Mei Wirtshaus

Wild gekocht

Walter Halbwax ist Nah&Frisch Kaufmann und gelernter Koch.

Im „Kirchenwirt“ tischt er feine regionale Spezialitäten auf, die von Einheimischen und Pilgern geschätzt werden.

Text & Fotos: Christine Fehringer

Der Kirchenwirt ist seit jeher Anlaufstelle für hungrige Pilger auf dem Weg nach Mariazell oder auf der Via Sacra.

N

ach dem Mittagsgeschäft haben Walter Halbwax und seine Lebensgefährtin Romana Nebel Zeit, sich zu uns an den Tisch zu setzen. Der große Gast-

raum strahlt eine angenehme Atmosphäre aus, die offene Nagelbinderdecke legt den Blick frei bis unter den Dachgiebel. Im Jahr 1995 eröffnete die Familie Halbwax in diesem ehemaligen Raiffeisen-Lagerhaus den Kirchenwirt, in dem es anfänglich noch etwas rustikaler zuging. Vor drei Jahren wurde renoviert und der Gastraum neu gestaltet.


Am Pilgerweg

Sowohl die Via Sacra als auch der Wiener Wallfahrerweg führen durch Kaum- berg, und so stehen beim Kirchenwirt für müde Pilger nach einem herzhaften Abendmahl auch insgesamt zehn Betten bereit. Manchen Wallfahrern gefällt es so gut, dass sie bereits bei ihrem Besuch für das kommende Jahr wieder reservieren. Doch das Pilgern ist nicht jedermanns Sache. „Einen recht promi- nenten Gast mit maroden Füßen hat der ehemalige Schuldirektor zum Bahnhof geführt, nachdem er zweimal den Bus verpasst hatte, weil es ihm bei uns so gut gefallen hat“, erzählt Walter Halbwax, der so manchen Pilgerschwank auf Lager hat.


Herz des Ortes

Auch Vereine nutzen das einzige Gasthaus im Ort gerne für ihre Versammlungen – von der Feuerwehr, bei der er selbst seit vielen Jahren aktiv ist, über die Sportunion bis zum Sparverein finden hier fast alle Treffen statt. Für Familien- feiern ist der Kirchenwirt ebenfalls ideal. „Ich sehe uns als eine Art ,Herz- Lungen-Maschine‘ des Ortes“, meint Walter Halbwax lachend. „Zu unserem Betrieb gehört ja auch noch unser Nah&Frisch Geschäft um die Ecke, wo wir ebenfalls ein kleines Stüberl haben, das Raum für Kommunikation bietet.“


Regional & wild

Selbstverständlich gehört Walter Halbwax mit seiner ehrlichen regionalen Küche zu den „Genusswirten“ und zu den „Tut-Gut-Wirten“, auch das AMA-Gütesiegel findet sich am Eingang zur Gaststube. Als Wildspezialist ist er weithin bekannt, die Jagdgesellschaft Kaumberg beliefert ihn fast das ganze Jahr über mit bes- tem Reh und Hirsch. Sein Rezept für „Krautwickler vom Maibock“ hat es so- gar in das kürzlich erschienene Buch „Wallfahrtsküche“ geschafft. Und auch der überaus beliebte Kaiserschmarren, den es nur auf Nachfrage gibt, wurde für das Buch ins rechte Licht gesetzt. Das Rezept dazu hat Walter von der Oma, „die hat ihn ziemlich eigentümlich immer mit Gurkensalat gegessen“, erzählt er lachend. Am Nebentisch hat sein Vater mit Freunden Platz genommen, der Senior-Chef kann die Geschichte bestätigen.


Sauschädel am 1. Jänner

Über den ganzen Dezember finden beim Dorfwirt heimelige Weihnachtsfeiern statt. Nur zu Silvester ist das Gasthaus geschlossen, da liefern Walter und Romana die Getränke auf den Marktplatz, wo die dörfliche Silvesterfeier stattfindet. Am Neujahrstag laden die beiden dann ihre Gäste traditionell auf einen deftigen Sauschädl mit Senf, Kren und Brot ein und stoßen mit ihnen auf ein glückliches neues Jahr an.


www.kirchenwirt-kaumberg.at

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/halbwax

Besonders beliebt: Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster.

Krautwickler vom Maibock ist eine seiner köstlichen Kreationen.

Walter Halbwax ist begeisterter Hobbyfotograf, eines seiner Lieblingsziele ist die nahe Araburg.

Fotos:Gerichte: Michael Rathmayer, Foto Araburg: Walter Halbwax

BUCHTIPP:

„Wallfahrtsküche.

Kulinarische Entdeckungen am Weg nach Mariazell“ von Bernhard Wieser mit Fotos von Michael Rathmayer, € 26,–,

Pichler Verlag 2018

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.rapso.at