Mitten im Ort

Ein Bad

in der Natur

Der gelernte Fassbinder Reinhard Gugler hat sich auf die Fertigung von Holzbadewannen und Badebottichen verlegt. Jedes Stück ist ein handgemachtes Unikat.

Text: Marko Locatin Fotos: Sebastian Freiler

W

enn man mit der Innenfläche der Hand langsam über das Rund seiner Badewannen streicht, hat man ein Gefühl, als wären sie aus

einem Stück gefertigt. Kein Widerstand, keine Fuge, kein Hindernis stört die fließende Bewegung. Das geölte Holz fühlt sich warm und wertig an – es ist ein vertrautes Gefühl. Wir befinden uns in Aschbach im Mostviertel in der Werkstatt von Reinhard Gugler.


Seit einigen Jahren baut der gelernte Tischler und Fassbinder keine Fässer, sondern hochwertige Badewannen und Badebottiche. Wobei unter Bade- bottich eine Art Whirlpool aus Holz für den Außenbereich zu verstehen ist, wie sie in Finnland und Norwegen verbreitet sind. Wie er vom Fass auf die Wannen kam, offenbart uns Gugler an seinem Lieblingsplatz hinter der Werkstatt.


Eine Idee gewinnt Gestalt

„I wollt was Eigenes machen, net immer nur Fassln bauen. Irgendwann is ma das mit den Holzwannen eingfallen. Da hab i erst einmal lang, sehr lang überlegt und eigentlich nie drüber gsprochen“, erzählt Gugler, während er versonnen auf den kleinen Forellenteich zu unseren Füßen blickt. Ein Ei-Oval sollte es werden, „was Elegantes, nach oben hin geschwungen“. Langsam, aber sicher nahm die „Schnapsidee“ konkrete Formen an, er brachte sie auch zu Papier, um mit einem Freund zu überlegen, wie man so was produzieren könnt. „Das is komplizierter, als man denkt. Also hab i net nur angfangen zu tüfteln, sondern auch mit meiner Familie und Freunden darüber zu reden. Meine Schwester hat dann irgendwann gsagt: ,Du redst immer nur drüber, jetzt mach amal endlich eine!‘“


Baden im Freien

Der findige Fassbinder baute sich eine Fräsmaschine, um die benötigten Hölzer exakt zuzuschneiden. Der Zusammenbau funktionierte dann wie bei einem Fass, bald war der erste Bottich gefertigt und beeindruckte die ersten Interessenten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Manche verliebten sich in das Western-Flair des Bottichs, andere schätzten einfach die Natürlichkeit. „Es gibt ja irrsinnig viele Whirlpools, aber mei Bottich ist quasi a natürliche Alternative zum Jacuzzi aus Plastik. Ma sitzt dann im Winter bei 38 Grad im dampfenden Wasser. Schon a tolle Sache. Und fürs Badezimmer kannst dir mit meiner Wanne die Natur ins Haus holen. Das is heimelig und kuschelig, das Wasser bleibt auch länger warm, denn Holz ist ein guter Isolator.“


Designpreis für die erste Holzwanne

Mit zunehmender Nachfrage gründete der ideenreiche „Bademeister“ seine Firma „Balu“. Der Name leitet sich übrigens nicht von der bekannten Disney-Figur ab, sondern steht schlicht für Badelust. Bald stellten sich die ersten Erfolge ein, seine Badewanne wurde sogar mit dem Designpreis und Kunsthandwerkspreis der Wirtschaftskammer Niederösterreich prä- miert. „Das war schon ein guter Schub am Anfang“, lacht Gugler. Bei der Fertigung konnte er auf sein bewährtes Fassbinderkönnen zurückgreifen.


Präzisionsarbeit in Sachen Holz

Mit einer computergesteuerten Fräsmaschine werden die einzelnen Bretter für die Wanne – die Dauben – auf 100stel Millimeter genau gefräst. Relativ aufwendig, wie Gugler betont, denn für die Maschine muss man ein eigenes Computerprogramm schreiben. Anschließend werden auf dem ebenfalls zugefrästen Wannenboden die geschwungenen Dauben wie bei der Fass- produktion aufgeklopft. Schließlich wird die Wanne verleimt, mehrmals geschliffen und geölt. Für die Stabilität werden Edelstahlseile verwendet, die „sich elegant ums Ei-Oval legen und mit einem Spanschloss zsamm- spannen lassen“, so Reinhard Gugler.


Naturwannen aus Nussbaum & Co.

„Eine Wanne kann ich aus verschiedensten Hölzern machen – Walnuss, Fichte, Lärche, Zirbe oder Eiche. Die Lärche ist rustikal, a dunkles Walnuss- holz macht sich besonders gut in modern ausgestatteten Badezimmern. Der Holztrend derzeit geht aber eindeutig in Richtung Eiche. Auch bei Böden. Zirbe muss man mögen, die is sehr geruchsintensiv, aber manche schwören drauf.“ Die meisten Hölzer stammen vom befreundeten Holz- händler, dem nahen Sägewerk oder direkt vom Bauern, der es aus eigenen Wäldern schlägt. „Ich lass es ausgiebig trocknen, es darf nämlich nicht nachtrocknen, denn im Badezimmer wird ja geheizt.“


Der Badebottich:

Sprudelfreude im Freien

Für den Badebottich hingegen kommt heimisches Lärchen- oder kanadi- sches Zedernholz zum Einsatz. Beide Hölzer sind extrem witterungsbe- ständig – die Lärche, weil sie harzig, die Zeder, weil sie ölig ist. Damit die Hölzer ihre besonderen Eigenschaften entfalten können, werden die Bottiche auch nicht geölt und bleiben natur. Die Holzverarbeitung selbst ist bei den Badebottichen nicht ganz so aufwendig wie bei der Wanne. Besondere Sorgfalt braucht es aber in Hinblick auf die Sprudelanlage. Auch hier setzt Gugler auf Qualität, die er nach langer Suche bei einem spezialisierten Waldviertler Unternehmen gefunden hat. „Alles hochwertige Edelstahlteile, i mach da ka Kunststoffdüse rein“, lacht er und meint, er müsse sich nach unserem Gespräch jetzt erst einmal entspannen. Wo?

„In meinem ersten Badebottich. Der steht nämlich gleich da drübn in meinem Garten.“

www.balubad.at

Wie das Fasslbinden ist auch das Bauen von Badebottichen und Holzbadewannen anstrengende Handarbeit, bei der es auf absolute Genauigkeit ankommt.

„Der Zimmermann arbeitet am Zentimeter, der Tischler am Millimeter, der Fassbinder 100 Prozent genau.“

Die astreinen Hölzer sind handverlesen, gut getrocknet und werden von Reinhard Gugler in der eigenen Werkstatt präzise verarbeitet.

Die nachstellbaren Stahlseile sorgen für die nötige Stabilität – und für eine gute Optik.

„Zirbenwannen sind sehr geruchsintensiv, aber manche schwören drauf.“

Der Badebottich wird wie ein kleiner Pool mit Pumpe für die Wasserzirkulation betrieben. Die Technik dafür ist elegant im hölzernen Anbau rechts am Bottich untergebracht.

NACHHALTIG ZUM ERFOLG

„Ich bewundere Menschen wie den Reinhard – der hat eine Idee gehabt, die hat er durchgezogen. Und das Produkt ist auch noch gut für die Umwelt. Hut ab!“

Paul Wimmer, Nah&Frisch Kaufmann in 3332 Rosenau, NÖ