Herbstbräuche

Der Herbst der Tiere

Der Kölblwirt liegt auf 860 Meter Höhe und ist eine Legende im Bergsteigerparadies Gesäuse. Auch in der Speisekarte hinterlassen die Berge deutliche Spuren.

Text: Marcus Fischer

P

atrone und Schutzheilige spielten seit jeher im bäuerlichen Leben eine besondere Rolle. Rund um die Erntezeit stand der heilige Leonhard, der

Schutzpatron der Nutztiere, im Mittelpunkt zahlreicher Bräuche und Feierlich- keiten. Den „Bauernheiligen“ bat man um Gesundheit und Wohlergehen für die Tiere am Hof – vor allem für die Pferde, Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen.


Im Lauf der Zeit entstanden so zahlreiche Segenssprüche. Aus Oberöster- reich kommt die Formel: „St. Leonhard, mir bittn sche, lass Kalm und Kuah fei sicha geh, Ross, Schafi, Fackn und a Kitz vor Seuch und Unreim alls be- schütz!“ In vielen Kirchen, die dem heiligen Leonhard geweiht sind, findet man Votivtafeln oder Ketten und Hufeisen, die von kranken oder wieder ge- heilten Tieren stammen.


Feste für den „Bauernheiligen“

In der oberösterreichischen Leonhardi-Pfarre Desselbrunn wird eine besondere Tradition rund um den Heiligen bis heute gepflegt: der Leonhardiritt (heuer am 12.11.). An die hundert Leonhardireiter erbitten dabei den Segen für sich und ihre Tiere. Dafür werden sowohl Ross als auch Reiter festlich herausgeputzt. Die feierliche Reiterprozession, bei der auch eine Statue des Heiligen mitgetragen wird, führt mitten durch den Ort, vorbei am Leonhardikirtag zur Leonhardiwie- se. Begleitet wird der Festzug von Kindergartenkindern mit herbstlichen Leon- hardibuschen, in die bunte Bänder eingebunden sind. Zur Stärkung gibts für die Pferde geweihtes Brot und für die Reiter ein Leonhardikipferl. Beim Leonhardi- kirtag opfern die Desselbrunner ihrem Kirchenpatron auch kleine, selbst ge- machte Wachstiere und stellen sie vor dem Leonhardialtar auf – ein Ritual, das vor allem unter Landwirten sehr beliebt ist.

www.desselbrunn.at


Leonhardiritte sind häufig auch mit einer Pferdesegnung verbunden. So etwa in Geiersberg (11.11.); bei den Reiterspielen in der Innviertler Gemeinde können Reiter ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Beim „Kranzlstechen“ soll mit- hilfe eines Stocks ein Reisigkranz erwischt werden.

Einer der bekanntesten Leonhardiritte Oberösterreichs findet alljährlich in Pet- tenbach (5.11.) statt. Zelebriert wird der Tag des Schutzheiligen mit einer Messe, Pferdesegnung und dem dreimaligen Ritt um die Kirche. Früher wurden in Pet- tenbach die Pferde sogar durch das Gotteshaus durchgeführt.

www.geiersberg.at, www.pettenbach.at


Martiniloben im Burgenland

Vor allem in der Region um den Neusiedler See wird im Herbst die Tradition des „Martinilobens“ gepflegt. Früher gingen die Weinbauern am 11. November von Keller zu Keller, um die jungen Weine der eingebrachten Ernte zu verkosten, zu beurteilen und zu benennen. War der junge Wein reif, wurde er getauft und offiziell zum Wein erklärt.


