Winterbräuche

Anklöckeln,

krupfen und keppeln

Im Salzkammergut ziehen die Menschen im Advent, in den Raunächten und im Fasching von Tür zu Tür. Dahinter stehen drei ganz unterschiedliche Bräuche.

Text: Ute Fuith

A

nklöckeln heißt die traditionelle Herbergssuche in Salzburg. In Bad Hof- gastein wird sie von der Landjugend organisiert. Dieser Brauch erinnert

an die vergebliche Suche von Maria und Josef nach einer Unterkunft in der Heiligen Nacht. In der Adventszeit ziehen die Anklöckler von Haus zu Haus – eröffnet wird die kleine vorweihnachtliche Darbietung mit den Worten: „Griaß Gott es Leit vo fern und nah, de Anklöckler warnd wieda do. Mia treten ei bei Arm und Reich, wei vo insan Hergott is a jeda gleich.“


Maria und Josef in Tracht

Maria und Josef werden dabei von Hirten und einem Wirt begleitet, der dem mittellosen Paar die Unterkunft verweigert. In der Rolle der Maria ist heuer – wie auch schon oft in den Jahren davor – Johanna Schafflinger zu sehen. „Wir bringen mit kurzen Spielszenen und adventlichen Liedern Weihnachtsstimmung in die Häuser“, erklärt die Landesleiterin der Landjugend. Gekleidet sind die Herbergssuchenden in alte Salzburger Trachten: „Ich trage ein dunkles Dirndlkleid, dazu Bergschuhe, eine dicke Strickjacke, ein Kopftuch und einen Umhang.“ Auch der Josef, die Hirten und der Wirt sind alpenländisch mit Le- derhose und Janker gekleidet. Wichtige Requisiten des Wirts sind die Schürze und ein Krug, in dem die Spenden der Hausleute gesammelt werden.


Heischebrauch für Notleidende

Das Anklöckeln ist ein Heischebrauch, bei dem in früherer Zeit Lebens- mittel an Arme verschenkt wurden, damit diese zu Weihnachten nicht hungern mussten. Heute wird Geld gesammelt. „Das kommt dann zum Beispiel einer notleidenden Familie im Ort zugute“, erklärt Schafflinger. Gesungen werden Lieder wie „Als Maria übers Gebirge ging“ und „Gott griaß enk Leitln“ oder „Kurze Zeit lang“. Zum Abschluss gibt es noch Segens- wünsche für die Hausleute: „Mia wünschen enk oi, de wohnan im Haus, a gsunds neus Jahr nochn christlichen Brauch, Gsundheit, Glück und a longs Leben, und ois, wos enka Herz wünscht, des soi enk da Herrgott gebn.“ Dann zieht die kleine Gruppe weiter zum nächsten Haus.


KRUPF! KRUPF! KRUPF!

Seltsame Gestalten tummeln sich in der letzten Raunacht in der Viechtau, einem Landstrich bei Neukirchen in der Nähe von Altmünster in Oberöster- reich. Die verkleideten Kinder starten am 5. Jänner in der Früh und ziehen bis zum Nachmittag „Krupf-Krupf-Krupf!“ rufend durch den Ort. „Krupf“ bezieht sich auf die Krapfen, die für diesen Anlass gebacken wurden – und werden. „Der Brauch geht zurück ins 18. Jahrhundert, als die Obrigkeit den armen Kindern erlaubte, am Tag vor Dreikönig zu betteln“, erzählt Franz Spiessberger. Der pensionierte Eisenbahner kennt den Heischebrauch seit seiner Kindheit. „Früher haben sich die Kinder als Jäger, Handwerker, Vogelfänger oder Prinz und Prinzessin verkleidet. Heute sind sie in zeit- gemäßen Faschingskostümen unterwegs“, beschreibt Spiessberger.


Krapfen und Kleingeld

Die Vorbereitungen auf den Viechtauer Festtag beginnen schon am Tag davor. Die Frauen setzen den Teig für die Krapfen an, die Männer holen Kleingeld von der Bank. Heutzutage bekommen die Kinder nämlich nicht nur süße Krapfen geschenkt, sondern auch ein wenig „Bares“. Jeder im Dorf versucht, sich für diesen Tag freizunehmen. „Es ist ein Festtag für den ganzen Ort“, so Spiessberger. Am Tag vor den Heiligen Drei Königen, am 5. Jänner, geht es dann frühmorgens los. Die verkleideten Kinder ziehen unter lautstarken „Krupf-Krupf-Krupf!“-Rufen von Haus zu Haus. Die ganz Kleinen werden von ihren Eltern begleitet, die Größeren sind schon allein unterwegs.


