Mei Wirtshaus

Wo die Gäste einen

Namen haben

Der Kölblwirt liegt auf 860 Meter Höhe und ist eine Legende im Bergsteigerparadies Gesäuse. Auch in der Speisekarte hinterlassen die Berge deutliche Spuren.

Text: Marcus Fischer

Regionale Spezialitäten und Bergsteigerkost vom Feinsten: Nicht immer leicht, aber immer schmackhaft.

Regionale Spezialitäten und Bergsteigerkost vom Feinsten: Nicht immer leicht, aber immer schmackhaft.

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en Kölblwirt gibts seit ewiger Zeit“, sagt Ludwig Wolf. Blickt man auf das stattliche Äußere des Hofes, kann man dem nur zustimmen. Wie einge-

wachsen liegt er an dem Hang, hinter dem sich der 2.251 Meter hohe Reichen- stein erhebt. „Wie alt der Hof ist, kannst nicht genau sagen. Aber unsere Köl- blalm mit der Rauchkuchl gibts seit 900 Jahren – reicht da des?“, fragt der Wirt lächelnd.


Es ist früher Vormittag. Die Wanderer und Bergsteiger sind längst aufgebrochen zu den Gipfeln der Hochtorkette. „Wir sind ein Bergsteigerdorf – und das schlägt sich bei uns auch auf der Karte nieder. Wenn wer vom Berg kommt, braucht er was Kräftiges. Wie die Holzknechtnockerl zum Beispiel, die werden abgebraten mit Zwiebeln, Speck und Erdäpfeln. Oder unser Erdäpfelschnitzel, ein Kartoffel- teig, gefüllt mit Schinken und Käse und dann paniert. Das gibt Kraft.“


Das Beste steht nicht auf der Karte

Aber natürlich bietet der Kölblwirt nicht nur Deftiges an. „Das Rindfleisch kommt von unserem Bio-Styria-Beef. Den ganzen Sommer über sind die Rinder oben auf der Alm – in biologischer Mutterkuhhaltung“, erklärt Wolf. „Außer- dem schlachten wir selber.“ Welchen Unterschied die Hausschlachtung macht? „Weniger Stress für die Tiere. Ich sag immer, wir haben die kürzesten Tier-Trans- portwege der Welt: genau fünf Meter.“ Wenn der Kölblwirt schlachtet, wird die ohnehin schon üppige Speisekarte noch reichhaltiger. „Bei uns wird alles ver- wertet: Die Knochen für die Suppe, die Leber, die Nierndln, das Beuschel, das haben wir dann alles auf der Karte.“ Was besonders beliebt ist? „Die Filetsteaks. Da sind unsere Gäste ganz narrisch drauf. Die bieten wir nicht an, die werden nachgefragt. Bei einem Rind hab ich maximal zwölf Filetstücke. Drum schreiben wir das gar nicht auf die Karte.“


Die „Mami“ der Strudelspezialitäten

Auch die meisten anderen Zutaten stammen aus der Nachbarschaft. Die Schwammerln und Beeren aus dem Wald, der Fisch vom Puchauer Sattel und die Schweine haben ihren Kobel direkt unten am Bach. Das Obst wächst im Gar- ten oder an den Spalierbäumen an der Südwand des Hauses. Je nach Jahreszeit zaubert die 85-jährige Oma, von allen „Mami“ genannt, ihre legendären Strudel daraus. „Aber jetzt brauchst nicht glauben, dass sie den Strudelteig kauft. Den machts immer noch mit der Hand.“ Überhaupt ist der Kölblwirt ein echter Fa- milienbetrieb: Ehefrau und Chefin Ingrid Wolf kümmert sich persönlich um die Gäste, Sohn Franz bedient und berät fachkundig zum Weinangebot, während sich Onkel Reinhold um den Hof und die Landwirtschaft kümmert.


Im September zieht das „Du“ ein

Die meisten Stammgäste sind Bergsteiger und -wanderer, erzählt Ludwig Wolf. „Das Gesäuse hat eine hohe Reliefenergie, d. h. große Höhenunterschiede auf relativ kurzer Strecke. Da kannst richtig klettern lernen.“ In den Wander- und Klettermonaten zieht beim Kölblwirt flächendeckend das Du ein. Das ist ihm auch persönlich am angenehmsten. „Weil das einfach unserer Haltung ent- spricht: Bei uns haben die Gäste Namen – und am liebsten Vornamen.“

www.koelblwirt.at

Fotos: Stefan Leitner, Helmut Froeschl

{MEI TIPP}

„Wir fahren oft nach Johnsbach rein zum Kölblwirt. Für Familienfeiern oder zum Wandern. Nach einer Bergtour sind die Holzknechtno- ckerl einfach ein Wahnsinn!“

Martha Unterberger, Nah&Frisch Kauffrau in Ardning, Stmk.

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.sheba.at

Regionale Spezialitäten und Bergsteigerkost vom Feinsten: Nicht immer leicht, aber immer schmackhaft.

Kölblwirt Ludwig Wolf mit Styria-Beef-Nachwuchs.

Regionale Spezialitäten und Bergsteigerkost vom Feinsten: Nicht immer leicht, aber immer schmackhaft.

Uriger Sauna-Kamin im Keller. Oben: Die „Mami“ beim Blätterteigziehen.