Saisonkalender

Frisch vom Baum

Alte Apfelsorten erfreuen sich in den heimischen Obstgärten wieder steigender Beliebtheit. Kein Wunder, sind sie doch geschmacklich wahre Gaumenfreuden.


Text: Christine Fehringer

1. GRAVENSTEINER

(Ernte: August bis September)

Der sehr große, rot gesprenkelte Kulturapfel dürfte ursprünglich aus Dänemark stammen. Heute ist er in ganz Europa weit verbreitet, ebenso in Teilen Kanadas und der USA. Apple- Gründer Steve Jobs soll laut seiner Biografie zum Markennamen gekommen sein, nachdem er wochenlang Gravensteiner-Bäume in Oregon beschnitten hatte. (Eine ähnliche Version der Geschichte gibt es allerdings auch zur Sorte McIntosh.) In Europa ist der Gravensteiner sehr beliebt als Mostapfel, weil er groß und saftig ist.


Köstliche Apfelwähen gelingen mit ihm beson- ders gut. Soll es schnell gehen, legt man einen gekauften Mürbteig in eine runde Springform und zieht den Rand 3 cm hoch. Die entkernten, dünn geschnittenen Äpfel darauf verteilen und nach Belieben ein paar gehackte Haselnüsse darüberstreuen. 2 Eier, 200 ml Schlagobers, 150 ml Milch, ½ Pkg. Vanillepudding, 5 EL Zucker und ½ TL Zimt gut verquirlen und Äpfel begießen. Bei 180 °C ca. 40 Minuten backen und lauwarm servieren.

1. GRAVENSTEINER

Fotos: Teubner Foodfoto, Mauritius Images, Dorling Kindersley/Clive Streeter, Stockfood, 123rf, beigestellt

2. WEISSER KLARAPFEL

(Ernte: Juli bis August)

Der kleine Sommerapfel ist am besten zum Frischverzehr geeignet. Die Schale ist hellgelb, das Fruchtfleisch saftig, locker und zart. Wird er nicht gleich vernascht, eignet er sich aufgrund seiner saftigen Konsistenz gut für Apfelstrudel.

2. WEISSER KLARAPFEL

3. STEIRISCHER MASCHANZKER

(Ernte: Ende Oktober)

Dieser saftige Winterapfel wuchs ursprünglich in der Steiermark. Bis vor ca. 50 Jahren war er ein steirischer Exportschlager, heute ist die Zahl der Bäume in Österreich verschwindend klein. Der hellgoldgelbe, glänzende Apfel ist nicht sehr groß und kugelbauchig. Er schmeckt angenehm würzig, etwas weinig und süß. Die Bäume werden nur mittelgroß und gedeihen am besten auf lehmigem Boden.


Diese Sorte lässt sich bestens zu Most verarbeiten, ebenso beliebt ist sie für die sortenreine Her- stellung von Maschanzker Apfelbrand. Möchte man ihn weniger hochprozentig verarbeiten, ist er ein idealer Apfel zur Dörrobstherstellung. Das ist einfach und braucht nur etwas Geduld während des Trocknens. Mit einem runden Apfelausstecher vom Kerngehäuse befreien, in dünne Scheiben schneiden und im Dörrapparat oder auf einem Blech im Backrohr langsam dörren. Apfelspalten sind die perfekten Energiespender für Naschkatzen, die zwischen- durch gerne gesunde Vitaminbomben knabbern.

3. STEIRISCHER MASCHANZKER

4. COX ORANGE

(Ernte: Ende September )

Der aus England stammende Apfel gehört zu den Renetten, einer Gruppe von Apfelsorten, die besonders dichtes und markiges Frucht- fleisch aufweisen. In Österreich wird er sehr selten angebaut. Er gilt als besonders gefragte Rarität, denn sein Aroma ist unvergleichlich. Wichtige Apfelsorten wie Red oder Golden Delicious sowie Gala und Elstar

stammen vom Cox ab.


Für Bratäpfel eignet sich diese Sorte besonders gut. Dazu 4 Äpfel halbieren und die Kernge- häuse kreisrund ausschneiden. Marzipan mit Zimt- und Nelkenpulver glatt rühren und ein paar Rosinen zugeben. In die kleinen Apfel- mulden einfüllen und bei 180 °C ca. 25 Minuten braten. Als Nachspeise auf Vanillespiegel oder als Beilage zu Wildgerichten servieren.

4. COX ORANGE

5. ROTER BOSKOOP

(Ernte: Oktober)

Boskoop ist ein Ort in Holland, von wo aus dieser ertragreiche Baum in die Welt hinaus „gepflanzt“ wurde. Es gibt kaum bessere Äpfel für Kompott, Apfelmus und Apfelkuchen. Vom Baum gepflückt ist er erst noch hart, wird aber mit zunehmender Lagerzeit immer roter, mürber und geschmacksintensiver. Heute zählt der Boskoop zu den Raritäten, wird jedoch wieder vermehrt angebaut.


Für Apfelmuffins 4 Äpfel schälen und in kleine Würfel schneiden. 130 g Mehl, 130 g Zucker, 1 Messerspitze Backpulver, 3 Eier und 1 TL Zimt zu einem Rührteig verarbeiten, ein paar gehackte Walnüsse dazumischen, Apfelstückchen unter- heben. Teig in mittelgroße Muffinförmchen füllen und bei 160 °C 30 Minuten backen. Nach dem Auskühlen mit Staubzucker bestreuen. Die Muffins lassen sich gekühlt einige Tage in der Dose aufbewahren und bleiben dabei saftig und gut.

5. ROTER BOSKOOP

6. WALDVIERTLER BÖHMER

(Ernte: September)

Der glatte, glänzende, mittelgroße Herbstapfel mit purpurroten Bäckchen könnte Schneewitt- chen verführt haben. Beißt man in eine direkt vom Baum gepflückte Frucht, spürt man das erfrischend säuerliche Fruchtfleisch auf der Zunge. Wegen der hohen Saftausbeute ist er als Mostapfel sehr beliebt. Nach dem Auspflanzen wächst der Baum sehr schnell und bringt bald alle zwei Jahre großen Ertrag.


Sehr gut schmeckt er zu Apfelmus verkocht: Dazu ein Kilogramm Äpfel entkernen, in kleine Stücke schneiden und samt der Schale in einem Kochtopf mit Dampfeinsatz weich dünsten. Die noch heißen Apfelstücke mit einer Flotten Lotte passieren, um die Schalen vom Mus zu trennen. Zimt, Zucker sowie etwas Zitronensaft zugeben und noch einmal kurz aufkochen. Entweder gleich essen oder in große Einweckgläser abfüllen und später genießen.

6. WALDVIERTLER BÖHMER

Michaela Heiß, Kauffrau in Rohren- dorf, NÖ, bezieht ihre Äpfel von ihrem Obstbauern Markus Oßberger aus’m Dorf.  www.ossbergerwein.at

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