Mei Weg

Einer für alle

Gebhard Baumann führt sein Geschäft in Kohfidisch (Bgld.) in vierter Generation. Sein Erfolg beruht auf vielen Faktoren.

Text: Marcus Fischer Foto: Sebastian Freiler

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en Kaufmann hab ich im Erbgut. Das ist mein Gendefekt“, witzelt Gebhard Baumann, als er uns in seiner Kaffee-Ecke eine Melange

serviert. „Im Juni haben wir da im Geschäft 120-jähriges Jubiläum gefeiert“, erzählt er und zeigt auf seine Firmenchronik. Schon der Urgroßvater hatte im Hinterzimmer seiner Wohnung eine Greißlerei, 1927 wurde dann der heutige Standort in Kohfidisch, 20 km südlich von Oberwart, bezogen.


„Spezial-Schartner“ als Service

Gebhard selbst ist praktisch im Geschäft aufgewachsen. Dass er im Handel bleiben würde, war für ihn von Anfang an klar. Nach der HAK in Ober- wart ist er erst einmal zum Bundesheer gegangen und hat dort sechs Monate in der Kantine gearbeitet. „Das war eine Gaudi. Da haben wir manchmal die Schartner Bombe und das Bier umetikettiert. Die Flaschen haben damals genau gleich ausgeschaut. Und wenn die Kameraden am Abend ein Bier haben wollten, gabs das eben mit Schartner-Bombe-Etikett, damits keiner merkt. Das war unser Service“, lacht der Kaufmann.


Lehrjahre im Großhandel

Danach folgte ein Praktikum beim Großhandelshaus Kastner in Jenners- dorf. „Da hab ich alles kennengelernt – vom Gabelstaplerfahren bis zum Gastro-Vertrieb.“ Um viele Erfahrungen reicher ist Gebhard 1989 zurück ins elterliche Geschäft und hat beim Ausbau mitgeholfen. Damals wurde die Verkaufsfläche auf 300 m2 verdoppelt. „Das war noch eine ganz andere Zeit – wir haben vier Lebensmittelgeschäfte im Ort gehabt, die haben mit der Zeit alle zugesperrt. Und Supermärkte hats noch gar keine gegeben.“


„Ein bissl anders sein“

„Heute musst dich klar unterscheiden und den Kunden was Besonderes bieten. Wir liefern z. B. unsere Partyplatten auf großen Holzbretteln, nicht auf billigen Plastiktassen, die dann in den Mistkübel wandern. Das kommt irrsinnig gut an. Die hab ich mir extra beim Sägewerk anfertigen lassen. Und schon bist wieder ein bissl anders – darauf kommts an“, erzählt Gebhard. Außerdem sei der gesamte „Convenience“-Bereich enorm wichtig geworden. „Drum gibts bei uns täglich frischen Kümmel- braten – der geht sehr gut, auch unsere Pizzas, bei denen sich unsere Kunden ihren Belag aussuchen können.“


Aktiv für die Vereine

„Der Ort und die Vereine – die sind unser Rückgrat, das muss man auch einfach einmal sagen. Vom Sportverein bis zur Freiwilligen Feuerwehr sind wir dabei und beliefern die Festln. Da ist es völlig klar, dass du dann auch hinkommst und dich sehen lässt. Außerdem bin ich selber seit 36 Jahren aktiv bei der Feuerwehr. Und zwar wirklich aktiv. Da kann das Geschäft voll sein, wenn ein Einsatz ist, ist der Gebhard fort und steht schon bereit in voller Montur“, schildert der Kaufmann.


Institution im Ort

Unternehmerische Sorgfalt, gepaart mit Einsatzfreude und Erfahrung – kein Wunder, dass sich der Feuerwehrausstatter Rosenbauer vor einigen Jahren für Gebhard Baumann entschieden hat, als er eine Filiale im Burgenland eröffnen wollte. Seither führt der Kaufmann in einem eigenen Verkaufsraum alles, was Feuerwehrleute zur Arbeit brauchen: vom feuer- festen Schuhwerk bis zur klassischen braunen Ausgehuniform. „Du bist a richtige Institution im Ort“, habe ihm kürzlich ein Kunde gesagt. „Und das“, lächelt der Kaufmann, „freut einen dann schon sehr.“

„,Du bist eine

Institution im Ort‘, hat mir kürzlich ein Kunde gesagt. Das freut einen dann schon sehr.“

Hand aufs Herz

Gebhard Baumann


Als Kind wollte ich ... Feuerwehrmann werden.

Am meisten schätze ich ... Ehrlichkeit.

Am meisten stört mich … Unpünktlichkeit.

Das Schönste an meinem Beruf ... ist der Kontakt mit den Kunden, die Vielfältigkeit und die Bestätigung, die man bekommt.

Manchmal fällt es mir schwer, … voll motiviert um halb 5 in den Tag zu starten.

Wenn mir alles zu viel wird, … geh ich Rasen mähen. (lacht)

Menschen, die ich bewundere, … sind meine Eltern. Weil die das alles geschaffen haben, was ich jetzt weitermache.