Heute wird der heilige Martin, der Schutzpatron des Burgenlandes, mit einem abwechslungsreichen kulinarischen und kulturellen Programm gefeiert, das sich über den gesamten November erstreckt. Der Festreigen lockt mittlerweile Gäste aus der ganzen Welt an. Weinbauern aus zahlreichen Weinbaugemeinden öffnen ihre Keller und laden zu Weinsegnung, Verkostung und kulinarischen Schman- kerln. Begleitet wird das Martiniloben von Kunstausstellungen sowie Führungen und Exkursionen. Gegen einen kleinen Kostenbeitrag erhalten die Besucher der „Tage der offenen Kellertüren“ im jeweiligen Ort einen Korken, ein Kostglas oder einen Anstecker, die ihnen den Genuss aller edlen Tropfen ermöglichen. Neben dem Wein wird auch das traditionelle „Martinigansl“ geboten. Das „Martinilo- ben“ hat sich so zu einem kulinarischen Fest der Sinne entwickelt, das Einheimi- sche und Gäste begeistert zelebrieren. Schauplätze des diesjährigen Festreigens sind u. a. Apetlon, Breitenbrunn, Mörbisch, Neusiedl, Purbach, Weiden, Gols und Illmitz.

www.burgenland.info


Wenn die Kasmandln kommen …

Martini ist auch für Almwirte ein wichtiger Lostag. Wenn das Vieh aus dem Sommerquartier in die Winterställe übersiedelt ist, verlassen im Lungau auch die Sennleute nach alter Tradition am 11. November endgültig die Almhütte. Der Legende nach ziehen dann geisterhafte Wesen – die sogenannten Kas- mandln – in die leeren Berghütten ein. Für die unsichtbaren Wintergäste werden bis heute gehacktes Holz zum Heizen sowie Essen zurückgelassen. Die Sennerin- nen und Bauersleute dürfen erst wieder zu Georgi am 24. April auf die Alm. Am Vorabend des Einzugstages werden die Kasmandln durch Lärm aus ihrer Win- terunterkunft in die Berge vertrieben, wo sie sich den Sommer über von allerlei Kleingetier und den Früchten des Waldes ernähren können.


Schaftag zu Michaeli

Was für die Kühe der Almabtrieb, ist für die Schafe der Schaftag oder auch die Schafmusterung vor Michaeli am 29. September. Für Schafbesitzer in Oberöster- reich ist das der wichtigste Tag im Jahr. Schon in aller Früh sind die Bauern und Schafhalter unterwegs, um die Schafe in den großräumigen Weidegebieten aus- findig zu machen und zum Sammelplatz zu treiben. Dort treffen tagsüber im- mer wieder größere und kleine Herden ein. Die Schafe werden in der sogenann- ten „Pferch“ zusammengetrieben, wo der „Ausschreier“ die Markierungen der Schafe in der ortsüblichen Mundart beschreibt, damit jeder Besitzer seine Tiere wiederfindet.

Zu Ehren des heiligen Leonhard finden Anfang November zahlreiche Prozessionen statt.

„St. Leonhard, mir bittn sche,

lass Kalm und Kuah fei sicha geh!“

Segensbitte an den „Bauernheiligen“

Fotos: Mauritius Images, Picturedesk, Anja Hutter

Kasmandlfahren

Zu Martini gehen die Kinder im steirischen Ennstal und in der Ramsau oft zum „Kasmandlfahren“. Dabei ziehen sie – meist verkleidet – von Haus zu Haus und erzählen in lustigen Gedichten, Sprüchen und Liedern vom Kasmandl sowie vom Almleben. Aus dem Lungau ist folgender Reim überliefert: „Griaß enk Gott liabe Leit, es Kasmandlgea is wieda a Bsunderheit, drum losts guat zua, mia mechtn dazön, wos auf da Alm is ois gwen.“ Für das leibliche Wohl sorgen bei den Umzügen Almspezialitäten wie Rahmkoch, Rahmkas oder das süße Germgebäck „Schnuraus“.

www.kasmandl.at

„Griaß enk Gott liabe Leit, es Kasmandlgea is wieda a Bsunderheit, drum losts guat zua, mia mechtn dazön, wos auf da Alm is ois gwen.“

Kasmandl-Reim aus dem Lungau

Zur Vollansicht bitte antippen.

www.casali.at