Von Mensch zu Mensch

Gschichtn

aus‘m Leben

Wie sich „Die Mayerin“ ihren musikalischen Lebenstraum erfüllte – und warum man stets auf sein Bauchgefühl hören sollte.


Text: Marcus Fischer

E

igentlich sollte unser Treffen im Haus von Ulrike Mayer im burgen- ländischen Wimpassing stattfinden. Hier lebt die Mittdreißigerin

mit ihrem Mann und den zwei Kindern (8 und 6). Aufgrund der Aus- gangsbeschränkungen beschließen wir, unser Gespräch telefonisch zu führen – was nicht immer einfach ist, denn manche Interviewpartner

telefonieren einfach nicht gerne. In diesem Fall ist es anders. Mit Begeis- terung in der Stimme beginnt Ulrike zu erzählen: Schon als Kind und

Jugendliche habe sie gern und viel gesungen, am Gymnasium sei dann ihre Musiklehrerin auf sie aufmerksam geworden. „Sie hat mich ermutigt, bei einem kroatischen Gesangswettbewerb bei uns im Burgenland teilzu- nehmen. Ich hab dort ein kroatisches Liebeslied vorgetragen – ,Vjeruj u ljubav‘ (,Glaub an die Liebe‘) –, obwohl ich kein Wort Kroatisch konnte“, lacht Ulrike.


Höhenflug mit BandWG

Mit 18 fängt die junge Sängerin an, in Wien Psychologie zu studieren. Schon im ersten Semester gründet sie mit ihrem Studienkollegen Bern Wagner und mit Markus Weiß ihre erste Formation: BandWG. Der Name ist Programm: Die drei verbindet eine Arbeits- und Wohngemeinschaft, sie schreiben Songs gemeinsam, feilen an der Umsetzung und proben jeden Tag viele Stunden. Alle drei haben einen Traum: mit BandWG ganz nach oben zu kommen. Sie machen Pop mit deutschen Texten und orientieren sich stilistisch an Bands wie Silbermond und Juli, für die sie bald schon als Vorgruppe in großen Hallen in Österreich und Deutschland vor Tausenden Zuschauern auftreten. Auch mit den eigenen Songs geht es rasch bergauf: 2008 schafft es die erste Single in die Charts, 2010 werden sie zur Voraus- wahl für den Song Contest eingeladen, und als ihre Single „10 Sekunden Glück“ auf Ö3 läuft, sind sie davon überzeugt, dass sie es fast schon ge- schafft haben.


Bruchlandung und Bauchgefühl

„Wir haben uns danach noch mehr reingehängt, wie verrückt gearbeitet, neue Singles produziert, alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sie im Radio gespielt werden – aber es hat nichts genützt. Jedes Mal haben wir wieder eine Watschn kassiert“, erzählt Ulrike. „Und irgendwann hat mir mein Bauchgefühl gesagt: Es ist vorbei – und ich bin ausgestiegen.“ Eine harte Zeit sei es gewesen, damals 2011. Für alle drei, schließlich habe man jahre- lang rund um die Uhr miteinander gelebt und gearbeitet. „Das war wie eine Trennung aus einer Beziehung – und da bleiben leider auch Wunden und Verletzungen. Ich hab damit ja auch den Lebenstraum von anderen Menschen zerstört. Und trotzdem hab ich gewusst, es muss sein.“


Ein anderes Leben

„Mädel, du musst was machen aus deinem Leben“, habe sie sich damals gesagt – und dann sei es Schlag auf Schlag gegangen. Studium beendet, eine eigene psychologische Praxis im Ort eröffnet, Kinder, Hausbau – fast scheint es, als hätte Ulrike ihr musikalisches Vorleben, ihren Lebenstraum, zugunsten eines „normalen Lebens“ an den Nagel gehängt. Nur folgerichtig ist es dann auch, dass ihr Lebensgefährte und sie beschließen zu heiraten. Ihrem künftigen Ehemann möchte Ulrike allerdings ein ganz besonderes Hochzeitsgeschenk machen: einen Song, den sie für ihn und ihre Gäste singen wird.


Bei BandWG war das Schreiben der Texte Gemeinschaftsarbeit gewesen. Jetzt entdeckt die Sängerin ihre Talente als Songschreiberin – und den Dialekt als jene Sprache, mit der sie am besten ihre Gefühle ausdrücken kann. „Als ich den Song für meinen Mann ,Zwischen Himmel und Erden‘ geschrieben hab, wurde mir klar, wie sehr der Wunsch nach eigenen Lie- dern und das Bedürfnis nach Bühnenluft in mir geschlummert haben.“ Als sie dann ihrem Liebsten und der Hochzeitsgesellschaft das Lied dar- bietet, fließen die Tränen beim Publikum. „Da haben sicher 80 % der Leute geweint. Und das war wunderschön“, lacht Ulrike.


