Unterwegs in der Region

Wettlauf im Weiß

Jedes Jahr im März wird der Talschluss des Gasteinertals zum Eldorado für Schlittenhundesportler. Ein Besuch beim traditionellen Schlittenhunderennen in Sportgastein mit den Nah&Frisch Kauffrauen Tanja und Burgi Lercher.

Text & Fotos: Martin Huber

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ine rote Linie im strahlend weißen Schnee von Sportgastein. Dahinter steht ein Mann auf einem Schlitten. Sein Blick konzentriert sich auf den

neben ihm stehenden Starter. Vor der Linie veranstalten sechs Hunde ihr ganz persönliches Konzert – eine einzigartige Mischung aus Jaulen und Bellen, ge- paart mit dem einen oder anderen Versuch, den Schlitten in Bewegung zu setzen. Man spürt förmlich: Diese Hunde wollen laufen. Jetzt! „Fünf, vier, drei, zwo, eins – los!“ Der Mann auf dem Schlitten löst die Bremse, die Hunde sprinten los. Im Nu erreicht das Gespann eine beträchtliche Geschwindigkeit. Begleitet von vielen „Auf gehts!“, „Hopp-hopp“, „Heja“, „Bravo“ und anderen Zurufen aus den Reihen der Zuschauer gehen die Schlittenhunde und ihr Musher – so wird der Schlittenhundeführer genannt – ins Rennen. „Unglaublich, wie die losziagn – hobts des gsehn?“ Nah&Frisch-Kauffrau Tanja Lercher aus Sankt Veit im Pongau steht mit ihrer Familie begeistert am Streckenrand – begleitet von ihrer Schwägerin Burgi und deren Familie.


Die Kommandos: „Dschi“ und „Ho“

Schon bald nach dem Start führt die Strecke in Sportgastein nach rechts. Könnte man das nicht sehen, würde man es hören – ein lautes „Dschi“ gibt jeder Musher vor der Abbiegung von sich. „Dschi“ (vom Englischen „gee“) ist das internationale Kommando für rechts. Sollen die Hunde nach links laufen, ruft der Musher „Ho“ (englisch „haw“). Hundeschlitten werden also in erster Linie mit der Stimme gelenkt. „Dschi“ und „Ho“ ertönen schon seit zwei Jahrzehnten im Naturparadies Sportgastein. So lange werden dort bereits Schlittenhunde- rennen ausgetragen. Für die Teilnehmer sind sie ebenso zu einer liebgewonnenen Tradition geworden wie für die Gasteiner selbst. Veranstalterin Manuela Petutschnig-Gruber aus Dorfgastein erzählt: „Unser Rennen hier findet immer gegen Ende des Winters statt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Weltmeisterschaft bereits vorbei. Für die Teilnehmer ist es eine Art Saisonabschluss. Man merkt: Der Wettkampfstress hat nachgelassen, alle sind schon relativ locker. Es geht im Stakeout – so wird unser Fahrerlager genannt – um einiges gemütlicher zu als bei anderen Rennen. Was mich persönlich sehr freut, ist die Zusammenarbeit im Ort. Viele Menschen und Organisationen bringen sich ein, helfen mit und tragen dazu bei, dass sich das Sportgasteiner Schlittenhunderennen einen ausgezeichneten Ruf in der Szene erarbeitet hat.“


Fleischsuppe als Ansporn

Gespann für Gespann nimmt im Minutentakt das Rennen in Angriff. Tanja und Burgi Lercher werfen inzwischen mit Veranstalterin Manuela einen Blick hinter die Kulissen. Im Stakeout werden die Hunde gerade mit ausreichend Flüssigkeit versorgt. Manuela, die gemeinsam mit ihrer Familie 18 Siberian Huskys besitzt, erklärt: „Vor einem Rennen gilt für die Hunde das Gleiche wie für Menschen beim Ausdauersport: Trinken ist ganz wichtig, um im Wettkampf nicht zu dehydrieren. Wasser alleine ist meist wenig motivierend für die Tiere. Jeder Musher vertraut da auf seine eigene Methode. Sie stehen aber zum Beispiel auf Fleischsuppe oder auf Wasser, in das wertvolle Inhaltsstoffe in Pulverform eingerührt wurde.“ Manuela zeigt den Lerchers einen Hundeschlitten. Zwei ihrer Huskys sehen vorerst neugierig zu. Geduldig lassen sich sich anleinen und posieren für ein Foto vor dem Schlitten, in dem einer von Burgis Zwillingssöhnen Platz genommen hat. Zur Belohnung gibts von Burgi und ihren beiden Kindern Leckerlis. Währenddessen hat Tanja mit einem anderen Husky von Manuela Freundschaft geschlossen. Er versucht an ihrem Ohr zu schnuppern. Das entlockt ihr ein Lächeln: „Wir haben selbst einen Appenzeller dahoam, i bin Hunde gwohnt.“