Die großen „Krupfer“

Sind die Kinder mit ihren Heische-Runden fertig, machen sich die Erwach- senen auf den Weg. Auch sie sind verkleidet, gehen von Tür zu Tür und tragen lustige Begebenheiten aus dem Dorfleben vor. Dabei wird überein- ander, aber vor allem miteinander gelacht: „Die Verkleideten legen ihre Masken erst ab, wenn sie die Hausleute reinbitten. Dann bekommen sie eine kleine Jause“, sagt Spiessberger. Dabei wird auch das eine oder andere Schnapserl getrunken. Kein Wunder, dass das anschließende bunte Treiben nicht selten bis Mitternacht dauert.


Die Gaudi, nicht erkannt zu werden Herrn Spiessberger und seiner Frau ist es vor vielen Jahren einmal gelungen, sich so gut zu maskieren, dass sie nicht einmal von Familienmitgliedern erkannt wurden. „Wir waren als Putztruppe unterwegs und haben meinen Vater, der gerade beim Stallaus- misten war, von Weitem gegrüßt. Der hat sich gewundert, warum wir nicht hereinkommen und gefragt: ,Haben sie euch nicht ins Haus gelassen?‘ Das haben meine Frau und ich verneint. Mein Vater hat uns dann hereingebeten und wir haben noch lange gescherzt, bis ihm schließlich die Schürze, die meine Frau getragen hat, bekannt vorgekommen ist – die war nämlich aus unserem Haus. Als er uns erkannt hat, haben wir Tränen gelacht.“


WENN MÄNNER KEPPELN

Missgeschicke der Bevölkerung werden auch in Obertraun (OÖ) in Form eines besonderen Faschingsbriefes veröffentlicht. Dafür sind alljährlich am Faschingsmontag die Obertrauner Keppelweiba unterwegs. Die Vor- bereitungen dafür beginnen zum Faschingsauftakt am 11. November. „Die Geschichten, die wir in Reime und Lieder verpacken, sammeln wir das ganze Jahr über“, erklärt Johannes Platzl, Organisator der Keppelweiba. Die Faschingsgruppe besteht mehrheitlich aus Männern, lediglich zwei Frauen sind dabei, wobei die Männer in Frauenkleider schlüpfen und die Frauen Männergewand tragen. Geprobt wird den ganzen Winter durch. Welche Verkleidungen die Männer wählen, ändert sich von Jahr zu Jahr. „Voriges Jahr waren wir alte Damen, wir haben uns aber auch schon ein- mal als Cheerleader verkleidet“, lacht Platzl.


Gstanzln und Lieder im Wirtshaus

Am Faschingsmontag wird dann der Faschingsbrief ausgetragen und vor- gelesen. „Wir treffen uns um 9 Uhr in der Früh und touren dann den ganzen Tag durch die Wirtshäuser, wo wir die Geschichten und Lieder aus dem Brief zum Besten geben“, beschreibt Platzl. Wichtig sei es, dass durch die Gstanzln und Lieder niemand beleidigt wird. Für den Faschingsbrief arbeiten außerdem zwei Zeichner. Die Bilder können die Dargestellten des Faschings- briefs käuflich erwerben. Der Reinerlös aus dem Verkauf des Faschings- briefes und der Bilder wird für einen der Ortsvereine gespendet. Das sind abwechselnd die Bergrettung, die Feuerwehr oder die Ortsmusik.

„Gsundheit,

Glück und a longs Leben, ois, wos

enka Herz wünscht, des soi enk da Herrgott gebn!“

Fotos: gastein.com/Max Steinbauer, Oberoesterreich Tourismus GmbH/Andreas Röbl, beigestellt

Hinter den Obertrauner Keppelweiban stecken mehrheitlich Männer. Ihre Kostümierungen wechseln von Jahr zu Jahr, am Faschingsmontag tragen sie den Faschingsbrief aus.

BUCHTIPP:

Sandra Galatz,

„Bräuche im

Salzkammergut.

Gelebte Tradition im Jahreskreis“,

Anton Pustet Verlag, 2020,

www.pustet.at

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www.kaiser-zuckerl.at