Persönlich für Sie da

Kaufmannsfamilie Walenta

Kirchberg am Walde, Waldviertel

Drei Kaufleute-Generationen (v.l.n.r.): Vater Karl, Juniorchef Andreas, Opa Karl Walenta.

Fotos: Sebastian Freiler

Im ersten Stock über dem heutigen Geschäft ist das Kaufhaus-Museum der Familie Walenta untergebracht.

„Die Kassa“, erzählt Opa Walenta, „die hat nichts getaugt. Ich hab alles auf Zettel geschrieben und zusammengerechnet.“

Im Geschäftsbuch des Urgroßvaters sind alle Einnahmen und Ausgaben seit der Eröffnung am 15. August 1934 aufgeführt.

Oma Maria mit einem von ihr liebevoll gestalteten Geschenkkorb.

Andreas Walenta in seinem neuen Geschäft in Waldenstein.

W

er das Geschäft der Walentas in Kirchberg am Walde (NÖ) betritt, begibt sich auf eine Zeitreise. Ebenerdig ist es ein moderner Nahversorger mit

allem, was dazugehört – von der Feinkosttheke mit frischem Fleisch, Wurst und Käse bis zur einladenden Obst- und Gemüseabteilung. Im Seitentrakt des Geschäfts ist der Werkzeug- und Baustoffhandel untergebracht, den schon der Urgroßvater betrieben hat. Geht man aber vorbei an den Schraubenregalen und über eine Treppe hinauf in den ersten Stock, öffnet sich eine andere Welt. Große, bauchige Flaschen stehen am Boden, von der Decke hängen Sensen, Sicheln und Holzschuhe, bunte Blechschilder bewerben Produkte aus den 30er, 50er und 60er Jahren. Hinter dem Verkaufstisch steht ein großes hölzernes Gewürzregal mit zahllosen kleinen Schubladen. „Zimt“, „Tee“, „Anis“, „Kümmel“ steht in Frakturschrift auf den Laden. Wenn man sie öffnet, duftet es noch immer heraus.


Eröffnung am 15. August 1934

„Die sind noch aus den 30er Jahren, wie der Uropa das Gschäft aufgesperrt hat“, erzählt Andreas Walenta, der Urenkel des Gründers, der heute das Geschäft in 4. Generation führt. Der 28-Jährige spricht stolz von den Anfängen des Nah- versorgers in Kirchberg. Am 15. August 1934 wurde „Karl Walenta Spezereien“ er- öffnet. „Spezereien“ bedeutete im 19. Jh. Gewürzhandel (vgl. engl. „Spices“), hatte sich aber danach als Bezeichnung für Lebensmittel und Delikatessen ein- gebürgert. Andreas schlägt das große Geschäftsbuch auf, in dem vom ersten Tag an alle Einnahmen und Ausgaben fein säuberlich aufgeführt sind. „Ja, der Uropa war ein ganz genauer, und mein Opa“ – dabei lächelt er dem heute 79- jährigen Karl Walenta zu, der neben uns steht – „hat alles aufgehoben.“


Kaffeerösten nach dem Krieg

Mit den Vornamen ist es bei den Walentas so eine Sache. Der Uropa hieß Karl, der Opa heißt Karl, der Vater heißt Karl und die beiden Söhne heißen – Karli und Andreas. „Des war damals so üblich“, lacht Opa Karl Walenta und beginnt vor einem schwarzen gusseisernen Ofen zu erzählen: „Damit haben wir schon in den 30er Jahren Kaffee geröstet. Nach dem Krieg ist einmal in der Nähe ein Waggon liegen geblieben, den haben die Leute aufgebrochen – und was war drin: echter Rohkaffee. Damals hat man ja nur Malzkaffee gehabt, Bohnenkaffee war ein Luxus, und plötzlich sind alle zu uns gekommen mit dem Kaffee aus dem Waggon und wir haben geröstet und geröstet. Von 3 Uhr in der Nacht bis am Abend, in einem durch. Das Holz haben uns die Bauern gebracht und wir haben ihnen dann den Kaffee mit einem kleinen Aufschlag verkauft.“