„Die Mayerin“ wird geboren

Die Reaktionen auf „Zwischen Himmel und Erden“ sind überwältigend. „Es war eine Initialzündung. Der Zuspruch hat mir Mut gemacht, noch einmal neu anzufangen.“ Und wie schon zuvor mit BandWG verschreibt sich Ulrike ihrem neuen Traum mit ganzer Kraft. „2017 hab ich so viele Songs geschrieben, es ist richtig gesprudelt aus mir – über mein Leben, meine Geschichte, meine Erlebnisse, und das alles ganz persönlich, so, wie es aus mir herausgekommen ist.“ Allein in diesem Jahr veröffentlicht „Die Mayerin“, wie sie sich seither nennt, vier Singles samt Videos – und alle werden sofort auf den österreichischen Regionalsendern gespielt.


Der größte Erfolg bisher

Ihr erstes Album „Sternschnuppn“ erscheint im Februar 2018 und landet prompt auf Platz 4 der österreichischen Album-Charts. Drei weitere Lieder werden als Singles veröffentlicht und von den Sendern sofort ins Programm aufgenommen. „Ich habs gar nicht fassen können“, erzählt Ulrike, „und dann ist im April 2019 auch noch die Nominierung für den Amadeus Austrian Music Award gekommen!“ Die Vorauswahl für den wichtigsten österreichischen Musikpreis wird von einer 100-köpfigen Jury getroffen. „Die Mayerin“ wird in der Kategorie „Schlager“ nominiert – und setzt sich auf Anhieb gegen Branchengrößen wie die Edelseer und Andreas Gabalier durch. „Als ich den Amadeus dann in der Hand gehabt hab, war mir endgültig klar: Ich will genau so weitermachen!“


Versöhnung und neue Perspektiven

Voller Tatendrang geht sie an die Planung des zweiten Albums. Davor möchte sie aber noch eine Angelegenheit bereinigen – und ruft ihre ehe- maligen Bandkollegen an. Man trifft sich, spricht sich aus und räumt

damit die alten Geschichten aus dem Weg – endlich! Bern und Markus haben nach der Trennung von BandWG eine erfolgreiche Produktionsfirma gegründet. Ob sie nicht wieder miteinander arbeiten wollten, fragt Ulrike die beiden bei einem der Folgetreffen. Die beiden überlegen – und sagen zu. „Seit dem ersten Moment, wo wir wieder miteinander gearbeitet haben, hats gefunkt. Wir sind alle drei sehr anspruchsvoll, was die Arbeit angeht, und wir sind alle reifer geworden. Jetzt können wir unsere Energien nutzen, ohne dass uns unsere Egos im Weg stehen“, erzählt Ulrike begeistert.


Im Mai 2020 sollte das neue Album „Libellen“ erscheinen. Durch die Co- rona-Krise hat sich allerdings auch die Studioarbeit verzögert – weshalb man die Veröffentlichung auf den 5. Juni verschoben hat. „Wir freuen uns alle wahnsinnig drauf. ,Libellen‘ ist nämlich super geworden“, lacht Ulrike.

Bisheriger Höhepunkt der musikalischen Karriere von Ulrike Mayer alias „Die Mayerin“: der Amadeus Award.

Fotos: Nina Saurugg, Hans Eder, Ulrike Mayer, Caterina Hoffmann, beigestellt

„Zwischen Himmel und Erden“: Das Lied, das sie ihrem Mann zur Hochzeit singt, verändert ihr Leben.

Nachdem sie anlässlich ihrer Hochzeit wieder angefangen hat, Lieder zu schreiben, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Das erste Album der „Mayerin“ landete 2018 gleich auf Platz 4 der österreichischen Album-Charts. Ihr neues Album „Libellen“ erscheint am 5. Juni.

„Jetzt können wir unsere Energien nützen, ohne dass uns unsere Egos im Weg stehen.“

Einen Vorgeschmack auf „Libellen“ gibts auf unserer Website www.nahund- frisch.at/griass-di oder Sie besuchen Die Mayerins

YouTube-Channel.

Viel Spaß beim Reinhören!

Das Haus in Wimpassing hat Ulrike Mayer gemeinsam mit ihrem Mann in ihrer musikalischen Pause gebaut.

Sichtlich wohl fühlt sich Deutsch-Langhaar-Dame „Dea“ auf der Veranda.

BandWG mit Bern Wagner am Klavier und Markus Weiß am Cello.

Die hats

Ulrike Mayer

alias „Die Mayerin“ erledigt ihre Einkäufe seit vielen Jahren bei Nah&Frisch Kauffrau Martina Hönigsberger,

Eisenstädter Straße 42, 2485 Wimpassing/Leitha, Bgld.

Zur Vollansicht bitte antippen.

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