Mei Wirtshaus

Des Kaisers

diskretes Stüberl

Das Maxingstüberl existiert seit 1805. Jahrelang im Dornröschenschlaf wurde es 2019 von zwei

Stammgästen wachgeküsst.


Text: Marko Locatin Fotos: Sebastian Freiler



Alte Schule: Zum Einstand im Stüberl hat Walter von einem

befreundeten Wirt den Kochbuchklassiker aus dem Jahre 1897

geschenkt bekommen.










D

ichte Rindsuppe, mollige Sauce und ein wenig frisch geschnittener Zwiebel – der Duft von Großmutters Küche liegt hier in der Luft. Das „Maxing“ –

alte Schank, dunkler Boden, dunkle Holzvertäfelung, traditionelle Kronländer- Küche – gilt als Institution in Wien. Generationen feierten Familienfeste an diesem kulinarischen Kraftort. Seit Ende 2019 betreiben die Brüder Walter und Werner Wendt das zuvor in Turbulenzen geratene Stüberl. Wir nehmen Platz.


Prominente Gäste

„Ihr wissts eh, dass das hier die Loge des Kaisers war?“, fragt Walter Wendt ver- schmitzt. „Kaiser Franz Joseph hat sich hier mit der Schauspielerin Katharina Schratt getroffen.“ Auch Johann Strauß, Oscar Bronner und Helmut Qualtinger sowie viele andere Prominente kamen gerne – und gingen spät. Stefan Zweig, erzählt man, sei zeitweise zwei Mal pro Tag aufgetaucht: mittags mit der Geliebten, abends mit der Gattin.


Stammgast wird Wirt

Vergangenes Jahr, das Maxing stand vor dem Aus, fasste sich der ältere Bruder Werner, seines Zeichens Anwalt, ein Herz, übernahm die Geschäftsführung, re- novierte sanft und modernisierte die Küche. „Wir wollten das Lokal eigentlich mit Gastro-Profis weiterführen, aber dann kam plötzlich mein Bruder ins Spiel“, lacht Werner. Ja, er wollte eigentlich immer schon sein eigener Chef sein, erzählt Walter, lange in der Automobilbranche für den Aufbau der Marke Lexus zu- ständig. „In der Jugend haben wir hier oft eine lustige Zeit gehabt, und jetzt sind wir plötzlich ein Familienbetrieb.“


Küchenklassiker anno 1897

Zur dieser „Maxing-Familie“ gehört neben Köchin Vesna auch Mutter Eva Wendt, „die Qualitätsbeauftragte“. Fachfrau Eva, Absolventin des „Nockerl- gymnasiums“, verkostet und beurteilt jedes Gericht. Apropos Qualität: „Wir kochen natürlich alles mit frischen Zutaten. Und weggeschmissen wird auch nichts“, meint Walter. „Lieber sag ich, dass eine Speise einmal aus ist. Wenn man das dem Gast ehrlich erklärt, wird das auch positiv angenommen.“ Ge- kocht wird nach alten Rezepten, oft dem Klassiker „Die Österreichische Küche“ (1897) von Marie von Rokitansky-Weis entnommen.


Raritäten wiederentdeckt

„Bei uns findet man Dinge, die heutzutage selten auf den Speisekarten stehen“, sagt Werner. „Zum Beispiel Wiener Backfleisch, das wie Tafelspitz gekocht, dann in Scheiben geschnitten, mit Senf und Kren eingerieben und wie Schnitzel herausgebacken wird“, ergänzt Walter. Die Rindsrouladen, soeben von Vesna serviert, werden auf böhmische Art mit Sauerrahm in der Sauce zubereitet. Zum Dessert steht stets Saisonales auf der Karte, derzeit Zwetschkenknödel und Tarte Tatin, als krönenden Abschluss empfiehlt die Köchin Kaiser- schmarrn. Wir genießen und wandeln am Ende einen Ausspruch des Kaisers selig ab: „Es war sehr, sehr fein, es hat uns sehr gefreut!“


Maxingstüberl, Maxingstraße 7, 1130 Wien

Tel.: 0676 41 26 126, www.maxingstuberl.at

Viele berühmte Gäste bewirtete das Maxingstüberl schon – von Kaiser Franz Jospeh bis zum Qualtinger. Ob sie sich hier auch an Rindsrouladen erfreuten, ist leider nicht überliefert.




Foto Chefredakteur: Christian Fischer

{MEI TIPP}

„Ich finds toll, dass sich im Maxingst- überl so wenig verändert hat. Hier haben wir schon vor Jahrzehnten fein gegessen und getrunken. Schön, dass es jetzt in so guten Händen liegt!“

Marcus Fischer,

Chefredakteur Griaß di

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.oesterreichwein.at