Geburtstagsbräuche

Ein Hoch

auf den Geburtstag!

Torten, Geschenke und Glückwünsche zum neuen Lebensjahr – all das war früher völlig unbekannt. Der Geburtstag ist nämlich eine „Erfindung“ des 19. Jahrhunderts. Seither hat sich hierzulande eine Vielzahl an Bräuchen entwickelt.


Text: Cornelia Feiertag

Lärmbräuche wie das Böllerschießen zu runden Geburtstagen sind in Kärnten und Salzburg weit verbreitet.

M

an mag es kaum glauben: Jedes Jahr Geburtstag zu feiern wurde früher als heidnischer Brauch abgetan und war verpönt. Lediglich

das Feiern der runden Geburtstage im hohen Alter war geduldet. Im Christentum wurde deshalb bis ins 19. Jahrhundert hinein vorrangig der Namenstag gefeiert. Nur das Gedenken an den Todestag des Namenspatrons war damals legitim.


Wie gut, dass heutzutage andere Sitten herrschen – denn Geburtstag feiern wir alle gerne. Im Laufe der Zeit hat sich in den unterschiedlichen Regionen unseres Landes eine Vielzahl von Traditionen entwickelt – von Lärm- über Rügebräuchen bis hin zu musikalischen Darbietungen und kulinarischen Geschenken. Ein kleiner Überblick von A bis Z.


Ausblasen

Ohne Frage: Geburtstagskerzen gehören einfach dazu. Wer es schafft, alle auf einmal auszublasen, darf sich etwas wünschen. So selbstverständlich uns diese Tradition erscheint, auch sie hat heidnische Wurzeln: Der Rauch der ausgeblasenen Kerzen sollte ursprünglich die Wünsche zu den Göttern emportragen.


Böllerschießen

Im Kärntner Lavanttal werden Jubilare an runden Geburtstagen mit lauten Schüssen aufgeweckt. Mit dem Lärm soll das Böse von den Geburtstags- kindern ferngehalten werden. Auch im Salzburger Großarltal ist zu Geburtstagen das Böllerschießen weit verbreitet. Damit sollen gute Vor- zeichen für das neue Lebensjahr erwirkt werden. Bei der Salve (auch Salut genannt) sind drei Schüsse gebräuchlich, als Symbol für das Abgeschlossene, Vollendete und Vollständige. (Siehe auch > Lärmbräuche)


Geburtstagsmarsch

Mit Pauken und Trompeten kommt die örtliche Blasmusikkapelle in allen Teilen Österreichs zum Haus des Jubilars und zieht dort alle Register ihres Könnens. Natürlich wird das vom Geburtstagskind entsprechend honoriert – zumindest ein Umtrunk ist Ehrensache.


Geschenkkörbe

Nahrungsmittel wurden bereits im Mittelalter in Schalen oder Körben verschenkt. Die dargebrachten Gaben sollten Glück und Gesundheit bringen – wie z. B. Brot als Symbol für das Leben und Salz für das Wohlergehen. Dass Nahrung allgemein eher rar war, machte diese Geschenke besonders wertvoll. Haltbare Lebensmittel wie Wurst, Knabbereien oder Eingelegtes, die in einem liebevoll dekorierten Korb verschenkt werden, haben auch heute noch Tradition. Besonders zu runden Jubiläen – mit der Geburts- tagszahl aus goldenem oder silbernem Karton geschmückt – sind sie sehr beliebt.


Godelkochen zur Geburt

Aus dem Burgenland kommt dieser liebenswerte und zugleich praktische Brauch: Die Taufpatin der Wöchnerin verpflegt deren Familie in den ersten Tagen nach der Geburt mit Essen. Natürlich abgestimmt auf die individuellen Präferenzen. Denn mit den Lieblingsspeisen im Kühlschrank lassen sich die kurzen Nächte gleich viel leichter durchwachen.


Kehren

Hierbei handelt es sich um einen ursprünglich mitteldeutschen Brauch, der sich auch in unseren Breitengraden wachsender Beliebtheit erfreut: Vor einem öffentlichen Gebäude, einer Schule oder dem Rathaus versammeln sich Freunde und Schaulustige, um unverheirateten Männern ein besonderes Geschenk zum 30. Geburtstag zu machen.