Wenn der Lehrer ins Gschäft kommt …

Auf dem Verkaufstisch steht eine große alte Kassa. „Die hat nichts getaugt“, sagt Opa Walenta mit einer abfälligen Handbewegung. „Ich hab immer alles auf Zettel geschrieben und zusammengerechnet“, erzählt er weiter. „Da ist einmal mei Lehrer von früher einkaufen gekommen und ich hab alles aufgeschrieben gehabt und einen Strich gemacht. Dann hab ich noch was holen müssen, bin gegangen, und wie ich zurückkomm, hat ers schon zusammengezählt gehabt. Na, ich habs natürlich noch einmal nachgerechnet – und es war falsch! Da hab ich mir einen Rotstift geholt und habs korrigiert“, schmunzelt er. „,Du Hundling, du!‘, hat der Lehrer gerufen – und beide haben wir gelacht. Er ist dann Bürger- meister geworden und wir waren nachher die besten Freunde.“


Marketing in der Nachkriegszeit

„Das war die erste Maschin vom Vater“, erzählt Opa Walenta und zeigt auf die schwere braune Schreibmaschine. Wo- für man die als Kaufmann gebraucht hat, wollen wir wissen. „Na, für die Werbung! Mit der hat der Vater seine Listen geschrieben mit Aktionen. Alles, was im Angebot war. Und mit der Matrize“, fährt er fort und zeigt auf den Apparat mit der Drehkurbel, „hat ers kopiert. Dann bin ich mitm Fahrradl in die Ortschaften gefahren, weil ich dort meine Kinder ghabt hab. Und wenn mich die gesehen haben, sinds schon angerannt gekommen. Die haben mir die Zettel ausgetragen in allen Häusern im Ort und dann hams an Schoklad gekriegt. Damit waren wir mit unseren Aktionen schneller als die anderen.“


Geschäftsphilosophie: „Klaweis wachsen“

In der Zwischenzeit hat sich Vater Karl Walenta zu uns gesellt, der heute 57 ist. 1994 hat er das Geschäft mit seiner Frau Maria übernommen. Er war es auch, der das Geschäft ab den 90er Jahren schrittweise ausgebaut hat. „Klaweis wachsen“ nennt er seine Philosophie: „Ich sag immer, es ist gscheiter, klein und gesund zu wachsen als groß und dann streuts dich auf.“ Alle fünf Jahre haben sie seit damals weiter ausgebaut. „Am Anfang haben wir 70 m2 gehabt, jetzt sinds über 400!“, lacht er und zeigt stolz auf die neuen Räume des Geschäfts. Aber auch noch eine andere wichtige Einsicht erläutert uns Karl am Beispiel seines Geschäftsausbaus. „Ich hab immer geschaut, dass ich alle Produkte und Handwerker, die ich brauch, aus der Region bezieh: Baumeister, Zimmermann, Elektrogeräte, Fliesen – die waren alle aus der Umgebung. Und das kommt wieder zurück. Ich sag immer, irgendwo weit entfernt einzukaufen, weils dort um 5 Cent billiger ist, das rächt sich.“ Darum achtet er auch darauf, möglichst viele Lebensmittel im Geschäft aus der Nähe zu beziehen. Kartoffeln, Eier, Kümmel kommen bei den Walentas direkt aus’m Dorf, Mohn, Fleisch und viele andere Produkte aus der Region.


Einkaufen als soziale Beziehung

Beim Thema Einkaufen kommt Vater Karl Walenta so richtig in Fahrt. „Ich geh zum Tischler, wenn ich was brauch. Und dann tratsch ich mit dem und wir verhandeln und irgendwann sind wir uns einig. Das ist ja mehr als Einkaufen. Das sind soziale Beziehungen. Und daraus entstehen dann Bekanntschaften und Freundschaften. Und wennst immer nur sonstwohin fahrst, damitst ein paar Euro sparst, dann verlierts sichs halt. Weil die sozialen Bindungen sind das Wichtigste.“ Dabei zeigt Karl auf den Computer auf seinem Verkaufstisch und schüttelt den Kopf. „Ich sag immer, die Menschheit verblödet. Immer Auto fahren, nicht mehr rausgehen, nur noch daham hocken und alles ausm Internet holen. Und am Ende bestellt der Kühlschrank das Packerl Butter für mich, da brauch ich mich um gar nichts mehr kümmern. Ich find das nicht gut. Weil die sozialen Kontakte verkümmern.“


