Mei Weg

Gemeinsam stark

Elisabeth und Harald Linsbauer erzählen von ihrem Traum und wie er sich – nach einem Zwischenspiel in Wien – im Waldviertel erfüllt hat.

Text: Marko Locatin Foto: Sebastian Freiler

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ie Linsbauers sind ein harmonisches Paar. Sie, impulsiv, stets voll Energie und Tatendrang – er, ein Ruhe- und Kraftpol, der auch

gerne alleine nachts in der Bäckerei werkt. Im Gespräch ergänzen sie einander perfekt, Elisabeth antwortet meist schnell und ausführlich, Harald lässt sich Zeit und ergänzt bei Bedarf. Entscheidungen werden immer gemeinsam gefällt, betonen beide.


Jugendliebe

„Er war Fahrer und i hab Brot bei ihm kauft, da war i 15 oder so“ erzählt die heute 49-Jährige vergnügt vom ersten Kennenlernen. „Dann ham wir uns in den Discos der Umgebung öfters gsehen. So sind wir zammkommen.“ Eine gemeinsame Umgebung, die verbindet. Elisabeth nämlich stammt aus Dallein im Bezirk Geras, der drei Jahre ältere Harald aus dem nahen Heinrichtsreith. „Wenn ma jung is, will ma natürlich auch weg“, erklärt Harald und so landeten die frisch verliebten Waldviertler zur Ausbildung in Wien.


Lehre in Wien

Elisabeth ging voraus, nahm sich eine kleine Wohnung, bekam eine Lehr- stelle als Friseuse im 19. Bezirk, Harald zog ein Jahr später nach Wien, absolvierte seine Ausbildung zum Bäckermeister und arbeitete unter anderem bei Manner und Anker. Das junge Ehepaar – sie heirateten 1990 – hatte jedoch einen größeren Traum: sie wollten etwas Eigenes machen. Die Friseurmeisterin einen Friseursalon, der Bäckermeister eine Bäckerei. „Wir waren naiv“, sagt Harald und lacht. Und sie wollten Kinder, „aber nicht in Wien, denn unsere Familien waren ja im Waldviertel und eine große Wohnung in Wien war schwer zu finanzieren“, so Elisabeth.


Bäckerei in Drosendorf

Im Jahre 1992 erblickte Erstgeborener Christopher das Licht der Welt, kurz darauf zog es die Eltern wieder in die Heimat, nach Drosendorf nämlich, wo sie im Templerhaus ihre eigene Bäckerei eröffneten. Ein voller Erfolg, wie Harald noch heute ein wenig erstaunt erzählt. „Das mit der Bäckerei hat eingschlagen, is immer mehr worden.“ Als 1995 der Nahver- sorger hier zusperrte, beschlossen die Linsbauers das Nah&Frisch Geschäft zu übernehmen, um das sich Elisabeth künftig kümmern sollte.


Elan der Jugend

„Na, die Selbstständigkeit hat uns gar ka Angst gmacht. Mit dem Wissen von heute allerdings wärs was anderes. Als a Junger haben wir den Elan gehabt“, erzählt Harald. „Und sie (dabei schaut er Elisabeth liebevoll an) hat so a Power dahinter. Wann die was anfangt, gehts dahin.“ Power ist untertrieben, denn Elisabeth hat nicht nur so nebenbei noch den zweiten Sohn Thomas und einige Jahre später die Zwillinge Lisa und Sarah auf die Welt gebracht, sie steht auch von früh bis spät im Geschäft.


Gemeinsam entscheiden

Die Arbeitsteilung jedenfalls funktioniert perfekt, Entscheidungen werden immer „ausgredt“, also gemeinsam getroffen. „Viele sagen, wenn ma 24 Stunden beinand is, ist das ein Beziehungskiller. Bei uns is des net so. Wenn er fünf Minuten später kommt, ruf ich ihn schon an“, lacht Elisabeth und Harald Linsbauer nickt. Kein Wunder, dass es bei den Linsbauers nicht nur privat gut läuft, sondern auch im Geschäft – bei so viel Harmonie.

Das Schönste an meinem Beruf ist, die Kunden glücklich zu machen.

Elisabeth Linsbauer

Hand aufs Herz

Elisabeth und Harald Linsbauer


Als Kind wollte ich … Fußballer (er); Krankenschwester (sie) werden.

Am meisten schätze ich ... meine Frau (er); meinen Mann (sie).

Am meisten stört mich ... die Bürokratie (er); das sag ich auch (sie)!

Das Schönste an meinem Beruf ist ... in der Nacht alleine in der Bäckerei zu stehen (er); die Kunden glücklich zu machen (sie).

Manchmal fällt es mir schwer ... aufzustehen (er); mir auch (sie).

Wenn mir alles zu viel wird, ... bin i früher laufen gangen – da- mit sollt ich wieder anfangen (lacht) (er); red i mit meinem Mann (sie).

Ein Mensch, den ich bewundere ... meine Frau (er); meinen Mann (sie).