Mei Weg

Kauffrau aus

Berufung

Sandra Schweighofer wollte sich nach elf Jahren im Verkauf verändern. Im Gespräch erzählt sie, warum die Filialleitung bei einem Diskonter nichts für sie war und was sie an ihrem „lieben Gschäftl“ so schätzt.

Text: Marko Locatin Foto: Sebastian Freiler

S

chrick, ein zur Marktgemeinde Gaweinstal zählender 1.000-Seelen- Ort im Bezirk Mistelbach, liegt in einer der ältesten Gegenden des

Weinviertels. Erste Erwähnungen gehen auf anno 1050 zurück. Heute haben sich hier einige kleinere Betriebe angesiedelt, das Dorfleben wird durch zahlreiche Vereine belebt. Es gibt die Freiwillige Feuerwehr, einen Fußball- und Tennisclub, einen Musikverein, einen Rad- und Laufclub. Sandra Schweighofer ist Mitglied im Schützenverein, aber „ihr brauchts vor mir ka Angst haben. I schiaß nur auf Spiegel“, lacht die Kauffrau. Ihr Geschäft liegt direkt neben dem Gasthaus „Zum Goldenen Igel“. Sandra wohnt mit ihrem Schatz – den sie 2018 geheiratet hat –, vier Schildkröten sowie der vierjährigen Zwergpinscher-Dame Melli mitten im Ort.


Sandra, wie bist du eigentlich Kauffrau geworden?

„Meine Lehre war in der Bäckerei Heindl in Mistelbach. Dann hab ich die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht. Elf Jahr war ich dort, aber dann wollt ich mich ein bisschen verändern. Und hab dann bei einer Tankstelle gearbeitet. Aber das war nicht so meins (lacht). Ich hab dann wieder was im Verkauf gesucht und bin bei einem Lebensmittel-Diskonter gelandet. Da war ich einige Jahre, am Schluss Filialleiterin. Aber das war mir zu viel Akkordarbeit und zu wenig echter Kundenkontakt.“


Und wie kommst nach Schrick?

„Ich bin durch mei Schatzl hierher gekommen, ursprünglich bin ich aus Bad Pirawarth. Der Roman arbeitet bei der OMV in Schwechat. Er hilft mir hier, wenn einmal Not am Mann ist. Wir kennen uns, seit ich acht Jahre alt war. 2010 sind wir dann zusammengekommen, seit 2011 wohnen wir hier in Schrick. Ich bin oft an diesem kleinen lieben Gschäftl vorbei- gegangen und hab mir vorgestellt, was man da alles machen könnte. Die Vorgängerin hat vor zwei Jahren aufgehört, da wurde ein Nachfolger ge- sucht. Es war schon ein großer Schritt und eigentlich hab ich mich gar nicht getraut, das Geschäft zu übernehmen, aber mir ist von allen Seiten gut zugeredet worden. Seit Anfang 2018 bin ich jetzt da.“


Was taugt dir besonders an deinem Beruf?

„Der Verkauf ist halt wirklich meins. Ich seh das als meine Berufung. Es ist einfach nie fad und es gibt immer was Neues zu tun. Wir sind ein Dreimäderlhaus und das funktioniert echt super. Besonders gern mach ich Platten und Brötchen für meine Kunden. Die sind pipifein, einfach mit viel Herz gemacht. So gewinnt man auch neue Kunden und umge- kehrt schauen die Kunden auch auf uns. Jetzt in der Krise haben sie uns sogar Gutscheine gegeben, dass wir zum Wirt essen gehen können!“


Und was machst du als Ausgleich zu deinem Beruf?

„Ich bin Luftdruckgewehr-Schützin. Beim Verein, wo mein Schatz Obmann ist. Wir schießen aber nur auf Spiegel. Und Schnaps brennen tun wir auch. In Obersulz, wo der Roman einen Keller geerbt hat, dort destillieren wir auch unsere Edelbrände. Den Kürbiskernlikör mach ich, das is Chefsache (lacht). Aus den Bananen, die braune Stellen haben und eigentlich noch gut sind, aber nicht gekauft werden, wird ein köstlicher Bananenbrand. Den gibts natürlich bei mir im Gschäftl (zeigt stolz auf das Schnapsregal). Wollts ihr wirklich ka Stamperl?“

„Am besten is es, wennst direkt zu deinen Kunden Kontakt hast – wie in so einem Gschäftl wie meinem.“

Hand aufs Herz

Sandra Schweighofer

Als Kind wollte ich … fliegen.

Am meisten schätze ich ... die Loyalität meines Mannes mir gegenüber.

Am meisten stört mich, ... wenn irgendwer rücksichtslos ist.

Das Schönste an meinem Beruf ist, ... dass man immer wieder was dazulernt. Wir können uns immer wieder verbessern.

Manchmal fällt es mir schwer, ... alles unter einen Hut zu kriegen.

Wenn mir alles zu viel wird, ... werd ich bockig (lacht).

Ein Mensch, den ich bewundere, ... der muss erst kommen!