Sie verstreuen Sand, Sägespäne, Kronkorken oder anderen kleinteiligen Abfall, der vom Außerwählten weggekehrt werden muss. Allerdings wird der Besen zuvor von der Geburtstagsgesellschaft präpariert – indem man ihm z. B. die meisten Borsten ausreißt. Bessere Reinigungswerkzeuge muss sich der ledige Jubilar in einem Frage-Antwort-Spiel erarbeiten. Erlösung bringt schließlich nur der Kuss einer unverheirateten Frau – ein spannendes und äußerst lustiges Unterfangen, bis sich endlich jemand des armen Tropfs erbarmt. (Siehe auch > Rügebräuche)


Klinken putzen

Die weibliche Entsprechung zum Kehren – hier kommen unverheiratete Frauen an ihrem 30. Geburtstag zum Handkuss. Die Vorgehensweise ist ähnlich, was den Veranstaltungsort betrifft. Jedoch müssen die Damen Türklinken von diversen Verunreinigungen (Zahnpasta, Mayonnaise, Senf oder Honig) befreien. Auch in diesem Fall kann die Unglückliche nur durch den Kuss eines Junggesellen von der unwürdigen Tätigkeit befreit werden. Mancherorts wird dieser Brauch abwechselnd (Schaltjahr) zum Kehren praktiziert. Was sich da wie dort unbedingt empfiehlt, ist das Ein- holen einer Genehmigung – eingeweihte Verbündete erleichtern diese Brauchtumspflege ungemein.


Lärmbräuche

In zahlreichen Bräuchen wird mit Lärm ein unerwünschtes Gegenüber bekämpft – sei es der Winter, der ausgetrieben wird, oder das Böse, das verscheucht werden soll. Bei Geburtstagen wird vielerorts mit Musikin- strumenten, Schlagutensilien und Böllern Krach gemacht. So laut, dass es zumindest das Geburtstagskind deutlich vernehmen kann. Damit soll einerseits Aufmerksamkeit geweckt und andererseits Unglück vom Jubilar ferngehalten werden.


Lebenskerze

An einem speziellen Platz aufgestellt, brennt sie den ganzen Geburtstag lang und begleitet manche Kinder schon von der Taufe an. Die Zahlen- leiste auf der Kerze steht für die Lebensjahre und endet meist mit dem 18. Geburtstag. Das Abbrennen symbolisiert das Ablaufen der Lebensjahre, das Feuer soll das Geburtstagskind im neuen Lebensjahr vor Unglück bewahren.


Niederlegen

In der Nacht vor dem runden Geburtstag wird dieser Brauch u. a. in Kärnten zelebriert. Eine illustre Gesellschaft überbringt dem Geburtstags- kind abends ein Nachtgewand, eine Zahnbürste, einen Nachttopf, eine Kerze sowie ausreichend Stärkung in flüssiger sowie fester Form. Vor dem Eintreten ins Haus werden Ständchen gesungen, dann kleidet man den Jubilar mit dem Nachthemd ein und überreicht feierlich Nachttopf und Kerze. Das Zähneputzen gehört wie das Singen von Schlafliedern zum Pflichtprogramm. So richtig auf den Ehrentag angestoßen wird dann aber erst nach 24 Uhr. Damit beginnt das neue Lebensjahrzehnt gleich viel beschwingter.


Rügebräuche

Sie erinnern an eine Strafe, die nach altem Glauben Menschen erteilt wird, die sich nicht fortpflanzen: Man glaubte, sie müssten später im Jen- seits Sinnloses verrichten. (Siehe auch > Tierische Rügebräuche)


Ständchen

Wie schön, dass du geboren bist: 1981 vom deutschen Liedermacher Rolf Zuckowski geschrieben, ist es eines der wenigen deutschsprachigen Geburtstagslieder und zählt auch zu den bekanntesten Kinderliedern. Besonders beliebt ist der Refrain:


Wie schön, dass du geboren bist,

wir hätten dich sonst sehr vermisst.

