Kaufleute und ihre Vereine

Ein Dankeschön

an die Vereine!

Vereine sind das Herz und die Seele eines Dorfes. Zum Jubiläum stellen wir drei Kaufleute und die spezielle Beziehung zu „ihren“ Vereinen vor.

Stolz auf die Mannschaften, froh über die Zusammenarbeit: Kauffrau Franziska Neumeister und der TSV Kirchberg an der Raab.

Text.

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m Geschäft von Kauffrau Franziska Neumeister im steirischen Kirch- berg an der Raab gehts heute rund. Laufend kommen neue Kunden

bei der Tür herein, werden begrüßt und von den Mitarbeiterinnen bedient, während wir uns mit der Kauffrau über einen ganz besonderen Kunden unterhalten: den Sportverein TSV Kirchberg an der Raab. Dessen Präsidentin Helga Fruhwirt sitzt mit uns am Tisch und erzählt von den Leistungen des Vereins in der 4.500 Einwohner zählenden Gemeinde.


Gewinnen und verlieren lernen

„Man glaubt immer, im Fußballverein lernen die Kinder nur Kicken“, beginnt die Vereinspräsidentin, „aber in Wirklichkeit gehts ja um mehr. Fußball ist ein Teamsport, da muss man zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen – da gehts ganz stark um Teamgeist und Gemeinschaft. Gerade Eltern mit Einzelkindern kommen oft zu uns und sagen, wie wichtig die Erfahrungen im Sportverein für ihr Kind sind. Und alle Kinder lernen bei uns – weil man ja auch das Verlieren erst lernen muss. Das ist natürlich schwer am Anfang, wie jeder weiß. Und es braucht seine Zeit – aber das sind wichtige persönliche Entwicklungen.“


Wertschöpfung im Ort

Franziska Neumeister, deren Kinder jahrelang im Sportverein aktiv waren, nickt zustimmend. Und fügt hinzu: „Für den Ort hat der Sportverein auch eine sehr wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Wir als Nahversorger beliefern z. B. das Buffet am Sportplatz zweimal pro Woche mit Getränken, Süßigkeiten, Wurst etc. – und dann noch die Feste, das sind einfach wichtige Einnahmen für uns!“ Das ist das Stichwort für die Vereinspräsidentin, der es ein Anliegen ist, mit ihrem Verein den Ort und seine Betriebe zu fördern. „Wir schauen drauf, dass wir praktisch alles, was wir im Verein brauchen, aus dem Ort beziehen. Da profitieren alle davon. Fleisch und Wurst liefert der Fleischhauer, das Brot der Bäcker und die Pokale kommen vom Uhr- macher Fuchs am Hauptplatz. So bleibt das Geld im Ort“, erklärt Helga Fruhwirt.


Ein Geben und Nehmen

„Und umgekehrt“, ergänzt Kauffrau Neumeister, „sponsern wir natürlich den TSV, stellen bei Wettbewerben Preise zur Verfügung – und einmal im Jahr kriegt eine Mannschaft von uns ein dickes Jausenpaket.“ Neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Vereins hebt die Kauffrau aber auch noch einen anderen wichtigen Aspekt hervor: „Wir beliefern ja auch andere Vereine, die Eisschützen, die Faschingsgilde, den Musikverein usw. – und alle machen’s ihre Festln. So organisieren sie praktisch das Freizeitpro- gramm hier im Ort. Man trifft sich und tratscht und isst und trinkt zu- sammen – das ist schon ganz wichtig fürs soziale Miteinander. Und wir sind natürlich von Mai bis Oktober am Wochenende überall dabei“, lacht die Kauffrau.


„Unser G’schäft in Strem“: ein Ort engagiert sich

Das soziale Miteinander im Ort spielt auch für Bernhard Deutsch eine zentrale Rolle. Er ist Bürgermeister und Obmann des Vereins „Unser G’schäft in Strem“ im gleichnamigen Ort bei Güssing im Burgenland. „Vor 20 Jahren hats bei uns in Strem noch drei Greißler gegeben“, erzählt er. „2010 hat dann der letzte zugesperrt. Erst hats geheißen, nicht so schlimm, dann fahren wir halt rüber nach Güssing, sind ja nur acht Kilometer, und kaufen dort ein. Aber mit der Zeit haben alle gespürt, wie mühsam das ist und wie viel Zeit draufgeht. Von den Älteren und Nicht-Motorisierten im Ort ganz zu schweigen. Und drum haben wir 2012 einen Verein gegründet, um einen eigenen Nahversorger im Ort zu haben.“


Der Nahversorger als Verein

Am Anfang sei das aufgrund der hohen Investitionen mit einem erheblichen Risiko verbunden gewesen. Aber das ganze Dorf hat mitgeholfen. „Wir haben Bausteine fürs Geschäft ausgegeben und verkauft – so sind über 20.000 Euro zusammengekommen. Mit einer Förderung vom Land und einem zusätzlichen Kredit haben wir dann die Finanzierung fürs Erste gesichert. Aber das Wichtigste war, dass sich so viele im Ort engagiert haben. Wir haben hier rund 200 Vereinsmitglieder, die einen kleinen jährlichen Beitrag zahlen und sich damit mitverantwortlich fühlen. Die stehen voll dahinter und sagen: Des is unser Gschäft!“


