Nah is guat

Die grüne Prinzessin

Eine Expedition zur Erbsenernte im Marchfeld

mit Gemüsebauer Felix Markoschitz und

Kaufmann Franz Pekarek.

Text: Marko Locatin Fotos: Sebastian Freiler

E

in flirrend heißer Junitag im niederösterreichischen Marchfeld. Wir sind allein unterwegs auf der Landstraße zwischen den Feldern des

rund 900 Quadratkilometer großen Anbaugebiets. Es ist Mittag und die Zeit scheint stillzustehen. Kein Auto, kein Traktor, nur die Weite der Felder. Als hinter einer Böschung eine riesige, leuchtend gelbe Erntemaschine auftaucht, wissen wir, wir sind am Ziel. Doch die Maschine steht still. Mitten auf dem Feld kniet Gemüsebauer Felix Markoschitz neben Nah&Frisch Kaufmann Franz Pekarek. Die Freunde spüren hier dem Geheimnis der „Grünen Prinzessin“ nach.


Die Reifeprüfung

Felix greift sich eine Schote, öffnet sie vorsichtig, prüft die wie grüne Perlen an einer Kette aufgefädelten Früchte erst mit den Augen, dann mit der Nase – und ist mit dem frischen Duft zufrieden. Anschließend schnuppert auch Franz ausgiebig, nickt anerkennend und lacht: „I bekomm scho Hunger auf a Schnitzerl und Risibisi.“ Das Schnitzerl muss heut noch ein wenig warten – jetzt wird einmal verkostet. Es knackt im Mund, die reife Erbse schmeckt frisch und fein süßlich. „Genau so müssen Erbsen dieser Qualität schmecken“, schwingt sich Felix auf sein imposantes Arbeitsgerät. Während er den Erbsenvollernter steuert, erzählt uns der Gemüsebauer einiges über Anbau und Qualitätsmerkmale der heiklen „Grünen Prinzessin“.


Perfekte Härte

„Entscheidend beim Erbsenanbau ist der Härtegrad“, erläutert Felix. Dieser wird mit einem eigenen Instrument, dem Tenderometer, bestimmt. Der Widerstand, den man aufwenden muss, um eine Erbse zu zerdrücken, ist entscheidend für die Qualität der „Prinzessin“. „Unsere Erbsen hier sind junge Erbsen, die auch für die Iglo Gemüsemischungen verwendet werden. Die Idealwerte liegen zwischen einem Tenderometerwert von 95–130. Auf unserem Feld hier waren es gerade um die 100. Das ist der ideale Erntezeitpunkt, denn mit jedem Tag, jeder Stunde, steigt dieser Wert.“


Das 25-Tonnen-Multitalent

Felix Markoschitz baut im Marchfeld auf rund 50 Hektar Gemüse an. Der Erbsenvollernter, in dem wir nun sitzen, arbeitet sich langsam, aber stetig durch das weite Feld. Stolze 25 Tonnen wiegt die Maschine. Er ist ein Alles- könner in der Verarbeitung. Vorne befindet sich die riesige Pflügwalze, die das gesamte Kraut und die Schoten aufpflügt. Dann gelangen die emp- findlichen, leuchtgrünen Früchte über das Steigband in eine Sortier- und Waschmaschine. „Dort sind Dreschtrommeln drin, die das Kraut von der Erbse trennen. Durch ein Sieb fallen sie dann auf ein Förderband, wo sie erneut gereinigt werden. Das überschüssige Kraut wird aussortiert und die Erbsen kommen schließlich in den sogenannten ,Bunker‘“, erklärt Markoschitz. Dieser Bunker ist ein Sammelgefäß, in dem die empfindliche Frucht zwischengelagert wird. Aber nur kurz, es ist für die Qualität ent- scheidend, die Erbse frisch in die Packung zu bringen.


90 Minuten nach der Ernte verpackt

Markoschitz’ Erbsen, die er für Iglo anbaut, sind bereits 90 Minuten nach der Ernte bei minus 21 Grad blitzgefroren in der Packung. Dass Tiefkühl- ware immer frischem Gemüse „unterlegen“ ist, sei übrigens ein Klischee, erläutert der Gemüsebauer. Die Erbse etwa sei tiefgefroren in deutlich

frischerem Zustand als das meiste Gemüse, das oft eine weite Reise hinter sich habe. Die wertvolle Hülsenfrucht habe, selbst erst nach einem Jahr aufgetaut, einen sehr geringen Vitaminverlust. „Es ist schon lustig, wenn ich als Gemüsebauer das sag, aber wennst mich vor die Wahl stellst: eine Woche alte ,frische‘ Erbsen oder tiefgefrorene, bin ich bei den Letzteren“, lacht Markoschitz.


