Von Mensch zu Mensch

Worums

im Leben geht

Helmut Baumgartner erzählt, warum Musik für ihn eine Quelle des Glücks und Singen die beste Medizin ist.

Text & Fotos: Christoph Huber

Der Sängerbund Haslach mit Chorleiter Helmut Baumgartner (ganz links) in der Pfarrkirche.

H

elmut Baumgartner sitzt bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse seines Hauses am Linzer Pöstlingberg und blättert in teils handge-

schriebenen Notenblättern. Er liebt die Stadt, in die er vor zwei Jahren gezogen ist, genießt den Blick hinunter auf die Donau und das Voralpenland. Er strahlt Zufriedenheit aus. Helmut Baumgartner war sein Leben lang aktiv: 35 Jahre lang als praktischer Arzt in der Mühlviertler Gemeinde Haslach, wo er auch als Chorleiter des Sängerbundes tätig ist. Den Menschen seiner ehemaligen Wohn- und Arbeitsgemeinde ist er nach wie vor eng verbunden. Nach Antritt seiner Pension ist er in die oberösterreichische Landeshauptstadt übersiedelt.


Pensionsglück statt -schock

Mit Dankbarkeit blickt Helmut Baumgartner auch auf seine Zeit als Arzt in der Landgemeinde zurück. „Es war eine schöne Zeit. Der gesellschaftliche Zusammenhalt hat am Land immer noch einen höheren Stellenwert“, befindet er. Knapp 25 Jahre lang war Helmut Baumgartner Obmann- Stellvertreter des Musikvereins Haslach, etwa 20 Jahre lang Obmann des Schiklubs. „Ich hatte das große Glück, dass mir in meiner Laufbahn als Arzt nie ein schwerwiegender Fehler passiert ist. Das ist keine Selbstver- ständlichkeit“, berichtet der Allgemeinmediziner. „Ich wollte dieses Glück nicht weiter herausfordern und trat in meinem 65. Lebensjahr meine Pension an.“ Mit dem Ende seiner beruflichen Laufbahn fielen die psychische Belastung und der Druck der Verantwortung spürbar von ihm ab. Pensi- onsschock hat er keinen erlitten, vielmehr schätzt er sein Pensionsglück und ist dankbar dafür. Nun kann sich Helmut Baumgartner mit voller Leidenschaft ehrenamtlich seinen vielschichtigen Interessen widmen – vor allem der Musik.


Seit 15 Jahren Chorleiter

Der Sängerbund Haslach ist ein „bunter Haufen“ unterschiedlichster Charaktere, wie Helmut Baumgartner es beschreibt. Um diesen „Haufen“ als Chorleiter zusammenzuhalten, „kommen ihm eine gewisse Menschenkenntnis und psychologische Grundkenntnisse aus seinem Beruf sicherlich zugute“, bestätigt der Haslacher Nah&Frisch Kaufmann Gerhard Gierlinger schmunzelnd. Er ist einer von Helmut Baumgartners Sangeskollegen. Musik spielte seit jeher eine wesentliche Rolle im Leben des pensionierten Arztes. Als Jugendlicher bekam er die Möglichkeit, Akkordeon zu lernen, später kamen Blasinstrumente wie das Tenorhorn hinzu. Auch das Gitarrenspiel erlernte er eigenständig – und sangesfreudig war er ohnehin schon immer. So führte eines zum anderen und Helmut Baumgartner wurde Mitglied im Sängerbund. Dass er diesem Chor nun schon bald 15 Jahren als Leiter vorstehen würde, war damals noch nicht vorhersehbar. Er sprang vermeintlich bloß als „Nothelfer“ ein, als dem Chor der damalige Leiter abhanden kam.


Offenheit für Neues hält jung

Kurz nachdem Helmut Baumgartner und seine Frau Helene nach Haslach übersiedelten, um die Arztpraxis zu übernehmen, kamen auch ihre beiden Töchter zur Welt. Eine absolute Bereicherung für das junge Ehepaar. „Den Kindern Geborgenheit, Vertrauen und Vernunft zu vermitteln, ihnen auf diese Art sowohl Wurzeln als auch Flügel zu verleihen, das ist das Wichtigste.“ Mittlerweile ist auch das erste Enkelkind auf der Welt und die Baumgartners genießen aktiv ihre Rolle als Großeltern. Wobei sich der pensionierte Landarzt in seinem neuen Lebensabschnitt als Großvater keinesfalls alt fühlt. Der Schlüssel dafür ist wohl zum einen ein gesunder und aktiver Lebensstil, zum anderen Charaktereigenschaften wie die erwähnte Geselligkeit, eine grundlegende Neugierde und Offenheit für Neues.


Sorge um die Umwelt

Sorge bereitet dem leutseligen Chorleiter der aktuelle Zustand unserer Umwelt. Als passionierter Taucher durfte er in den 1970er-Jahren bei Tauchgängen und Reisen um die halbe Welt wunderbare Unterwasserwel- ten erleben, die heute nicht mehr vorhanden sind. „Wenn ich heute bei meinen seltenen Tauchgängen ins Wasser schaue, bin ich nur noch traurig.“ Innerhalb einer Generation habe die Menschheit aus Profit- und Machtgier irreparable Schäden verursacht.


Das Glück der Geselligkeit

Was ihm in Anbetracht dieser Umstände Hoffnung macht? „Letztendlich doch der Glaube an die Vernunft des Menschen“, so der aktive Mittsechziger. Besonders die Menschlichkeit und der Zusammenhalt, die er in seinem nächsten Umfeld erlebt, machen ihn hoffnungsfroh: in seiner Familie, bei seinen Freunden – und natürlich im Chor. So ist für ihn gerade das ehrenamtliche Engagement im Sängerbund ein Konzept für ein erfülltes und glückliches Leben abseits von übertriebenem Ehrgeiz und Profitgier. Seinen Sangeskollegen ist er für diese Erfahrungen sehr dankbar.


Singen ist die beste Medizin

Wünschen würde sich der Chorleiter mehr Nachwuchs für den Sänger- bund, sind die Mitglieder derzeit doch alle zwischen 50 und 83 Jahre alt. Was er und seine Kollegen interessierten Sängern bieten können? „Freude am gemeinsamen Singen und Geselligkeit.“ Einmal wöchentlich wird geprobt und ein Programm aus Volksliedern, klassischen und modernen Stücken erarbeitet. Die Auftritte bringen auch schöne Reisen mit sich; so ist man etwa mit einem Südtiroler Chor in gutem Kontakt, wodurch sich auch dort Gastspiele ergaben. Das Erlebnis, gemeinsam etwas Schönes zu schaffen, das Singen als Ausdruck von Gefühlen, die Begegnungen, die Freude des Publikums – all diese Faktoren tragen zum Wohlbefinden bei, resümiert Helmut Baumgartner. „Und natürlich zur Gesundheit. Denn Singen ist die beste Medizin.“

Der freistehende Turm der Pfarrkirche, gehörte einst zur Burg.

Aus einem Musikvideo schreibt der Chorleiter die Gesangsstimmen heraus, um sie mit seinem Chor einzustudieren.

„Das Erlebnis, gemeinsam etwas Schönes zu schaffen, das Freude bereitet, macht Singen zur besten Medizin.“

Blick auf Haslach an der Mühl (OÖ), wo Helmut Baumgartner viele Jahre als praktischer Arzt tätig war und heute noch den Chor leitet.

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