Unterwegs in der Region

Wandern durchs

Winter-Wunderland

Bergführer Heli Rettensteiner begleitet Kaufmann Walter Ehgartner auf dessen erster Schneeschuhwanderung. In den Schladminger Tauern erleben die beiden einen unvergesslichen Wintertag.

Text & Fotos: Martin Huber

Bergführer Heli Rettensteiner und Kaufmann Walter Ehgartner genießen oberhalb der Nebelgrenze einen strahlend schönen Wintertag.

Das beeindruckende Bergpanorama der Schladminger Tauern. In der Mitte der Hochgolling, der mit 2.862 m höchste Gipfel der Bergkette.


R

iachn tut sie nach nix. Aber wennst an Tee draus mochst, der wird so richtig hantig. Angeblich hilft er gegen Huastn und Heiserkeit. Außerdem

solln die Flechtn entzündungshemmend wirken“, erklärt Bergführer Heli Retten- steiner, während er ein Büschel Bartflechte von einem Lärchenast zupft. „Am besten wochst sie, wo’s kühl und feucht is. Und die Luft muaß absolut rein sein. Do, knopp oberhalb vom Hüttecksattel, ists ideal für die Flechtn. Drum san a die Lärchen richtig überwuchert und bummvoll damit.“


Von Grau zu Blau

Seit den frühen Morgenstunden sind Heli Rettensteiner und Walter Ehgartner unterwegs. Grau in Grau hatte der Tag im Tal begonnen. So trüb und grieselig war es unten, dass sie sogar überlegt hatten, die Tour zu verschieben. Die Gondel der Gipfelbahn brachte sie von Rohrmoos auf die Hochwurzen. Und dann, keine 50 Höhenmeter unterhalb der Bergstation, verwandelte sich das nebelige Grau in ein leuchtendes Blau. Wolkenloser Himmel – strahlender Sonnenschein inklusive!


Märchenhafter Lärchenwald

Rasch haben sie sich von der Liftstation entfernt und stapfen jetzt schweigend durch einen märchenhaften Lärchenwald. Sonnenstrahlen brechen durch die verschneiten Bäume. Ab und zu zwitschert ein Vogel. Ansonsten ist in der winterlichen Stille nur das rhythmische Knirschen der Schneeschuhe auf dem Harsch zu hören. Für Walter Ehgartner ist es Neuland: Zum ersten Mal ist er mit diesen Sportgeräten unterwegs, zum ersten Mal in dieser Gegend.


Wandern mit Zwiebelschalenprinzip

„Jetzt gemma das steilste Stück an. Guad, dass Metallkrallen auf die Schneeschuach drauf sind. Damit hamma an guten Stand und rutschen nicht“, erklärt Heli, während die beiden Schneeschuhwanderer den Lärchenwald verlassen. Jetzt wird es steiler. „Ich hätt nie geglaubt, dass die Schneeschuhe so leicht sind – und so gut Halt geben. Da glaubst, du kannst direttissima aufn Gipfel“, lacht Walter. Mit der zunehmenden Steigung wird den beiden allmählich warm. Als erfahrener Bergwanderer ist Kauf- mann Walter Ehgartner bekleidungstechnisch optimal für die Tour ausge- rüstet. Neben festen Bergschuhen trägt er eine Skitourenhose und mehrere Schichten Oberbekleidung. Für das Schneeschuhwandern hat sich – wie für andere energievolle Outdoor-Aktivitäten – das sogenannte Zwiebel- schalenprinzip bewährt. Wie die Struktur einer Zwiebel sollten zumindest drei Schichten getragen werden. Direkt auf der Haut regelt die Basisschicht den Feuchtigkeitshaushalt. Darüber schützt die isolierende Schicht vor Kälte. Außen hält die Schalenschicht Wind, Schnee oder Regen ab.


