Unterwegs in der Region

Seensucht

Kaufmann Gerold Pöllmann und seine Partnerin Patricia Bors begleiten zwei Skipperinnen bei einem Segeltrip auf dem Neusiedler See.

Dabei werden Kindheitserinnerungen wach.

Text: Alexandra Gruber Fotos: Sebastian Gansrigler

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in paar Stunden Segeln am Neusiedler See ist für uns wie drei Tage

Urlaub“, schwärmt Kapitänin Gabriele Jüly. Die Unternehmerin und ihre

Freundin, Stewardess Alexandra „Ali“ Siber, machten vor zwei Jahren den Segel- schein. Im April kaufte Gaby das Segelboot „Avatar“, das seitdem im Hafen von Jois am Westufer des Neusiedler Sees vor Anker liegt. Die beiden Frauen stechen seitdem rund zwei Mal pro Woche in See und genießen Wasser, Wind und Sonnenschein. „Das ist jedes Mal wie Tiefenentspannung“, erzählen sie.


An diesem brütend heißen Sommertag teilen die frischgebackenen Seebärinnen ihr kleines Paradies erstmals mit Gästen. Kaufmann und Caterer Gerold Pöll- mann und Lebensgefährtin Patricia Bors sind langjährige Freunde der Skippe- rinnen, Gaby ist zudem eine treue Kundin. „Bei Feiern in meiner Entsor- gungsfirma ist Gerold für das Catering zuständig“, erzählt Gaby. Für den 49- jährigen Kaufmann aus Bruck an der Leitha ist der Segeltrip auf dem Neusiedler See eine Premiere, doch die Vorfreude ist groß. „Mit diesem See verbinde ich wunderschöne Kindheitserinnerungen“, erzählt er. „Wir verbrachten hier viele Sonntage, es war damals wie Urlaub für mich.“


Wasserbüffel und Sumpfohreulen

Ali holt den Fender (Scheuerdämpfer) ein, Gaby löst inzwischen die Fockschot, die Leine für das Vorsegel. Danach macht Ali die Festmacherleinen los, Gaby schaltet den Elektromotor ein und setzt sich an die Pinne (Steuer). Wir legen ab und fahren zuerst elektrisch durch den Kanal hinaus auf die „Lacke“, wie der Steppensee auch etwas weniger charmant bezeichnet wird. Rund 320 km² beträgt die Fläche des zur Hälfte schilfbewachsenen Gewässers. 350 zum Teil seltene Vogelarten wie Großtrappen oder Sumpfohreulen rasten oder brüten in der Steppenlandschaft. Im Nationalpark wurde rund um das Jahr 2000 auch der majestätische Seeadler wieder angesiedelt, in Teilgebieten werden alte Haustier- rassen wie Ungarische Steppenrinder, Wasserbüffel oder weiße Esel gezüchtet.


Segelrevier mit Tücken

Das Binnengewässer ist schlammig und oft so seicht, dass ein Erwachsener an den meisten Stellen stehen kann. „Doch es ist einer der windreichsten Seen Österreichs und damit ein optimales Segelrevier“, betont Gaby. Das Boot tuckert durch einen Kanal, der durch den dichten Schilfgürtel führt. Patricia und Gerold sind begeistert und spielen am Bug die Titanic-Szene „Ich bin der König der Welt“ nach. Ein Eisberg droht am Neusiedler See glücklicherweise nicht, trotzdem sollte man die Lacke nicht unterschätzen. Immer wieder kommt es hier zu Unfällen. Bei starkem Wind oder gar

einem Sturm ist es extrem schwierig, zu schwimmen. Auch das spezielle Klima birgt Gefahren. Während sich beispielsweise im Südosten oder Nordwesten bereits dunkle Wolken zusammenbrauen, kann der Himmel über dem See noch blau sein. Ein Gewitter, das plötzlich losbricht, bereitet unerfahrenen Seglern oft große Probleme.


Der Blick in die Weite

Doch an diesem Tag trübt kein Wölkchen den Himmel, das Wasser ist glatt und es weht nur ein kleines Lüfterl. Als das Boot nach einer etwa halbstündigen Fahrt den Kanal verlässt, ist die Sicht auf den See frei. Gaby stellt den Motor ab. Ali setzt die Segel und zieht danach mithilfe einer Kurbel kräftig an der roten Schot, Gerold geht ihr bei der anstrengenden Tätigkeit zur Hand.


