Mitten im Ort

Grüne Wunder

erleben

Bernstein im Südburgenland ist die weltweit einzigartige Fundstelle für Edelserpentin. Der grüne Halbedelstein wird in der Werkstätte Potsch verarbeitet und im örtlichen Felsenmuseum verkauft.

Text: Alexandra Gruber Fotos: Sebastian Freiler

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iko Potsch klebt ein Stück Edelserpentin auf ein Trägermaterial aus Holz und befestigt es auf der Drehbank. Aus dem grauen, unscheinbaren Stein

drechselt der Inhaber des Bernsteiner Felsenmuseums eine Schale, die er an- schließend schleift und poliert. Das Resultat ist ein Stück grünschimmernde Handwerkskunst, die im Museumsshop angeboten wird. Diese Fertigkeit übte bereits Potschs Ururgroßvater Josef Höfer aus, der das besondere Mineral seit 1860 bearbeitete und daraus kunstvolle Vasen, Becher und Kerzenleuchter herstellte. Nachfahre Niko Potsch führt das einzigartige Handwerk heute in der Werkstatt des Museums vor. „Jedes meiner Stücke ist ein Unikat“, sagt er und streicht mit der Hand über seinen Lieblingsstein. „Was innen ausschaut wie Schäfchenwolken, ist die Maserung im Stein, manches Mal sind es auch Einschlüsse. Diese sieht man erst nach dem Polieren.“


„Geologisches Wunder“

Der Name der burgenländischen Marktgemeinde lässt vermuten, dass hier Bernstein abgebaut wurde, doch weit gefehlt. Namensgeber ist wohl die Römische Bernsteinstraße, die einst hier vorbeiführte und auf der damals der gelbe Schmuckstein aus fossilem Harz befördert wurde. Bekannt ist der Ort allerdings wegen seines weltweit einzigartigen Edelserpentin-Vorkommens. Fachleute sprechen von einem geologischen Wunder. Der grünschimmernde Halbedelstein ist in den Adern des „gemeinen Serpentins“ eingeschlossen und wird heute noch immer händisch abgebaut.


Gedrechselte Kleinode und heilende Wirkung

Edelserpentin eignet sich hervorragend für die Herstellung von Schmuck- stücken und Ziergegenständen. Der gemeine Serpentin, der unter anderem für den Straßenbau verwendet wird, zerbricht unter Druck, die edle Vari- ante lässt sich hingegen hervorragend schleifen und besticht durch unter- schiedliche Grün-Nuancen. „Edelserpentin wurde auch als österreichische Jade bezeichnet. Die Ähnlichkeit mit chinesischer Jade ist jedoch aus- schließlich optischer Natur, chemisch sind die Steine nicht verwandt“, erklärt Potsch. Außerdem werde Edelserpentin eine heilende Wirkung nachgesagt. Trägt man einen Stein am Körper, soll er eine beruhigende Wirkung entfalten und sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken.


Kunstausstellung und Schaubergwerk

Der Künstler Otto Potsch, Vater von Niko, hat das Museum in Bernstein 1980 gegründet und anschließend die Leitung seinem Sohn Niko übergeben. Die heutige Kombination aus Werkstättenführungen, Edelserpentin- Schleif-Workshops und Museum lockt zahlreiche Besucher nach Bernstein. Sie können auf einer 1.000 m² großen Ausstellungsfläche einzigartige Exponate bewundern, Wissenswertes über Edelserpentin, Bernstein und Mineralien aus Österreichs Bergwelt erfahren oder in einem unterirdi- schen Schaubergwerk auf den Spuren von Bergarbeitern bis zurück ins Mittelalter wandeln. Damals wurde in der Region Schwefel und Kupfer abgebaut. Historisches Grubenwerkzeug und ein rund hundert Jahre alter Aufzug werden in den zum Teil echten Schächten unter Tage präsentiert. Die 150 Jahre alte Drechslerwerkstätte des Urahns ist ebenfalls Teil der Ausstellung.


Begeisterte Besucher – treue Kunden

Ein ausgesprochener Fan des Museums ist Nah&Frisch Kaufmann Wolfgang Haspel. „Mir taugt beides: die Kunstwerke und das Schaubergwerk. Da hat man alles beisammen: Geschichte, Handwerk und wirklich schöne Kunstgegenstände.“ Die Begeisterung beruht freilich auf Gegenseitigkeit. „Wir kaufen das meiste beim Wolfgang“, sagt Niko Potsch, „weil man bei ihm Sachen kriegt, die sonst keiner hat – und weils wichtig ist, dass man sich gegenseitig unterstützt im Ort.“ www.felsenmuseum.at

Der Inhaber des Felsenmuseums, Niko Potsch, führt das Drechselhand- werk bereits in fünfter Generation weiter und fertigt in seiner Werkstatt Gegenstände aus Edelserpentin. Neben Werkstättenführungen bietet er auch Edelserpentin-Schleif-Workshops an.




Jedes Objekt schimmert nach dem Polieren in einem anderen Grün und ist ein Unikat, das man nur im Museumsshop erwerben kann.





„Der grüne Edelserpentin wurde auch als österreichische Jade bezeichnet – wegen seiner Ähnlichkeit mit chinesischer Jade.“

Einst führte die Römische Bernsteinstraße an der Gemeinde Bernstein im Burgenland vorbei – daher der Name.





Auf einer 1.000 m² großen Ausstellungsfläche werden im Felsenmuseum Bernstein eine Vielzahl an Exponaten aus Bernstein (oben) und Edelserpentin sowie histori- sches Grubenwerkzeug (rechts) präsentiert. Ein Teil der Ausstellungsräume befindet sich unter Tage.










EDELSERPENTIN-FAN

„Es ist super, wenn man so eine Rarität im Ort hat. Zu uns kom- men Besucher aus aller Welt, da kann man schon stolz sein.“

Nah&Frisch Kaufmann Wolfgang Haspel in Bernstein, Bgld.

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www.milka.at