Eins davon hamma dann bewirtschaftet. Unser Bua Ferdinand hat später an Stall baut, und jetzt hamma sieben Kühe und acht Stück Jungvieh. Und bevor i ins Gschäft komm, geh i natürlich in den Stall. Und helf mit, jeden Tag. Das ist für mich der Kontakt zur Natur. Genauso wie beim Wandern in den Bergen.

Aloisia Pletzer (83)

„Dann hab ich gewusst:

Ich machs!“

„Natürlich wars fest zum Orwitten, 15 oder 16 Stunden am Tag worn nid ungewöhnlich.“

Nicole Steinmetz (35)

„Ich hab gsagt: Wenn, dann fang ma ganz frisch an!“

Hand aufs Herz

Aloisia Pletzer & Nicole Steinmetz


Das Schönste an meinem Beruf ist …

Aloisia: ... der persönliche Kontakt mit unseren Kunden.

Nicole: ... meine Kunden zufrieden zu machen und dafür Lob und Anerkennung zu bekommen.

Manchmal fällt es mir im Beruf schwer …

Aloisia: Dazu kann ich nichts sagen, die wirklich schweren Zeiten sind lange her.

Nicole: ... wenn ich meine Kinder abgebe.

Wenn mir alles zu viel wird …

Aloisia: ... tanke ich Kraft beim Wandern in den Bergen.

Nicole: Mir wirds eigentlich nie zu viel.

Am meisten an Menschen schätze ich …

Aloisia & Nicole: Ehrlichkeit.

Am meisten an Menschen stört mich…

Aloisia: Verlogenheit.

Nicole: Ungerechtigkeit.

Als Kind wollte ich …

Aloisia: Bäuerin werden.

Nicole: Friseurin werden.

Ein Mensch, den ich oft bewundert habe, ist …

Aloisia: ... mein Mann Ferdinand, vor allem als Musiker.

Nicole: Ich bewundere uns manchmal, dass wir – mein Partner, die Familie und ich – das gemeinsam geschafft haben, vor allem auch mit den Kindern, die Kleine war ja bei der Eröffnung erst zwei Monate.

Meine Familie ist für mich …

Aloisia & Nicole: ... das Allerwichtigste.

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