Das Marchfeld von unten

Während wir hoch über dem Feld weiterfahren und die Ernte ihren Lauf nimmt, erzählt uns Felix über die Beschaffenheit seines weitläufigen Anbau- gebietes. Im Marchfelder Land fühle sich speziell die Erbse wohl, was am warmen Klima sowie den wasserdurchlässigen Böden liege. „Schnee gibts bei uns nur selten, und wenns übers Jahr durchschnittlich regnet, muss ich nicht einmal bewässern.“ Die Böden seien vielfältig, Schwarzerde-, Löss- und Schotterböden würden ideale Voraussetzungen zum Gemüseanbau schaffen. „Die Erbse mag leichten, wasserdurchlässigen Untergrund wie den Löss, über den wir grad fahren“, erläutert Felix. Die Vielfalt der Böden mache es möglich, individuell auf jede einzelne hier angebaute Gemüse- sorte – Spinat, Karotten oder eben Erbsen – einzugehen. Die Erbse werde je nach Witterung von Ende März bis Anfang Juni angebaut. Zweieinhalb bis drei Monate brauche sie, um zur idealen Reife zu gelangen, geerntet werde mehrmals im Jahr.


Zum Abschluss Schnitzel mit …

Wir bedanken uns bei Felix Markoschitz für die erhellende Erntefahrt und machen uns abschließend auf den Weg zum Nah&Frisch Geschäft von Franz Pekarek im nahe gelegenen Engelhartstetten. „Erst waren wir ein klassischer Nahversorger“, erklärt Franz, „aber wir erweitern ständig – unser Post-Partner- Service, Putzerei und Tabak sind seit dem Start dazuge- kommen, das kommt bei unseren Kunden super an.“ Ausgesprochen gut angenommen wird auch der eigene, großzügig angelegte Gastronomiebe- reich, in den uns Franz jetzt führt. „Ich hab was für uns vorbereiten lassen“, schmunzelt der Kaufmann, als wir uns setzen. Ausgehungert durch unsere Erbsenexpedition strahlen wir über beide Ohren, als wir sehen, was uns serviert wird: Naturschnitzerl mit Risibisi.

„Erbsen werden gestaffelt von Ende März bis Anfang Juni angebaut – und von Mai bis August geerntet.“

Perfekte Reife: Die Erbsen weisen einen Tenderometerwert von 100 auf. Innerhalb von 90 Minuten werden sie schockgefroren und behalten so ihre wertvollen Nährstoffe.

Der Alleskönner: Die 25 Tonnen schwere Maschine erntet, sortiert und wäscht die empfindliche Fracht. Im „Bunker“ der Erntemaschine wird die Erbse kurz zwischengelagert.

Kaum geerntet, laufen die Erbsen auf ein Förderband, wo sie von den Schoten befreit werden.

Die habens

GSUND FÜR UNS & GUT FÜR PRINZEN


❧ Die Kraftmacherin

Um unser Immunsystem fit zu halten, müssen wir Eiweiß aufnehmen. Hierzulande ist Fleisch der traditionelle Proteinlieferant. Als fettarme Alternative werden Hülsenfrüchte wie die Erbse immer beliebter, da diese durch ihre Ballaststoffe auch gut für den Darm sind.


Neben reichlich Kalzium, Magnesium, Zink, und Lecithin enthält die Erbse auch Saponine. Diese stärken das Immunsystem, sind als Gehirn- und Nervennahrung bekannt und senken auch noch unseren Choleste- rinspiegel. Verschiedene B-Vitamine, Vitamin C, Vitamin E und Carotin machen die Erbse endgültig zum rundum gesunden Nahrungsmittel. Die Österreicher genießen Erbsen übrigens am liebsten als Beilage oder im Reis als Risibisi.


❧ Die Prinzessinnen-Probe

Die Erbse spielt in vielen literarischen Zeugnissen eine Rolle – am

prominentesten wohl in Hans Christian Andersens Märchen von der „Prinzessin auf der Erbse“:


Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten. Eines Abends klopfte eine vom Regen durchnässte, junge Frau am Tor. Weil sie behauptete, eine Prinzessin zu sein, stellte die Königin sie auf die Probe. Sie legte eine Erbse auf den Boden des Bettes und 20 Matratzen darüber. Am Morgen wurde die Frau gefragt, wie sie geschlafen habe. „Oh, schrecklich schlecht! Ich habe meine Augen die ganze Nacht nicht geschlossen! Gott weiß, was da im Bette gewesen ist!“ So sensibel konnte nur eine Prinzessin sein – und der Prinz nahm sie zur Frau.

Foto Erbsen: IGLO

Marchfeld-Erbsen

und anderes Gemüse aus dem Marchfeld gibts u. a. bei den Nah&Frisch Kaufleuten Franz

und Birgit Pekarek in 2292

Engelhartstetten, NÖ.

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