Dem Himmel so nah …

Schritt für Schritt steigen Heli und Walter bergwärts. In Schrägpassagen geben ihnen ihre Teleskopstöcke sicheren Halt. Kurz oberhalb der Baum- grenze wird es flacher und die beiden Winterwanderer betreten das Gipfelplateau. Nur noch ein kurzer Anstieg trennt sie von ihrem Wanderziel. „Drah ma no a Ehrenrunde, weils so schön ist?“, fragt Heli. „Ja, klar“, antwortet Walter ohne Zögern. Offenbar hat er Gefallen an der für ihn neuen Bewegungsform gefunden. Dass ihm das Schneeschuhwandern leichtfällt, verdankt er seiner guten Grundkondition und Sportlichkeit. Genussvoll umschreiten die beiden das Roßfeld-Gipfelplateau, immer wieder kurz anhaltend, um über den Hochnebel in die Bergwelt zu blicken. Schließlich legen sie ihre Route in Richtung eines großen hölzernen Wappens, das den Gipfel markiert. Noch einmal heißt es ordentlich stapfen, kurze Zeit später haben sie den Gipfel erreicht. „Berg Heil!“, wünschen sich Heli und Walter. „Jetzt hob i owa an Durscht“, meint der Bergführer. „Genau dafür habe ich das Richtige eingepackt“, lacht Walter und zieht zwei Dosen Murauer Bier aus seinem Rucksack.


Holzwappen als Jausenplatzl

Die zwei Männer beschließen kurzerhand, das Holzschindeldach des Gipfelwappens als Jausentisch zu verwenden. Walter hat frisches Gebäck, Speck vom Mangalitza-Schwein und Hauswürstel aus dem Murtal mitge- bracht. Während sie sich gemeinsam stärken, erklärt der Bergführer, was es mit dem Holzwappen auf sich hat. Es ist das Gemeindewappen der ehemaligen Gemeinde Rohrmoos-Untertal und beinhaltet drei markante Elemente: eine Bergspitze mit Bergwerkshämmern, ein Schwertkreuz sowie eine Garbe. Das Berg- und Bergwerkssymbol weist auf den einst florie- renden Bergbau in den Schladminger Tauern hin. Das Schwertkreuz symbolisiert den Aufstand der Bauern und Bergknappen im Jahr 1525 gegen die Obrigkeit und für den evangelischen Glauben. Die Garbe stellt den Ackerbau als einst wichtige Erwerbsquelle dar.


Fernblick vom Feinsten

Heli deutet auf die umliegenden Gipfel und beginnt sie von Norden an zu benennen, wo der Hohe Dachstein und die Bischofsmütze die markantesten Erhebungen sind. Weiter im Osten ragt der Grimming hervor. Die gute Fernsicht eröffnet auch Ausblicke zu den Gesäusebergen. Deutlich näher liegen der Skiberg Planai sowie weiter in Richtung Süden der markante Hochgolling. Im Westen sind die Hohen Tauern und das Hochkönigmassiv gut zu erkennen. „Da gäbe es in jeder Himmelsrichtung noch tausend tolle Möglichkeiten für Schneeschuhwanderungen“, stellt Walter fest. Heli pflichtet ihm bei und schnappt sich noch das letzte Stück Mangalitza-Speck. Nach einer Weile mahnt er angesichts der starken Sonneneinstrahlung zum Abstieg, „bevor der Schnee z’woach wird“. „Der ist jetzt scho so cremig wie mein Murtal Eis“, schmunzelt der Kaufmann. Mit der Konsistenz von Eis kennt sich Walter bestens aus. Schließlich betreibt er neben seinem Geschäft auch eine kleine, feine Eismanufaktur. Dort verarbeitet er Heu- und Bio-Milch aus der Umgebung, reines Bergquellwasser, Honig und reife Früchte der Saison sowie weitere hochwertige Rohstoffe zu Speiseeis- Spezialitäten. Eine hauseigene Photovoltaikanlage liefert die Energie für die Produktion und Lagerung.