Das Kaufhaus als Treffpunkt

Darum ist er auch stolz darauf, dass sein Geschäft ein Kommunikationszentrum ist. „Weil wo triffst dich im Ort? In der Kirche, auf der Bank, beim Doktor – und beim Kaufmann. Die Leut kommen nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Tratschen. Und das ist wichtig. Die Männer schauen bei uns vorbei, bevor sie aufs Feld fahren, holen sich einen Kaffee oder ein Bier, plaudern a Randl, und dann gehts an die Arbeit. Und die Damen kommen allein oder zu zweit, lassen sich hier einen Kaffee herunter und gehen ihre Runde durchs Geschäft. Ich sag immer: Einkaufen ist mehr als Sachen in den Korb legen und bezahlen.“


Das Feiern gehört dazu

„Das Leben ist ja nicht nur Arbeit“, fährt Vater Walenta fort. „Jeder Mensch braucht ein Hobby. Unseres ist die Feuerwehr – da sind wir jetzt schon in der 3. Generation dabei. Auch dort entstehen Freundschaften und wichtige soziale Kontakte.“ „Das Zusammenhocken gehört einfach dazu“, ergänzt Andreas, „und wenns was zu feiern gibt, wird gefeiert. Zur Eröffnung vom neuen Geschäft in Waldenstein haben wir das ganze Dorf drei Tage lang eingeladen – da redens noch davon.“ Opa Karl nickt zustimmend. „Na sicher, ma sitzt zamm und redt miteinander, des is wichtig!“ Wir gehen noch einmal über die Treppe hinauf in die Museumsräume, wo sich die Familie am Schreibtisch des Urgroßvaters zusammenstellt. „Aber das Wichtigste sind die Kinder!“, sagt Opa Karl und schaut auf seine Enkel Andreas und Karli. „Des is unser Glück, dass immer aner hintnoche kummt!“ Die Familie lacht. Dann heißt es, Haltung annehmen für den Fotografen. Darauf, wie sich der Nahversorger seit den Tagen von Urgroßvater Karl Walenta und seinen „Spezereien“ entwickelt hat, sind sie alle sichtlich stolz. Wirft man einen Blick auf das heutige Geschäft und seine Bedeutung im Ort, kann man nur sagen: mit gutem Grund.

„Der Opa hat alles aufgehoben – und die Oma hats  sortiert.“

Kaufleute-Familie mit Sinn fürs Geschäft und für Geselligkeit (v.l.n.r.): Karli Walenta mit Mutter Maria, Vater Karl, davor Juniorchef Andreas, Oma Maria und Opa Karl Walenta.

Seit den 30er Jahren wurde im Kaufhaus Walenta das „Luxusprodukt“ Bohnenkaffee geröstet, in eigenen Seidenpapiersackerln verpackt und verkauft.

„Die sind noch aus den 30er Jahren, wie der Uropa das Gschäft aufgesperrt  hat.“

DIE GSCHÄFTE

Nah&Frisch Walenta- Kirchberg am Walde 59, 3932 Kirchberg am Walde, NÖ


Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 6:30–12:00 Uhr, 14:15–18:00 Uhr,

Samstag: 7:00–12:00 Uhr

Telefon: 02854/7050

www.nahundfrisch.at/de/kaufmann/walenta


Nah&Frisch Walenta- Waldenstein

Nr. 5/1 3961 Waldenstein, NÖ


Öffnungszeiten:

Mo, Di, Mi, Fr: 7:00–12:00 Uhr,

15:00–18:00 Uhr, Do: 7:00–12:00 Uhr;

Samstag: 7:00-18:00 Uhr

Telefon: 02855/71010

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