Herzblut & Geschäftssinn

Mittlerweile läuft der Nahversorger so erfolgreich, dass man fünf Angestellte finanzieren kann. Besonderes Augenmerk legt der Obmann auf das Pro- duktangebot. „Ich muss meinen Kunden ja nicht nur das Notwendige, sondern auch was Besonderes bieten. Drum haben wir von vornherein auf lokale und regionale Produzenten gesetzt. Wir führen 29 Direktver- markter mit ihren Produkten – von Brot und Gebäck, Fleisch- und Wurstwaren über Obst, Gemüse, Weine und Brände bis hin zu Uhudler- Schokoladen. Mittlerweile kommen viele Kunden aus Güssing, weil sie unsere Produkte halt nicht bei den großen Handelsketten oder beim Diskonter kriegen.“


Nahversorger mit „Bürgermeister-Service“

„Ganz wichtig ist natürlich auch die persönliche Atmosphäre im Geschäft. Wir sagen immer: In einem Supermarkt bist du Kunde, bei uns bist der Franz, der Sepp, die Anni.“ Neben einer gemütlichen Kaffee-Ecke und Post-Partner-Diensten bietet „Unser G’schäft in Strem“ auch einen speziellen Lieferservice an. „Das wird sehr gern in Anspruch genommen. Besonders von älteren Kunden. Wenn ich grad Zeit hab, spring ich natürlich auch ein. Da ist dann die Freude groß, wenn der Bürgermeister persönlich den Einkauf bringt.“


Soziales Miteinander im Ort verbessert

Obwohl Bernhard Deutsch gemeinsam mit der Biobäuerin Ida Traupmann einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg des Geschäfts geleistet hat, ist es für ihn ein Gemeinschaftsprojekt. „Geschafft haben wir das nur zusammen mit dem ganzen Ort. Und das Schöne ist, dass sich durch ,Unser G’schäft in Strem‘ auch sozial etwas verändert hat. Man trifft sich wieder, im Geschäft oder davor, man tratscht wieder mehr – das macht sich bemerkbar. Für unseren Ort“, schließt der Bürgermeister, „ist der eigene Nahversorger das Wichtigste, was wir in den letzten zehn Jahren geschafft haben.“


Nah&Frisch Schindl und der Fußball

Ein besonderes Verhältnis zu den Vereinen in ihrem Ort haben auch Eva und Tanja Schindl mit ihrem Nah&Frisch Geschäft in Gastern im Wald- viertel. „Wir beliefern unseren Sportverein, den USV Gastern, seit vielen Jahren“, erzählt Tochter Tanja Schindl. „Unser Nachbar spielt beim USV, die Spieler sind unsere Kunden – da gehst natürlich auch selber zu den Matches. Da hab ich schon lustige Sachen erlebt“, schildert die junge Kauffrau. „Einmal hat Gastern gegen Vitis gespielt. Bis zur 85. Minute ist es unentschieden gestanden. Dann schießt Vitis ein Tor. Vor mir ist eine Gruppe Vitis-Fans gesessen, die sind ausgezuckt und haben mit Bier um sich geschüttet. Ich war waschelnass. In der 90. Minute haben wir den Ausgleich geschossen – und schon hats die Retourkutsche für die Vitis- Fans gegeben. Wir haben dann alle unseren Spaß gehabt. So wirst vom Lieferanten zum Fan“, lacht Tanja.


Ein Miteinander im Ort

Auch sie beschreibt das Verhältnis zu dem Verein als ein gegenseitiges Geben und Nehmen. „Wir sind natürlich froh über die Zusammenarbeit. Wir beliefern die Kantine am Sportplatz bei jedem Match und dann auch noch die Festln. Das sind für uns enorm wichtige Umsätze. Andererseits versuchen wir halt auch, dem Verein entgegenzukommen. Wenn sie ein Festl machen, wie z. B den Sportlerkirtag, und die Frucade ist gerade nicht in Aktion, ruf ich bei meinem Großhandelshaus an und versuch, den Aktionspreis zu kriegen.“


Panini für die Feuerwehr

Im Sommer steht ein ganz besonderes Ereignis bevor: „Da findet der Landesfeuerwehr-Leistungsbewerb im Ort statt“, erzählt Tanja. Das Geschäft ist dafür schon bestens gerüstet. Seit Kurzem gibt es offenes, original italienisches Eis, „und demnächst nehmen wir den Panini-Ofen in Betrieb. Dann können sich die Kunden aussuchen, womit sie es belegt haben wollen – und nach einer Minute kommt das Panino knusprig und mit geschmolzenem Käse aus dem Ofen.“ Da können die hungrigen Feuerwehrmänner und -frauen kommen!

„Unser G’schäft in Strem“ führt die Produkte von 29 Direktvermarktern im Sortiment.

„Der Verein ist ein Ort des sozialen Lernens.“

Der USV Gastern in Aktion.

Kauffrau Eva und Tochter Tanja Schindl mit einer Stärkung für den USV Gastern.

Fotos Sebastian Freiler, Lukas Ilgner

„Man trifft sich wieder und tratscht ...“

Oben: Bürgermeister und Vereinsobmann Bernhard Deutsch mit Lisa Nikischer-Ganster, Ida Traupmann und Brigitte Gober (v.l.n.r.).

DIE GSCHÄFTE

Nah&Frisch Neumeister

Kirchberg 8, 8324 Kirchberg/Raab, Stmk.

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/neumeister-kg


Nah&Frisch Strem

Lindenstraße 16, 7522 Strem, Bgld.

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/unser-gschaeft-in- strem


Nah&Frisch Schindl

Hauptstraße 2/1, 3852 Gastern, NÖ www.nahund- frisch.at/de/kaufmann/schindl

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www.rauch.cc

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www.mautner.at

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www.manner.com