Doch keine noch so kleine Brise verfängt sich im Segel. „Hier ist norma- lerweise die windreichste Gegend auf dem See“, erzählen die Skipperinnen. Doch heute steht das Boot fast. Aber auch das hat seinen Reiz. Das glu- ckernde Wasser, welches das Boot sanft umspült, wirkt beruhigend. Wir atmen durch, schweigen und genießen den Blick über die schier unendliche Wasseroberfläche. Mehr braucht es eigentlich nicht. Nach einer Weile holt Ali dann doch die Segel ein, und Gaby lässt den Motor an. Die Avatar wendet und nimmt Kurs Richtung Jois.


Rad-Romantik und Geheimtipp

Nach dem Anlegen zaubern Patricia und Gerold aus Kühlboxen lukullische Überraschungen wie selbst gemachte Tramezzini-Wraps, Zitronentarte und pinkfarbene Smoothies hervor und erzählen von ihren Kurztrips beim Neusiedler See. Das Paar liebt die romantischen Radwege rund um den See. Ihr Favorit ist der Kirschblütenradweg, der von Donnerskirchen bis Jois führt. Am schönsten sei die Tour von Mitte bis Ende April. „Dann verwandelt sich die Landschaft in ein Blütenmeer“, schwärmt Gerold.


Für Kunstliebhaber hat er einen Geheimtipp. „Das Freilichtmuseum des Bildhauers Wander Bertoni in Winden.“ Auf dem Areal neben dem Wohn- haus des mittlerweile verstorbenen Künstlers stehen zahlreiche seiner Großplastiken, der Eintritt in den pittoresken Park ist gratis und jederzeit möglich. Auch Bootstouren möchten Gerold und Patricia in Zukunft

öfters machen – das nächste Mal vielleicht sogar mit Wind.

Seebärin Alexandra „Ali“ Siber setzt die Segel und zieht danach kräftig an der Schote. Doch auf dem sonst windreichen See weht an diesem Tag nicht das kleinste Lüfterl.




„Im Nationalpark wurde der Seeadler wieder angesiedelt, Steppenrinder und Wasserbüffel werden gezüchtet.“

Gerold vergisst seinen Alltag und schwelgt sehnsüchtig in Kindheitserinnerungen.

Die Freunde Gerold Pöllmann, Patricia Bors und Skipperin Gaby Jüly spinnen nach dem Segeltrip im Hafen von Jois Seemannsgarn auf der Avatar.

Im Hafen zaubern Gerold und Patricia selbst zubereitete Catering-Köstlichkeiten aus ihrer Kühlbox.







Nah&Frisch Kaufmann Gerold Pöllmann

Wie kommt man vom BWL-Studium zu einem Nah&Frisch Geschäft?

Gerold Pöllmann: Meine Eltern hatten ein Lebensmittelgeschäft und ich hab während des Studiums mitgearbeitet im Catering, beim Kochen und Gestalten. Nach dem Studium bin ich dabeigeblieben, im Laufe der Zeit hatten wir einen großen Stammkundenkreis.


Liegt dein Schwerpunkt beim Geschäft oder beim Catering?

Gerold Pöllmann: Bei beidem. Ich mache hauptsächlich Catering, aber das

Geschäft ist die Basis. Dadurch habe ich immer frische Lebensmittel, der Bäcker kommt jeden Tag. Wenn ich ihn anrufe und kurzfristig Brot bestelle, liefert er rasch und in Top-Qualität.


Wie wichtig ist das Nah&Frisch Geschäft für deine Gemeinde?

Gerold Pöllmann: Durch das Catering kann man bei mir frischen Prosciutto oder Beinschinken kaufen. Das ist in einer kleinen Gemeinde nicht selbstver- ständlich. „Einkaufen im Ort“ wird aber auch durch die Klimakrise wichtiger. Meine Catering-Aufträge bekomme ich seit 30 Jahren durch Mundpropaganda.


Deine Empfehlung für einen Segeltrip?

Gerold Pöllmann: In unserer Region panno- nisch-mediterranes Essen. Frische Paradeiser, Oliven, Rohschinken, mariniertes Gemüse,

frische Kräuter. Dazu frischen Wein oder Sekt.


Nah&Frisch Pöllmann,

Vohburgerstraße 19,

2465 Höflein/Bruck an der Leitha,

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/poellmann

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www.philadelphia.at