Warnung vor Lawinen

Zurück vom Roßfeld zur Hochwurzen nehmen sie den gleichen Weg. Nach einer knappen Stunde erreichen die beiden Schneeschuhwanderer die Hochwurzenalm. Dort lassen sie ihre Tour auf der Terrasse gemütlich ausklingen. „Heut hammas super erwischt“, meint Heli, „’s Wetter wor a Jackpot und die Lawinengefahr koa Thema. I mecht aber festhoitn, dass a Lawine koan Unterschied zwischen Skitouren- und Schneeschuhgehern mocht.“ Der Bergführer merkt an, dass auch bei Schneeschuhtouren im lawinengefährdeten Gelände ein LVS-Gerät sowie Lawinenschaufel und - sonde zur Grundausstattung gehören. Walter hört zu, genießt seinen Kaffee und blickt zufrieden in Richtung Roßfeld zurück: „Heute Morgen, unterhalb der Nebeldecke, war ich mir nicht sicher, ob sich das frühe Aufstehen und die Fahrt nach Rohrmoos lohnt. Jetzt bin ich aber mehr als happy, dass wir einen so tollen Tag in den Bergen erlebt haben.“

Vor der Wanderung erklärt der Bergführer, worauf es beim Gehen mit Schneeschuhen ankommt.




Auch steiles Aufsteigen über gefrorenen Schnee ist dank Metallkrallen auf den Schneeschuhen gut möglich.


„Die Schneeschuhe geben so gut Halt

am Hang, dass d’ glaubst, du kannst

direttissima rauf aufn Gipfel.“

„Berg Heil!” Heli gratuliert und Walter freut sich, das Wanderziel auf dem Roßfeld-Gipfel


Zur Jause gibts gschmackigen Zechner-Speck.

Murtal grüßt Ennstal – mit Murauer Bier stoßen Heli und Walter auf den Gipfelsieg an.


Walter und Heli auf dem Rückweg über der nebelumwobenen Hochwurzen. Dahinter die imposante Bergkulisse des Dachsteingebirges.

Bei einem Kaffee auf der sonnigen Terrasse der Hochwurzenalm klingt die Schneeschuhtour gemütlich aus.

Nah&Frisch Kaufmann Walter Ehgartner

Seit wann bist du Nah&Frisch Kaufmann in St. Georgen ob Judenburg und was ist euer Erfolgsrezept?

Walter Ehgartner: Wir engagieren uns schon seit mehr als einem Jahrzehnt, seit 2008, für Nah&Frisch. Unter einem Dach vereint unser Haus sowohl das Geschäft als auch ein Café, eine Zimmervermietung sowie die Produktion von Murtal Eis. So gesehen sind wir ein vielseitiger Nahversorger, quasi rund um die Uhr.


Welche Produkte aus’m Dorf gibt es bei euch?

Walter Ehgartner: Auf diesem Gebiet können wir unseren Kunden einiges bieten – zum Beispiel ausgezeichnete Würstel und Speck, die die St. Georgener Familie Zechner herstellt. Sehr beliebt sind auch das Joghurt von Sonja Wagner aus Wallersbach und das Kernöl der Familie Hirtler aus Weißkirchen.


Welche Rolle spielt für dich das Thema Nachhaltigkeit?

Walter Ehgartner: Eine große. Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hausdach nutzen wir die Kraft der Sonne. Sie liefert Energie für die Eisherstellung und - lagerung. Zum Ausliefern kommt seit kurzer Zeit ein Elektroauto zum Einsatz. Auch dessen Akku wird größtenteils mit Sonnenstrom aufgeladen.

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.manner.at

Nah&Frisch Ehgartner, St. Georgen ob Judenburg 11, 8756 St. Georgen ob Judenburg, Stmk.

www.nahund- frisch.at/de/kauf- mann/ehgartner