Frühlingsbräuche

Mit Fahne und

Kugel in den Frühling

Der Frühling wird österreichweit mit zahlreichen Bräuchen und Riten

begrüßt. In Kärnten steht das Kugelschlagen auf dem Programm

und im burgenländischen Neckenmarkt schwingen

junge Männer prächtige Fahnen.


Text: Ute Fuith

NECKENMARKTER FAHNENSCHWINGEN

Die Tradition des Fahnenschwingens im burgenländischen Neckenmarkt ist eng verknüpft mit der Geschichte der Familie Esterházy. Mithilfe der Neckenmarkter Bauernmilizen gelang es Graf Nikolaus Esterházy im 30- jährigen Krieg in der Schlacht von Lackenbach (1620), einen Angriff un- garischer und böhmischer Aufständischer abzuwehren. „Zum Dank für ihren Einsatz erhielten die Bauern Land, Privilegien und die prächtige Fahne mit dem Wappen der Esterházys“, erzählt Georg Schubaschitz. Der Neckenmarkter Amtsleiter hat sich eingehend mit der Geschichte des Fahnenschwingens beschäftigt. „Neben der Fahne durften die Necken- markter auch Uniformen tragen, was damals als hohe Auszeichnung galt“, sagt Schubaschitz.


Die letzten Hajduken-Uniformen

Lediglich 12 Stück der sogenannten Hajduken-Uniform sind bis heute erhalten. Getragen werden sie von den auf ein Jahr gewählten Fahnen- schwingern. Die Uniformen bestehen aus einer schwarzen Stiefelhose, ho- hen schwarzen Stiefeln und einer kurzen dunkelblauen Jacke. Eine flache braune Pelzmütze dient als Kopfbedeckung. Organisiert wird das Fahnen- schwingen von der Neckenmarkter Burschenschaft. „Das ist aber keine studentische oder gar politische Vereinigung, sondern setzt sich lediglich aus den jungen, unverheirateten Männern des Ortes zusammen“, be- schreibt der Amtsleiter.


Höhepunkt am Umgangssonntag

Das Fahnenschwingen findet das ganze Jahr über zu verschiedenen festli- chen Anlässen wie dem Besuch des Bischofs oder dergleichen statt. Der glanzvolle Höhepunkt ist aber das Fahnenschwingen am Umgangssonn- tag, dem Sonntag nach Fronleichnam. Der Ablauf ist streng reglemen- tiert. Am Samstag treffen sich die Burschen zeitig in der Früh und holen den Burschbaum aus dem Wald, der bis zum Abend auf dem Schwana- platz vor dem Gemeindeamt aufgestellt wird. Der Baum ist ein Symbol für die Zeit des Kirtags und bleibt sechs bis acht Wochen stehen. Das Burschbaum-Aufstellen selbst gilt als gefährliches Unterfangen, bei dem die jungen Männer lediglich mit Holzstangen einen rund 37 Meter hohen Baum aufrichten.


Fähnrichmädchen und Fähnrich

Zwei Frauen spielen beim Fahnenschwingen eine wichtige Rolle: das Fähnrichmädchen und die Fahnenmutter. Während Erstere die Freundin des Fähnrichs ist, die Blumen und Maschen für die Fahne besorgt, schmückt die Fahnenmutter damit die Fahne. Am Samstag vor dem Fest- tag wird die Fahne vom Fähnrichmädchen abgeholt. Sobald sie übergeben worden ist, schwingt sie der Fähnrich das erste Mal zu Ehren des Fähn- richmädchens – dreimal nach rechts und dreimal nach links. Anschlie- ßend marschieren die Vorgesetzten mit der Fahne zurück zum Burschen- gasthaus. Dann folgt der Abmarsch zur Kirche.


Der Fahnenzug

„Vorne weg geht die Musikkapelle, gefolgt vom Kommandanten, dem Fähnrich, den Vorgesetzten und der gesamten Burschenschaft“, erklärt Thomas Beisteiner. Er hat im Vorjahr als Fähnrich die Fahne geschwun- gen. Gewählt wird der Fähnrich für jeweils ein Jahr. Während dieser Zeit repräsentiert er auch die Burschenschaft. „Während des Festzugs wird nach jedem Musikstück haltgemacht, um die Fahne zu schwingen. Das erfordert auch einiges an Kraft“, erklärt Beisteiner. Weitere Stationen zum Fahnenschwingen sind die Kirche, das Gemeindeamt und schließlich das Wirtshaus.