Athletische Kraftpakete: die „Hounds“

Während sich die Kauffrauen und ihre Familien mit Manuela im Stakeout umsehen, geht es auf der Strecke ordentlich zur Sache. Rund 100 Teilnehmer messen sich in verschiedenen Klassen. Deren Einteilung orientiert sich zum einen an der Anzahl der ziehenden Hunde. Sie beginnt beim einzelnen Hund, hinter dem ein Langläufer skatet (= Skijöring), und endet in der offenen Klasse (neun oder mehr Hunde ziehen einen Schlitten). Zweites Kriterium für die Klasseneinteilung ist die Hunderasse, die mit den Zahlen eins bis drei kategorisiert wird. Eins steht für Siberian Husky, zwei für Samojede, Alaskan Malamute oder Grönlandhund und drei für alle anderen Rassen.


Besonders rasant unterwegs sind Gespanne, die von sogenannten „Hounds“ gezogen werden. Das sind Europäische Schlittenhunde, German Trail Hounds oder Skandinavische Hounds mit großem, athletischem Körperbau. Im Vergleich zu Huskys fällt ihr kurzes Fell auf. Jedoch hält eine dichte Unterwolle unter dem Deckhaar die Tiere bei Kälte warm.


2020 gehts weiter!

Gespann für Gespann überquert die Ziellinie und kehrt ins Stakeout zurück. Dort sind Tanja, Burgi und ihre Familien nach wie vor mit den Huskys von Manuela beschäftigt. Die Kinder haben sich offensichtlich in die Hunde verliebt. Interessiert beobachten sie, wie die Tiere langsam zur Ruhe kommen und die eine oder andere Belohnung erhalten. Neben Flüssigkeit gibts – je nach Vorliebe – Lachs, Fleisch, Huhn oder auch Trockenfutter. Begeistert verlassen die Familien das Stakeout und bedanken sich für die spannenden Erfahrungen. Die Schlittenhunde-Expertin freuts: „Ich darf euch herzlich zum nächsten Rennen einladen: Am

29. Februar und 1. März 2020 trifft sich die große Schlittenhundefamilie zum 21. Mal in Sportgastein.“ www.gasteinertal.com

Das Laufen liegt Schlittenhunden im Blut. Vor dem Start heulen sie vor Freude, sobald sie losgelassen werden, „fliegen“ sie über den Schnee, so schnell sie ihre Pfoten tragen.







Nah&Frisch Kauffrau Tanja Lercher liebt Hunde und schließt rasch Freundschaft mit einem Siberian Husky von Veranstalterin Manuela Petutschnig-Gruber.

„Wasser alleine ist vor dem Start meist

wenig motivierend für die Tiere. Sie stehen aber z. B. auf Fleischsuppe.“

Besonders in schnellen Streckenabschnitten machen sich die Musher (Schlittenhundeführer) ganz klein, um möglichst wenig Luftwiderstand zu bieten und die Geschwindigkeit hoch zu halten, während sich die Hunde – hier: europäische „Hounds“ – ins Zeug legen.



SIBERIAN HUSKY

ALASKAN MALAMUTE

GRÖNLANDHUND

Die wohl bekannteste Schlittenhunderasse. Wie der Name schon sagt, stammt der Siberian Husky ursprünglich aus Sibirien, wo er über einen Zeitraum von fast 2.000 Jahren praktisch in Reinzucht gehalten wurde. Nach Alaska gelangte er erst Anfang des 19. Jahrhunderts, 1930 wurde er in den USA als Rasse anerkannt. Der Siberian Husky zeigt großen Arbeitseifer und verhält sich Menschen gegenüber sanftmütig und aufgeschlossen.

Er verdankt seinen Namen dem Inuitstamm der Malamuts und gilt als geselliger, aber oft eigensinniger Hund. Da er für das Ziehen von Lasten gezüchtet wurde, ist er der größte und stärkste unter den Schlittenhunderassen.

Von den Inuit wurde er über Jahrhunderte als Transport- und Jagdhund eingesetzt. Der Grönlandhund ist kräftig, beharrlich, mutig und verfügt über einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Fremden Artgenossen gegenüber verhält er sich äußerst territorial.

Foto Samojede: 123rf

SAMOJEDE

„Ein Schlittenhunderennen ist ein echtes Erlebnis. Drum haben wir uns das Sportgasteiner Rennen schon im 2020er- Kalender eingetragen!“

Tanja und Burgi Lercher, Markt 18, 5621 St. Veit im Pongau, Sbg.

Seinen Namen verdankt er dem sibirischen Volk der Samojeden. Optisch kennzeichnen ihn ein üppiges weißes Fell und ein charakteristisches „Lächeln“. Samojeden sind ausdauernd, anpassungsfähig und gesellig, weshalb sie sich auch als Haushund eignen.

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.riomare.at