Wie schön, dass wir beisammen sind,

wir gratulieren dir, Geburtstagskind!


Strohpuppen

In Niederösterreich und der Steiermark ist es üblich, Strohpuppen mit persönlichen Zügen des Jubilars vor das Haus zu stellen. Die Freunde und Familie tragen dafür allerlei Requisiten zusammen und ziehen der Puppe alte Kleidung des Geburtstagskinds an. Ein großes Hinweisschild mit dem Alter des menschlichen „Originals“ darf natürlich nicht fehlen.


Tierische Rügebräuche

Unverheiratete Männer bekommen zu ihrem 30er in manchen Gemeinden Niederösterreichs einen Sauschädel geschenkt. Und wer zehn Jahre später noch immer nicht vergeben ist, darf sich auf einen Stierschädel freuen. Angesichts dieser Perspektiven werden wackere Junggesellen gerne freiwillig einen Zahn zulegen bei ihren Liebesmühen. (Siehe auch > Rügebräuche)


Zwangspoltern

Wer in manchen Regionen Oberösterreichs 30 Jahre alt wird und noch ledig ist, muss poltern – auch ohne Hochzeit. Die Aufgaben, die der Jubilar zur Belustigung der Geburtstagsgesellschaft zu erledigen hat, sind vielfältig: Der „Glückliche“ wird mit einem vollgepackten Trolley durch die Straßen geschickt, um den Inhalt an Passanten zu verkaufen, von denen er an- schließend einen oder eine in ein bestimmtes Lokal tragen muss. Hier erwartet ihn die nächste Aufgabe: Er hat von den Gästen 5 Euro zu erbetteln, um sich einen Becher „Heiße Liebe“ zu genehmigen. Hat er sämtliche Aufgaben erfüllt, wird gemeinsam mit der Geburtstagsgesellschaft ausgiebig gefeiert. (Siehe auch > Rügebräuche)


Und die Moral von der Geschicht’: Älterwerden schadet nicht! Solange man es mit Humor packt, tut ein weiteres Jährchen am Buckel nicht wirklich weh.

Der Böllerschuss soll Unglück vom Geburtstagskind fernhalten.

Fotos: Mauritius Images, Österreich Werbung/Grieder, Imago, beigestellt

Der Rauch der ausgeblasenen Kerzen soll den Wunsch zu den Göttern tragen.

Ein (Plastik-)Schweinskopf zum Dreißiger: In manchen Regionen ist es üblich, ledigen Männern als „Rüge“ für ihr Unverheiratetsein einen Sauschädel zu schenken. Strohpuppen als Ebenbild des Geburtstagskindes erfreuen sich v. a. in Ostösterreich großer Beliebtheit.

{MEI GSCHICHT}

„In unserer Familie muss das Geburts- tagskind unter einer Brücke durchgehen. Alle Familienmitglieder halten dafür die Arme hochgestreckt und sagen: ,Ziehe durch, ziehe durch, durch die goldne Brücke. Die Brücke ist gebrochen, wir wollen sie wieder machen. Aus was denn, aus was denn? Aus lauter Gold und Edelstein. Der Letzte muss gefangen sein!‘ Und da senken sich die Arme und ,fangen‘ das Geburtstagskind ein. Dann wird es von allen umarmt und geküsst.“


Elfi Haas, 4310 Mauthausen,

Kundin von Nah&Frisch Kaufmann Johann Strasser in Perg, OÖ

Verspätete Gratulation

Wenn sich jemand verspätet mit Geburtstagswünschen einstellt, lautet die alles entscheidende Frage: „Hast eh noch kein Sauerkraut gegessen?“ Steckt dahinter nur ein altherge- brachtes Ablenkmanöver oder doch mehr? Sauerkraut ist bekanntlich Weißkraut, das durch Gärung sauer geworden ist. Umgemünzt auf die ver- späteten Wünsche meint diese Frage deshalb eigentlich: „Bist hoffentlich eh nicht sauer auf mich?“

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