Blumengewehre

Obwohl eine gewonnene Schlacht den Ursprung des Brauchs darstellt, hat sich das Fahnenschwingen zu einem pazifistischen Ritual gewandelt. Das zeigt sich auch darin, dass die Burschen Gewehre aus Holz tragen, in de- ren Mündungen Blumen stecken. Nach dem Umzug wird die Fahne zu- rück in die Kirche gebracht. Danach ziehen die Burschen ihre Uniformen aus und es geht mit dem Kirtagstanz weiter.


KUGELSCHLAGEN IM GURKTAL

In Zweinitz, einer kleinen Ortschaft im Kärntner Gurktal, lernen die Kin- der von klein auf ein ganz besonderes Spiel: das Kugelschlagen. Der uralte Brauch wird jedes Jahr am Ostersonntag begangen. „Dabei handelt es sich um eine ursprüngliche Form des Golfs, die angeblich auf die Kelten zu- rückgeht“, erklärt Roland Köstenberger, Obmann des Kugelschlagvereins Zweinitz.


Als Schläger dient der „Kolm“. „Dieser besteht aus einem Stiel, der aus ei- nem sogenannten Unterstandler – einem alten, aber kleinen Fichten- bäumchen – hergestellt wird“, erklärt der Obmann. An diesem Stamm wird ein circa 20 mal 6 mal 8 cm großes Hartholzstück als Kolben befes- tigt. Das Gegenstück dazu ist eine Kugel, die aus einem Wurzelstock ge- drechselt wird.


Zwischen Golf und Baseball

Beim Spiel wird die Kugel in die Luft geworfen, wo sie auch getroffen wer- den muss. Das ist die eigentliche Herausforderung des „Keltengolfs“. Auf der zwischen sechs und acht Kilometer langen Turnierstrecke kämpfen die Gruppen, die aus je vier Personen bestehen, immer zwei gegen zwei gegen Schlechtpunkte, die „Mulle“ genannt werden.


Eine Mulle geht an denjenigen, der die Kugel nicht so weit wie der Geg- ner schlagen kann. Schlechtpunkte gibt es auch, wenn ein Spieler die Ku- gel dreimal nicht trifft oder sie über einen Zaun schießt. Bis vor 25 Jahren führte die Spielstrecke vom Ortsrand in Zweinitz in die Dorfmitte, jetzt ist die Spielrichtung umgekehrt: „Wir spielen von der Ortstafel weg zum Bauernhof der Familie Lerchbaumer. Dort gibt es dann eine Osterjause und ein musikalisches Rahmenprogramm“, erklärt der Obmann. Aber auch auf dem Weg dorthin erwarten zahlreiche „Labstationen“ die Besucher.


Sieg mit den wenigsten Mullen

Bei der Endstation wird dann das Siegerteam des Turniers bestimmt. Ge- wonnen hat derjenige, der die wenigsten Mullen hat. Oder diejenige, denn es gibt auch Frauenmannschaften. „Bei uns steht nicht das Gewin- nen, sondern das Mitmachen und der Spaß am Spiel im Vordergrund. Preise für den Sieg gibt es eigentlich nicht. Meistens ist es so, dass die Ver- lierer den Gewinnern Getränke zahlen“, erklärt Köstenberger. Organisiert wird das Kugelschlagen in Zweinitz vom örtlichen Kugelschlagverein, der über 180 Mitglieder zählt. Die Feierlichkeiten nach Abschluss des Tur- niers dauern oft bis in die späten Nachtstunden.

Zum Dank für ihren Einsatz in der Schlacht erhielten die Bauern Land, Privilegien und die prächtige Fahne.

Fotos: Picturedesk, Manfred Horvath

KUGELSCHLAGEN IM GURKTAL


Aufs Holz kommts an:

Der Schläger (Kolm) und die Kugel werden aus ganz speziellen Hölzern gefertigt. Der Stiel des Kolms wird aus einem sogenannten Unter- standler, einem alten, aber kleingewachsenen Fichtenbäumchen, hergestellt.


Daran wird ein circa

20 x 6 x 8 cm großes

Hartholzstück als Kolben

befestigt. Die Kugel wird

eigens aus einem Wurzelstock

gedrechselt.

ADRESSEN


Fahnenschwingen Neckenmarkt

www.neckenmarkt.net


Kugelschlagen Zweinitz

www.kaernten-mitte.at